Wambach-Bericht

Wirecard-Affäre holt EY wieder ein

Von Mark Fehr
12.11.2021
, 13:38
Stolperstein für die Wirtschaftsprüfer: Logo von Wirecard auf einem Gebäude des mittlerweile insolventen Unternehmens
Der nun öffentlich gewordene Bericht über Versäumnisse von EY bei der Prüfung des Skandalunternehmens Wirecard sorgt für neuen Wirbel, auch wenn vieles daraus schon bekannt war. Worum geht es und warum ist das Dokument so brisant?
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Der Druck auf das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY in der Wirecard-Affäre wächst, nachdem der Bericht des vom Parlamentarischen Untersuchungsausschuss beauftragten Sonderprüfers über Versäumnisse der für Wirecard zuständigen Wirtschaftsprüfer nun veröffentlicht wurde. Die Wirtschafts- und Finanzzeitung „Handelsblatt“ hat sich zu diesem Schritt entschlossen, um geschädigten Wirecard-Anlegern Transparenz zu verschaffen. Das Dokument war als geheim eingestuft worden. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Stand der Dinge:

Worum geht es?

Der ehemalige Dax-Konzern und Börsenstar Wirecard musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem er kurz zuvor eingeräumt hatte, dass 1,9 Milliarden Euro fehlten. Dadurch stellte sich heraus, dass das von vielen Anlegern und Investoren bejubelte Wachstum des Zahlungsdienstleisters offenbar zu einem bedeutenden Teil auf Manipulationen der Bilanz beruhte. Das ließ auch den zuständigen Wirtschaftsprüfer EY schlecht aussehen, der zwar im letzten Moment das Testat für den Wirecard-Jahresabschluss für das Jahr 2019 verweigert, dem Unternehmen in den Vorjahren aber stets eine ordnungsgemäße Bilanzierung bescheinigt hatte.

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Die Wirecard-Insolvenz war keine Insolvenz wie jede andere, sondern die erste eines Dax-Mitglieds, also eines Unternehmens der obersten Börsenliga, in der die Top-Konzerne der deutschen Wirtschaft versammelt sind. Der Skandal führte sogar dazu, dass der Bundestag einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss bildete, um der Frage auf den Grund zu gehen, welche Verantwortlichen in Unternehmen und Behörden für das Desaster verantwortlich waren und wie sich solche Fälle künftig verhindern lassen können.

Warum ist die Affäre für EY so gefährlich?

Gefährlich ist die Wirecard-Affäre aus zwei Gründen: Zum einen übersteigt der milliardenhohe Schaden von Anlegern wohl die Mittel, die selbst einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wie EY üblicherweise zur Verfügung stehen. Was mindestens so schwer wiegt wie die mögliche finanzielle Belastung durch Gerichtsurteile oder einen Vergleich mit Klägern, das ist der Reputationsschaden. Wirtschaftsprüfer leben von ihrem Ruf und dem Vertrauen, dass ihre Prüfungskunden und deren Investoren in die Zuverlässigkeit der Testate setzen. Dieses Vertrauen wurde durch den Wirecard-Skandal erschüttert. In der Folge haben schon wichtige Mitarbeiter und Mandanten EY den Rücken gekehrt. EY hat die Vorwürfe allerdings zurückgewiesen und gesagt, zuverlässig gearbeitet zu haben und selbst von Wirecard betrogen worden zu sein.

Welche Folgen hatte der Wirecard-Skandal bisher?

Im Moment richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf den Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY. Für andere Beteiligte hat der Skandal auch schon gravierende Konsequenzen gehabt. So wurden der Präsident der Finanzaufsicht Bafin und dessen Stellvertreterin ausgewechselt, ebenso der Chef der Wirtschaftsprüferaufsichtsstelle APAS. Wirecards ehemaliger Vorstandsvorsitzender Markus Braun ist in Untersuchungshaft und das ehemalige Vorstandsmitglied Jan Marsalek untergetaucht.

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Was steht in dem geheimen Bericht?

Bei dem nun veröffentlichten Dokument handelt es sich um den Bericht des Wirtschaftsprüfers Martin Wambach, den der Parlamentarische Untersuchungsausschuss des Bundestages beauftragt hatte, als Sonderermittler einen fachlichen Blick auf die Arbeit von EY zu werfen. Wambach, der beim EY-Konkurrenten Rödl & Partner arbeitet und zum Vorstand des Wirtschaftsprüferinstituts IDW gehört, hat die Unterlagen und Arbeitspapiere ausgewertet, mit denen EY intern die Prüfung von Wirecard dokumentierte. Was in dem Wambach-Bericht steht, war zu einem großen Teil schon durch den Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses bekannt geworden, der im Juni veröffentlicht worden war.

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Gestützt auf den Wambach-Bericht und Zeugenaussagen bemängeln die Politiker darin die Arbeit der Wirtschaftsprüfer von EY. Dabei spielen Versäumnisse in der Prüfung von ausländischen Treuhandkonten eine Rolle, auf denen die fehlenden 1,9 Milliarden Euro angeblich gelegen haben sollen. Das ist besonders schmerzhaft für EY, weil die Prüfung von Bankguthaben zu den eigentlich leicht durchführbaren Routineaufgaben von Wirtschaftsprüfern gehört. Schließlich lassen Bankkonten und deren Kontostand leicht nachweisen, wenn es sie denn gibt. Fragwürdig ist laut Ausschussbericht des Untersuchungsausschusses zudem, warum eine von EY durchgeführte Sonderprüfung namens „Project Ring“ über Betrugs- und Manipulationsvorwürfe bei Wirecard in Indien ohne Ergebnis abgebrochen wurde.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fehr, Mark
Mark Fehr
Redakteur in der Wirtschaft.
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