FAZ plus ArtikelKaffeehausstühle von Thonet

Alt eingesessen

Von Anna-Lena Niemann und Frank Röth (Fotos)
Aktualisiert am 05.07.2020
 - 15:19
Etwa vier Minuten brauchen die Männer, um das Holz zu formen.zur Bildergalerie
Thonet wurde mit einem Stuhl berühmt, der die Wiener Kaffeehauskultur prägte wie kein anderes Möbelstück. Heute könnte das Unternehmen von der Sehnsucht nach Authentizität profitieren – wären die Menschen nur bereit, mehr Geld auszugeben.

Wo das Leben eines Holzstuhls normalerweise endet, nimmt der „214“ seinen Anfang. Im Ofen. Das Exemplar im Thonet-Werk sieht aus wie ein auf die Seite gelegter Schornstein. Seine Luke öffnet sich und ihr Schwung stößt den beiden Mitarbeitern des Möbelherstellers Wasserdampf ins Gesicht. Einer von ihnen greift ins Innere und zieht ein konisch gedrechseltes Stück Buche heraus. Der Rest der Ladung darf weiter vor sich hin dampfen, bis sie ebenso weich gegart ist.

„Mindestens zwei Stunden, besser sind vier“, sagt der ältere der beiden Männer, mit Kinnbart, T-Shirt der Metal-Band Viking und Armen, die bezeugen, dass die Arbeit hier nicht von einer Maschine erledigt wird. Nach zwei oder besser vier Stunden also ist das Holz so weich gegart, dass die Fachleute von Thonet damit machen können, was dem Möbelunternehmen zu Berühmtheit verholfen hat: es zu biegen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Redakteurin in der Wirtschaft.
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