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Moonshots

Die Entdeckung der Erde – Fotos der Nasa

Von Stephan Finsterbusch
 - 12:51
Aufgang der Erde über den Mond. Das „Earthrise“ genannte Foto wurde am 24. Dezember 1968 von William Anders, Astronaut der Apollo-8-Mission, gemacht. zur Bildergalerie

Drama und Größe, Tragödie, Staunen und Triumph: Die sogenannten Moonshots sind mehr als nur Fotografien vom Mond und aus dem All, von feurigen Starts der Raketen und den atemberaubenden Flügen der Raumschiffe, von Astronauten in ihren Kapseln und Ingenieuren vor riesigen Schaltpulten in der Zentrale der Nasa. Sie sind historische Dokumente des wohl größten Meilensteins der Technik der Moderne; Bilder eines der erstaunlichsten Abenteuer in der Geschichte der Menschheit.

Davon zeigt Piers Bizony 200 der eindringlichsten Aufnahmen in dem gewichtigen Sammelband „Moonshots“. Ein Buch im quadratischen Format einer Mittelformat-Aufnahme. Es umfasst Fotos von den ersten Titan-Raketen, dem letzten Spaceshuttle und der Internationalen Weltraumstation. Höhepunkte sind im Jubiläumsjahr der ersten Schritte auf dem Mond die Missionen der Amerikaner: das Gemini- und das Apollo-Programm, die Landung auf dem Erdtrabanten und die Flüge in den Outer-Space.

Ikonen der Neuzeit

Schon vor 20 Jahren hatte Michael Light mit seiner Fotochronik „Full Moon“ ein erstes Standardwerk vorgelegt. Im vergangenen Herbst erschien gleich eine ganze Reihe von Bildbänden mit Aufnahmen vom Mond und von den Missionen vor 50 Jahren. Aus dieser Masse sticht der schmale Band von Deborah Ireland hervor. Stellt sie doch in „Hasselblad on the Moon“ jenes schwedische Kameramodell vor, mit dem einige der denkwürdigsten Aufnahmen auf dem Mond gemacht wurden.

In den Archiven der Nasa liegen heute Hunderttausende Fotos vom Mond und mehr als eine Million Fotos von den unergründeten Weiten des Universums. Aufgenommen in den ersten anderthalb Jahrzehnten der Raumfahrt; Produkte kleiner Satelliten und großer Spezialkameras; eilig aus den Bullaugen enger Raumschiffe, den Sichtfenstern der Landefähren und der Oberfläche des Mondes geknipste Bilder. Auf Film festgehaltene Momente eines halben Dutzend bemannter und unbemannter Programme zur Erkundung eines völlig neuen Horizontes.

Knapp 20.000 dieser Aufnahmen gelten auch heute noch als etwas ganz Besonderes. Waren sie doch mit normalen Handkameras von Hasselblad geschossen worden. Aus der Hüfte heraus und frei aus der Hand, ohne optischen Sucher aber mit viel Fingerspitzengefühl. Bilder aus einer Zeit, in der ein gewöhnlicher Fotoapparat nicht viel kleiner war als eine Brotbüchse, Fotos noch durch Linsen aus Glas geschossen, auf Filmen gebannt und in Dunkelkammern entwickelt wurden.

Die meisten dieser Aufnahmen sind bis heute kaum bekannt; knapp zwei Dutzend aber schafften es zu Ikonen der Neuzeit: der kleine blau-weiß leuchtende Planet Erde schwebt im Dunkel des Weltraums; die hell strahlenden Anzüge der Astronauten vor der blass-grauen Oberfläche des Mondes; der Abdruck eines Astronautenstiefels; Spuren des Mondrovers; die amerikanische Flagge; ein Raumschiff mitten im tiefschwarzen Nichts.

Anfang der 2000er Jahre hatten sich Mitarbeiter im Johnson Space Center der Nasa daran gemacht, die mittlerweile 30 bis 40 Jahre alten Fotofilme zu scannen und zu digitalisieren. Keiner dieser Filme war gemacht für die Ewigkeit. Der Zahn der Zeit nagte an ihnen. Es galt, die historischen Aufnahmen vor dem Zerfall zu retten. Der Datenanalyst Kipp Teague und der Astronom Eric Jones arbeiteten die digitalen Fotos 2004 auf, legten ein Bild-Archiv an und machten es im Auftrag der Nasa der Öffentlichkeit zugänglich.

Das brachte den Mond nicht mehr nur vor die Augen von Millionen Menschen, sondern auch wieder in aller Munde. Der amerikanische Präsident George Bush hatte gerade eine neue Initiative vorgestellt, wieder in die kosmischen Fernen zu schweifen, auf dem Mond zu landen und zum Mars zu fliegen. Peking, das damals gerade den ersten Chinesen ins All gebracht hatte, schmiedete eigene Pläne. Die Russen setzten wie die Europäer auf Kooperation. Dafür entwarf die European Space Agency (ESA) langfristige Pläne. Die Nasa machte ihr Bildarchiv über die weltweiten Datennetze frei zugänglich. Der Mond bewegte die Welt. Amerika erinnerte sich einer großen Geschichte.

Reality-TV in Zeiten der Rollfilme

Als der Astronaut Neil Armstrong in den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1969 mit einem wohlüberlegten Spruch auf den Lippen die ersten kleinen Schritte auf dem Mond gewagt hatte, konnten ihm Hunderte Millionen Menschen zusehen. Moderne Übertragungstechnik machte es möglich. Die Welt hielt den Atem an. Reality-TV in Zeiten der Rollfilme und Analogkameras. Seitens der Nasa war alles bis ins Detail geplant: Als Armstrong die Luke der auf dem Mond gelandeten Fähre „Eagle“ geöffnet, mit einem Seilzug die Abdeckung von der Außenbord-Kamera gezogen und Buzz Aldrin im Inneren der Fähre den Apparat angeschaltet hatte, begann das Spektakel.

Auf den Mattscheiben der Fernsehgeräte erschienen zwei Gestalten: Armstrong und Aldrin. Sie kamen etwas verschwommen daher und hüpften über den Bildschirm. Die Aufnahmen waren schwarz und weiß, hatten niedrige Auflösungen und eine grobe Körnung. Bilder aus einer anderen Welt. Sie waren mit einer Filmkamera der Firma Westinghouse aufgenommen worden. Für ihre Auftritte auf dem Mond aber hatte die Nasa den Astronauten Kameras von Hasselblad in die Hand gegeben. Eine bewährte Marke. Denn ein halbes Jahr zuvor hatte Bill Anders, Astronaut der Apollo-8-Mission, bei seinem Flug im All mit einer solchen Kamera das berühmte Foto „Earthrise“ gemacht. Ein wahrer Schnappschuss.

Anders wird nach der Rückkehr auf die Erde sagen, er habe während seines jahrelangen Trainings für diese Reise immer gedacht, es gehe um den Mond. „Als wir wieder nach Hause kamen, merkte ich, dass wir da draußen etwas viel Wertvolleres entdeckt hatten: die Erde.“ Sein Bild vom „Aufgang der Erde“ lief um die Welt. Mit einem 250-Millimeter-Zeiss-Teleobjektiv aufgenommen, zeigt es über den gekrümmten Rand des Mondes hinweg unseren Planet in aller Pracht und Zerbrechlichkeit. „Oh, mein Gott!“, hatte Anders bei dem Anblick in das Mikrofon seines Helmes gerufen. „Seht euch dieses Bild das an! Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Er griff zur Kamera und drückte ab. Ein Foto für die Ewigkeit.

Michael Collins, der dritte Astronaut von Apollo 11, sagte im Juli 2009: „Ich glaube fest, dass sich die Einstellung politischer Führer der Welt wesentlich ändern würde, wenn sie aus einer Entfernung von hunderttausend Meilen auf ihren Planeten blicken könnten.“ Collins selbst hatte eine denkwürdige Aufnahme während der historischen Mission von Armstrong und Aldrin gemacht: die Landefähre „Eagle“ mit den ersten beiden Menschen an Bord kehrt von ihrem Ausflug auf dem Mond zum Raumschiff zurück. Ein Meisterschuss. „Es war es gar nicht so einfach, mit den Hasselblads dort oben zu arbeiten“, wird Charles Duke ein halbes Jahrhundert später sagen. Als Astronaut von Apollo 16 war er im April 1972 einer jener zwölf Menschen, die bislang auf dem Mond gewesen sind. „Wir haben wochenlang für diese Fotos geübt. Denn die Apparate hatten keinen Sucher, durch den wir hätten durchblicken können. Und dann hatten wir auch noch diese dicken Handschuhe an, die das Bedienen des Auslösers nicht gerade einfacher machten.“

Stabil, robust und zuverlässig

Dennoch hielt die Nasa während ihrer Mondmission an den schwedischen Kameras fest. Kein Wunder: Die Apparate waren stabil, robust und zuverlässig. Sie besaßen mit den Weitwinkel- und Teleobjektiven von Zeiss die besten Linsen, die es damals gab. Walter Schirra hatte die Techniker der Nasa auf den Geschmack gebracht. Der erfahrene Kampf- und Testpilot der US Navy war Ende der fünfziger Jahre nicht nur zum Astronauten, sondern auch zum Fotografen ausgebildet worden. Als er im Oktober 1962 Platz in seiner Raumkapsel nahm, hatte er eine Kamera bei sich. Von Bord aus wollte er das Bild seines Lebens machen.

Dafür war Schirra ein paar Wochen vor dem Start in einen Fotoladen in Houston gegangen. Dort hatte er sich eine „Hasselblad“ samt Zeiss-Planar 2,8/80-Millimeter-Objektiv gekauft. Mit den Technikern der Air Force baute er den Apparat dann etwas um: Er löste das Leder, schwärzte das silberne Gehäuse und die Objektivfassung, ersetzte Lichtschacht und Mattscheibe durch eine Metallplatte, entfernte alle Plastikteile an der Schnellschaltkurbel und steckte in den Zubehörschuh einen Behelfs-Rahmensucher. Schirra sollte mit seiner Mission nicht nur den „perfekten Flug“ hinlegen, er machte auch Fotos, die die Welt bewegten.

Wenige Monate nach seiner glücklichen Landung auf der Erde wird er die Kamera seinem Kollegen Gordon Cooper in die Hand drücken. Cooper nahm sie im Mai 1963 auf seinem Flug ins All mit, umrundete mehrmals die Erde und schoss Dutzende Fotos. Die Kamera erwies ihm gute Dienste. Sie wird ein halbes Jahrhundert später ihren Weg auf eine Auktion finden. Für eine viertel Million Dollar kam sie unter den Hammer.

Seit der Gemini-9-Mission im Juni 1966 waren die Hasselblad-Kameras samt Zeiss-Objektiven auch ganz offiziell mit an Bord der Nasa-Raumschiffe. Zunächst in Gestalt der SWC-Modelle. Von Dezember 1968 an mit der Apollo-8-Mission mit den EL-Modellen. Sie waren bestens geeignet, da sie geschlossene und leicht austauschbare Film-Magazine hatten. Die Astronauten mussten Entfernung, Blende und Belichtung einstellen. Die Filme drehte die Kamera mit kleinen Motoren automatisch weiter. Jedes auswechselbare Magazin konnte einen Film für 160 Ektachrome-Farbbilder oder 200 schwarz-weiß Panatomic-X-Bilder fassen.

Es sei fast so gewesen, als hätte man die Kameras für die Weltraumforschung entwickelt, schreibt Bizony in seinem Buch. Neben den Veränderungen am Gehäuse hatten die Techniker der Nasa den Hasselblads für ihren Flug auf den Mond zwischen Filmmagazin und Gehäuse eine Glasscheibe mit hauchdünn eingravierten Kreuzen eingezogen – den sogenannten Réseau-Gittern. Durch dieses Raster konnten die abgezogenen Bilder später wie die Aufnahmen einer Messbildkamera behandelt werden. So ließen sich in den Fotos Entfernungen und Höhen der Objekte schnell und einfach bestimmen.

Die Apparate lieferten ganze Arbeit und gute Bilder ab. Nur eine der zwölf Hasselblad-Kameras, die mit einem der Astronauten auf dem Mond gewesen war, kam zur Erde zurück. Die anderen liegen noch auf dem Mond – so, als warteten sie darauf, dass jemand sie eines Tages aufliest und zur Erde zurückbringt.

Quelle: FAZ.NET
Stephan Finsterbusch  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stephan Finsterbusch
Redakteur in der Wirtschaft.
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