FAZ plus ArtikelZahlungsabwickler Stripe

Die Jung-Milliardäre aus der Provinz

Von Thomas Klemm
31.03.2021
, 20:26
Zwei Brüder aus einem irischen 100-Seelen-Dorf haben den Zahlungsabwickler Stripe gegründet. Mittlerweile wird dieser höher bewertet als fast jeder Dax-Konzern. Ihr Trumpf: Einfachheit.

Große Geschäftsideen entstehen auch in kleinsten Dörfern. Zum Beispiel in Dromineer, einem irischen Örtchen, das bei der zurückliegenden Volkszählung auf gerade einmal 102 Einwohner kam. Lebhaft geht es dort nur zu, wenn gutes Wetter ist und Ausflügler aus dem nahen Limerick kommen; zum Wandern, Angeln oder Segeln auf dem Loch Derg. Die Idylle mag für Tagestouristen entspannend sein, für jugendliche Einheimische ist sie dagegen eher öde. Nur in ganz speziellen Fällen wird sie zum Startpunkt einer aufregenden Reise. Er habe sich oft gefragt, ob es nicht wünschenswert sei, an so einem langweiligen Ort aufzuwachsen, hat John Collison in einem Interview gesagt. Denn: „Dort ist man gezwungen, seine eigenen Interessen zu finden.“

John Collison und sein Bruder Patrick haben es geschafft, im beschaulichen Dromineer Inspiration zu finden und danach eine sagenhafte Weltkarriere hinzulegen. Sie haben das Start-up Stripe gegründet, das vor allem Zahlungen im Internet abwickelt und gerade mit 95 Milliarden Dollar bewertet worden ist. Damit hat es niemand Geringeres als Elon Musks Weltraumfirma Space X als wertvollstes nicht an der Börse notiertes Unternehmen der westlichen Welt abgelöst. Nur der chinesische Konzern ByteDance, der hinter der Video-App Tiktok steht, wird von privaten Investoren noch höher eingestuft. Vergleicht man Stripe mit der Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen aus Deutschland, sind nur die Dax-Konzerne VW, SAP, Linde und Siemens mehr wert.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Klemm, Thomas
Thomas Klemm
Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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