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Alltag in besetzten Gebieten

Das Gesicht der jüdischen Siedlungen

Von Jochen Stahnke und Claus Eckert
 - 22:07
Jüdische Kinder spielen in Havat Gilad in dem durch Israel besetzten Westjordanland. Die Siedlung besteht aus über einen Bergrücken verstreuten Häusern, umgeben von palästinensischen Dörfern. zur Bildergalerie

Israelische Siedlungen im besetzten palästinensischen Gebiet sind eines der größten Hindernisse, die einem palästinensischen Staat entgegen stehen. Viele dieser Siedlungen sind über die vergangenen Jahrzehnte genau deshalb an strategischen Orten inmitten des palästinensischen Gebiets errichtet worden. Rund zweihundert sind es mittlerweile.

Da die israelische Regierung für Infrastruktur, Stromversorgung und militärische Sicherheit aufkommt, ist es kein Zufall, an welchen Punkten die Siedlungen stehen. Dabei war es nicht etwa eine rechte Regierung, sondern die Arbeitspartei, die den ersten religiös bewegten Siedlern erlaubte, aus verlassenen Militärposten Wohnorte zu machen. Das war kurz nach dem Sechstagekrieg 1967, als Israel die arabischen Staaten präventiv angriff, unter Annahme syrischer und ägyptischer Angriffsvorbereitungen. Jedenfalls eroberte Israel in diesem Krieg auch das Westjordanland, das bis dahin von Jordanien verwaltet worden war. Bis heute hält Israel dieses Gebiet seither militärisch besetzt. Über die nachfolgenden Jahrzehnte kam es zu einem großen Bevölkerungstransfer in besetztes Gebiet. Hunderttausende Israelis leben mittlerweile im Westjordanland.

Im Alltag der besetzten Gebiete hat sich längst eine vielfältige Mischung aus Siedlern gebildet, die aus ihrer Sicht manchmal gar nicht schlecht mit den Palästinensern auskommen. Manche Siedler sind radikal, neigen zu Gewalt, doch ist das nur eine Minderheit. Viele Siedler sind streng nationalreligiös, aber viele auch nicht.

Für die, die etwa in die Groß-Siedlung Maale Adumim nahe Jerusalem leben, war es vor allem der von der Regierung angebotene günstige Wohnraum, der sie dorthin verschlagen hat. Sie kommen mit Palästinensern in Kontakt, die in den Siedlungen als Bauarbeiter ein Auskommen gefunden haben, weil sie von den Siedlern besser bezahlt werden als anderswo im Westjordanland.

Manche Siedler nehmen noch nicht einmal mehr wahr, dass sie in einer „Siedlung“ leben, so gut ist mittlerweile die Verkehrsanbindung nach Kern-Israel. Wenn Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der Parlamentswahl am Dienstag nun abermals eine Annexion der Siedlungen und anderer Gebiete im Westjordanland ankündigt, scheint dies für viele nur folgerichtig.

Für den palästinensischen Bauern Muhammad Awad aus Wadi Fukin, der sein Feld direkt hinter der Siedlung Beitar Illit bewirtschaftet, macht es indes keinen Unterschied, aus welchen Gründen Israelis in die besetzten Gebiete gezogen sind. „Es ist unmöglich, Frieden zu haben, weil sich der Hauptkonflikt um Land dreht, das sie gewaltsam genommen haben, wie kann ich also eine Person mein Land stehlen lassen, darauf leben und es genießen, und mit ihr in Frieden leben?“

Vor der Wahl in Israel haben Reuters-Fotografen die immer weiter wachsenden Siedlungen besucht, und auch die Palästinenser, die dazwischen leben: Siedler dürfen wählen, Palästinenser nicht. Die Bilder zeigen große Lebensunterschiede – nicht nur zwischen Israelis und Palästinensern.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Stahnke, Jochen
Jochen Stahnke
Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.
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Autorenporträt / Eckert, Claus
Claus Eckert
Bildredakteur.
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