Flüchtlingslager in Frankreich

Improvisiertes Restaurant

23.12.2021
, 10:10
Wenn die Dunkelheit einbricht wärmen sich die Campbewohner bei Tee von Mahmud.
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Der Winter im Lager von Dunkerque ist hart. Ein Iraker möchte mit seinen selbstgemachten Sandwiches und Tee die Zeit des Wartens erträglich machen – und von dem Geld von Frankreich weiter nach England reisen. Der Fotograf Juan Medina hat den ambitionierten Koch begleitet.

Schon einige Tage nachdem eine Gruppe von Geflüchteten entlang einer alten Bahntrasse ihr Camp errichtet hatte, hat Dawan Anwar Mahmud aus alten Hölzern und Tarp eine kleine Hütte gebaut, die als Restaurant und Treffpunkt des neuen Camps dienen sollte.

Mahmud hat einen weiten Weg hinter sich. Er floh als Kurde aus dem Irak, dort wurde er von der Polizei verprügelt und festgenommen. 2015, nachdem die gewalttätigen Unterdrückungen der Kurden begannen, beschloss er zu fliehen. Nach Schweden, wo seine Schwester lebt. Nach sechs Jahren des Wartens wurde sein Asylantrag abgelehnt, weshalb er weiterzog und nun am Ärmelkanal ausharrt, um nach England zu kommen.

In England kann er sich vorstellen, sein eigenes Restaurant zu eröffnen. Gelernt hat er das Kochen in einem kurdischen Restaurant in Schweden. Er galt als Spezialist für Kebabs und selbstgebackenes Brot. „Dort konnte ich allein bis zu 800 Brote am Tag backen.“ Im Camp fehlt ihm ein Ofen, um sein Brot selbst zu backen. So gibt es heute im Restaurant kurdische Hähnchenleber im französischen Baguette. Für viele der Campbewohner ist der Geschmack dennoch ein Stück Heimat und das Extrageld wert.

Mahmud verdient so am Tag zwischen 40 und 70 Euro, er hat zwei Männer, die ihm helfen und die er von den Einnahmen auch bezahlt. Alle sammeln sie Geld, um irgendwie den Ärmelkanal zu überqueren. Nach den Unglücken per Boot hat Mahmud Angst. Er möchte lieber in einem Lkw auf die Insel. Mit 4000 Pfund ist die Überfahrt aber doppelt so teuer wie mit einem Boot. Ende des Sommers hatte Mahmud schon einmal 1600 Pfund an einen Schmuggler verloren.

Einen Tag nachdem es im Restaurant Hähnchenleber gab, löste die französische Polizei das Camp und somit auch Mahmuds Restaurant auf. Ob er seine Reise nach England finanzieren kann, bleibt ungewiss.

Die improvisierte Küche von Mahmud.
Die improvisierte Küche von Mahmud. Bild: Juan Medina/Reuters
Unmenschliche Bedingungen herrschen im Camp von Loon-Plage.
Unmenschliche Bedingungen herrschen im Camp von Loon-Plage. Bild: Juan Medina/Reuters
Früher hat Mahmud sein Brot selbst gebacken, heute fehlt ihm dazu der geeignete Ofen.
Früher hat Mahmud sein Brot selbst gebacken, heute fehlt ihm dazu der geeignete Ofen. Bild: Juan Medina/Reuters
Mahmud sitzt in seinem Zelt im Lager von Loon-Plage.
Mahmud sitzt in seinem Zelt im Lager von Loon-Plage. Bild: Juan Medina/Reuters
Campbewohner stehen für Essen an.
Campbewohner stehen für Essen an. Bild: Juan Medina/Reuters
Bei Mahmud bekommen die Geflüchteten irakische Sandwiches im französischen Baguette.
Bei Mahmud bekommen die Geflüchteten irakische Sandwiches im französischen Baguette. Bild: Juan Medina/Reuters
Der Regen und das schlechte Wetter machen Mahmud zu schaffen.
Der Regen und das schlechte Wetter machen Mahmud zu schaffen. Bild: Juan Medina/Reuters
Von seinem verdienten Geld möchte Mahmud seine Weiterreise nach England finanzieren.
Von seinem verdienten Geld möchte Mahmud seine Weiterreise nach England finanzieren. Bild: Juan Medina/Reuters
Mahmud bereitet den Tee vor, den er verkaufen möchte.
Mahmud bereitet den Tee vor, den er verkaufen möchte. Bild: Juan Medina/Reuters
Kurdische Migranten wärmen sich am Feuer.
Kurdische Migranten wärmen sich am Feuer. Bild: Juan Medina/Reuters
Mahmud und seine Helfer bereiten Zutaten für die Sandwiches vor.
Mahmud und seine Helfer bereiten Zutaten für die Sandwiches vor. Bild: Juan Medina/Reuters
Mahmuds Zelt liegt versteckt im Gebüsch.
Mahmuds Zelt liegt versteckt im Gebüsch. Bild: Juan Medina/Reuters
Mahmud verkauft auch Tee im Camp.
Mahmud verkauft auch Tee im Camp. Bild: Juan Medina/Reuters
Die französische Polizei sichert das Gelände, während das Lager aufgelöst wird.
Die französische Polizei sichert das Gelände, während das Lager aufgelöst wird. Bild: Juan Medina/Reuters
Die Nächte im Camp sind kalt und ungemütlich.
Die Nächte im Camp sind kalt und ungemütlich. Bild: Juan Medina/Reuters
Quelle: F.A.Z.
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