Bergwerk Prosper-Haniel

Die letzten Lichter im Dunkeln

Von Jana Voigt
07.02.2019
, 16:09
Der Steinkohlebergbau in Deutschland wurde 2018 endgültig eingestellt. Kurz vor der Schließung des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop dokumentierte der F.A.Z.-Fotograf Frank Röth eine Welt unter Tage, die nur für die Wenigsten zugänglich war.

Glückauf! Glückauf! Der Steiger kommt. Seit dem 21. Dezember 2018 erklingen diese Zeilen aus dem „Steigerlied“ im Bergwerk Prosper-Haniel nicht mehr. Die Steinkohleförderung ist nun auch im letzten verbliebenen Bergwerk in Deutschland Geschichte.

Unser Redaktionsfotograf Frank Röth dokumentierte mit seiner M-Leica das Steinkohlebergwerk in den letzten Tagen seines Betriebs. Die lichtarme Welt der unterirdischen Schächte reproduzierte er auf analoges, lichtempfindliches Filmmaterial.

Auf zahlreichen von Röths Bildern überwiegt das Schwarz. Das Dunkle fasziniert ihn. Nur wenige Lichtquellen brennen sich in das Fotomaterial und machen uns eine magische Welt unter Tage sichtbar. Frank Röth nimmt uns mit in den rauen und zugleich melancholischen Mikrokosmos der Bergarbeiter.

Über seine Arbeit berichtet Frank Röth:

Im Vorfeld der Schließung des Steinkohlebergwerks Prosper 10 in Bottrop, dem letzten verbliebenen in Deutschland, hatten mein schreibender Kollege Reiner Burger und ich zweimal die Möglichkeit, an Grubenfahrten teilzunehmen und für die F.A.Z. darüber zu berichten. Beim ersten Besuch, ca. ein Jahr vor Schließung, ging die Fahrt zu einem sehr niedrigen und engen Streb, in dem noch Kohle abgebaut wurde. Bei der zweiten Grubenfahrt waren große Teile der Bergbauausrüstung, Walzenschrämlader, Grubentelefone usw. bereits demontiert.

Ich besuchte in meiner beruflichen Laufbahn bereits zwei Goldminen und hatte mich sofort in diese sehr enge, eigene Welt unter Tage verliebt. Nach einigen Jahren hatte ich nun endlich wieder die Gelegenheit einen Abstecher in die Dunkelheit zu machen.

Steinkohle ist ein Methanträger, was die Mitnahme von elektronischen Geräten verbietet. So packte ich zwei meiner länger vernachlässigten mechanischen Leicas und höherempfindliche Filme in die Tasche, die Batterien für den Belichtungsmesser blieben zu Hause. Die Frage, ob ich die Belichtungszeit richtig einschätzen würde, machte mich ein wenig nervös. Es war eine schöne Nervosität und ein gutes Gefühl, am Tag darauf die entwickelten Filme vors Auge zu halten und das gesehene wiederzufinden. 1600 ASA, Blende 2, 1/15 Sekunde passte, darauf konnte ich bei der zweiten Fahrt aufbauen.

Neunzig Prozent meiner Aufträge fotografiere ich mit der M-Leica. Angefangen hatte ich in den 80er Jahren mit der M4-P, dann der M6, die ich auch heute noch benutze. Die digitale Leica-Welt begann für mich mit der M8, dann der M9, die auch heute noch zum Einsatz kommt. Meine aktuelle Ausrüstung besteht aus der Leica M10-P und Objektiven von 21mm bis 135mm. Am häufigsten arbeite ich aber nach wie vor mit dem 35mm und dem 50mm Summilux asph.

Ich bin 1968 in Südhessen geboren und mein Interesse für die Fotografie begann bereits mit 13 Jahren. Ich wälzte Bildbände der berühmten Flaneure und Fotoreporter, von Cartier-Bresson über Eisenstaedt bis Erwitt. Nach der mittleren Reife begann ich direkt meine fotografische Ausbildung an der Adolf Lazi Schule in Stuttgart. Im Anschluss ging es für ein halbes Jahr nach Südafrika, bevor ich meinen Wehrdienst als Reprofotograf ableistete. Kurz war ich bei einem Werbefotografen als Assistent tätig, was mir aber nicht sehr viel Freude bereitete. 1989 begann ich als Pressefotograf zu arbeiten. Erst bei einer südhessischen Lokalzeitung, danach bei der englischsprachigen Wochenzeitung Prognosis Weekly in Prag. 1995 kam ich dann zur F.A.Z., bekam einen Jahresvertrag und wurde 1996 Redaktionsfotograf. Von 1999 bis 2003 war ich in der Berliner F.A.Z-Redaktion tätig.

Instagram: @frankroeth

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Voigt, Jana
Jana Voigt
Bildredakteurin.
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