Erstmals seit Mai 2019

Zehnjährige Bundesanleihe wieder mit positiver Rendite

Von Martin Hock
19.01.2022
, 08:55
Inflation ist aktuell wieder ein Thema - auch für die EZB.
Die Inflationssorgen haben die Rendite der Bundesanleihe nach zweieinhalb Jahren wieder in den positiven Bereich ansteigen lassen. Experten glauben, dass die Renditen weiter steigen werden.
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Im Sog des Ausverkaufs amerikanischer Staatsanleihen werden auch Bundesanleihen derzeit verkauft. Erstmals seit dem Mai 2019 stieg so deren Rendite am Mittwochmorgen wieder über 0 Prozent bis auf einen Spitzenwert von 0,02 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe stieg wegen der Aussicht auf baldige Zinserhöhungen der Notenbank Fed auf zuletzt 1,8735 Prozent und läuft auf ihren stärksten Anstieg in mehr als fünf Jahren zu.

Marktbeobachter gehen davon aus, dass diese demnächst 2 Prozent erreichen wird. Derzeit wird eine starke Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte im März für möglich gehalten. Es wäre die erste Erhöhung in diesem Ausmaß seit 22 Jahren.

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Die 2 Prozent seien sicher, nach einer Zinserhöhung im März aber werde sich der Abverkauf verlangsamen, jedoch weitergehen, prognostizierte Damien McColough, Leiter des Anleihen-Research der Westpac Banking Corporation gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Anstieg der deutschen Rendite sei die Folge anhaltend hoher Inflationsraten und der Erwartung dieser Zinserhöhungen sowie einer weniger expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, kommentiert Oliver Eichmann, Zinsexperte für den europäischen Raum der Fondsgesellschaft DWS. „Wir gehen davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen in diesem Jahr weiter bis in den Bereich von plus 0,2 Prozent steigen wird.“

Derzeit erwarte man allerdings nicht, dass der Markt die Refinanzierungsfähigkeit der höher verschuldeten Staaten des Euroraums testen werde. Die Geldpolitik der EZB dürfte expansiv bleiben und über die weiter laufenden Anleihenkäufe einem stärkeren Anstieg entgegenwirken. Darüber hinaus sei durch den europäischen Aufbauplan „NextGenerationEU“ schon eine teilweise Vergemeinschaftung der Staatsschulden gegeben. Indes könnte das psychologische Moment einer positiven Rendite der Bundesanleihen Investoren dazu bewegen, Kapital aus höher verschuldeten Staaten des Euroraums abzuziehen. Daher geht die DWS von moderat höheren Risikoprämien italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen auf Sicht von zwölf Monaten aus.

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Kein Test der Refinanzierungsfähigkeit

Auch Anleihen anderer Staaten stehen unter Druck. So stieg die Rendite der 10-jährigen italienischen Anleihe am Morgen scharf von 1,314 bis auf 1,382 Prozent an. Britische Staatsanleihen, die am Dienstag noch mit 1,1809 Prozent rentierten, wurden bei bis zu 1,22 Prozent gehandelt. Im Dezember sind die Verbraucherpreise auf der Insel gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,4 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt ONS am Mittwoch mit. Das ist der höchste Anstieg seit 30 Jahren und war höher als von Analysten erwartet.

Die britische Notenbank hat auf die hohe Teuerung bereits reagiert und im vergangenen Jahr eine erste Zinsanhebung seit Ausbruch der Corona-Pandemie vorgenommen. Im laufenden Jahr werden weitere Anhebungen erwartet.

Weitere Zinsanhebungen erwartet

Mittlerweile fürchten Anleihenhändler, dass Inhaber von hypothekenbesicherten Anleihen weitere Staatsanleihen verkaufen werden, um sich gegen Zinsrisiken abzusichern.

Sorgen macht Fachleuten auch der Terminmarkt, wo Leerverkäufe auf ein massives Abwärtsrisiko hindeuteten.

Nach Umfragen von Bloomberg wird zum Jahresende eine Rendite von 2,13 Prozent erwartet. Einige rechnen jedoch mit noch höheren Renditen: Lombard Odier mit 2,25 Prozent und Shane Oliver von AMP Capital sogar mit 2,75 Prozent. Der Anleihenmarkt erkenne, dass die säkulare Stagnation vorbei sei und die Inflation für längere Zeit höher sein werde.

Dass am europäischen Anleihenmarkt das Szenario steigender Renditen keineswegs ausgemacht ist, zeigte am Morgen die weitere Entwicklung. Kaum hatte die Rendite der Bundesanleihe 0,02 Prozent erreicht, setzten massive Käufe ein, die die Rendite binnen 20 Minuten wieder auf 0,056 Prozent drückte, worauf aber ein neuerlicher scharfer Anstieg folgte. Der Markt zeigt sich aktuell von einer sehr volatilen Seite.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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