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Amateur-Wrestling

Haue nach Drehbuch

Von Jens Gyarmaty
 - 15:24
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Als Wrestler wie Hulk Hogan, der Undertaker und Tatanka in den Ring stiegen, war ich gerade mal zehn Jahre alt. Es war die Zeit der Helden. Das Privatfernsehen gab es noch nicht lange, aber es sendete uns eine Idee davon, wo wir hin wollten – nach Amerika. Großveranstaltungen, wie das „Royal Rumble“, wurden live aus dem großen Madison Square Garden ins kleine Kinderzimmer übertragen. Wegen der Zeitumstellung und der doofen Schule versammelten wir uns mit Chips und Fachwissen vor dem Fernseher und schauten uns die Aufzeichnungen an. Wir testeten die Special Moves der Kämpfer am Körper der Kumpels und zockten an den ersten Konsolen die Spiele, die die World Wrestling Federation lizensierte. Wrestling war überall. Nur eine Frage konnten wir damals nie beantworten… „Sind die Kämpfe echt?"

Es sind genau diese Erinnerungen, die die meisten Aktiven dazu führen, sich für den Sport zu entscheiden und an den Showkämpfen der GWF (German Wrestling Federation) teilzunehmen. Es sind diese Erinnerungen, die mich sofort mit ihnen ins Gespräch bringen. Für eine Reportage im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, treffe ich die Gruppe Berliner Wrestler. Zunächst beim Training in einer Neuköllner Jugendsporthalle. Große Menschen, kleine Menschen, Frauen, Männer, Flüchtlinge, Deutsche, Türken, alle gehen an ihre körperlichen Grenzen.

An einem Wochenende im Oktober besuche ich das GWF "Underground Wrestling" in der Berliner Grießmühle. Der Sport sucht nach Aufmerksamkeit, der Verband ist Veranstalter und bietet den Wrestlern eine Plattform, um ihre Figur bekannt werden zu lassen. Für jeden Sportler gehört eine gute Selbstvermarktung zum Geschäft, denn schon die Trainingseinheiten sind teuer.

Wer eine gute Show bringt, wird von den Fans geliebt. Sie folgen den Instagram-Accounts ihrer Idole und kaufen ihre Merchandise-Artikel. Der Zugang zum Ort, der mich als Fotograf am meisten interessiert, wird mir verwehrt. Dort, wo die Sportler ihre Gefühle nicht verstecken können. Der Veranstalter erklärt mir, dass es die Privatsphäre ist, die dem Wrestler am meisten einbringt. Fernsehsender zahlen dafür viel Geld. Im Ring zählt die Dramaturgie - gut und böse, Schmerz, Angst, Erschöpfung, Sieg und Niederlage. Die Umkleidekabine ist der einzige Ort an dem alles echt ist. Dort wo der Mensch zum Wrestler wird und dabei das Lampenfieber bleibt.

Quelle: F.A.Z.
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