Fotografien von Lutz Kleinhans

Bilder, die Deutsche-Bank-Geschichte zum Sprechen bringen

Von Daniel Schleidt
Aktualisiert am 10.11.2020
 - 21:15
In Reih und Glied: Wie männerlastig die Wirtschaftswelt einst war, zeigt dieses Foto vom Festakt der Deutschen Bank zur 100-Jahr-Feier 1970.zur Bildergalerie
Der einstige F.A.Z.-Fotograf Lutz Kleinhans hat von 1967 bis 1989 auch im Auftrag der Deutschen Bank gearbeitet. Nun dokumentiert ein Bildband eindrucksvoll seine Werke und mit ihnen die Geschichte des 150 Jahre alten Geldinstituts.

Ein gutes Foto ist mehr als eine Momentaufnahme, im Idealfall erzählt es eine Geschichte. Lutz Kleinhans war einer jener Fotografen, die Bilder zum Sprechen bringen konnten. Davon hat die F.A.Z. profitiert, für die Kleinhans von 1959 bis 1993 als Redaktionsfotograf tätig und bekannt war, aber auch die Deutsche Bank, deren Hausfotograf er zwischen 1967 und 1989 war. 2011 ist Kleinhans gestorben.

Für das Frankfurter Kreditinstitut entstanden rund 18.000 Aufnahmen, die inzwischen im Besitz des größten deutschen Geldhauses sind. Weil die Deutsche Bank vor 150 Jahren gegründet wurde, hat das Unternehmen nun einen Bildband veröffentlicht, in dem 150 Bilder von Lutz Kleinhans einen nicht unwesentlichen Teil der Historie des Hauses nachzeichnen – und das auf eine durchaus beeindruckende Weise: Denn das Buch kommt mit wenig Text aus und lässt stattdessen die starken Fotografien sprechen.

„Die Bilder erzählen sehr viel über die Geschichte der Bank, aber auch über die Stadtgesellschaft Frankfurts und die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik“, sagt Martin Müller, der seit 2006 das Historische Institut der Deutschen Bank leitet. So dokumentierte Kleinhans die baulichen Erweiterungen von schlichten Gebäuden der ersten Nachkriegsjahre über das erste Hochhaus bis hin zu den Deutsche-Bank-Türmen, die zum Wahrzeichen des Unternehmens geworden sind. Die Fotos zeigen Hauptversammlungen, in denen auf einigen Bildern ausschließlich Männer zu sehen sind, aber auch Jubiläumsfeiern, Vorstandssitzungen und Vertragsunterzeichnungen sowie das Geschehen in den Fachabteilungen und Filialen.

In jenem Vierteljahrhundert, in dem Kleinhans für die Deutsche Bank fotografierte, waren an der Spitze schillernde und prägende Persönlichkeiten tätig, darunter Hermann Josef Abs und Alfred Herrhausen. In dem Bildband sieht man Abs, der von 1957 bis 1967 Vorstandssprecher und danach bis 1976 Aufsichtsratsvorsitzender der Bank war, wie er mit dem früheren Bundeskanzler Ludwig Erhard den 100. Jahrestag der Gründung feiert, oder auch, wie er das pompöse Festbankett zum Jubiläum eröffnet. „Bei der 100-Jahr-Feier 1970 kam über drei Tage alles zusammen, was Rang und Namen hatte“, berichtet Müller – die Feierlichkeiten in diesem Jahr zu 150 Jahren Deutsche Bank mussten hingegen wegen des Coronavirus abgesagt werden.

Szenen, die der Öffentlichkeit sonst verborgen bleiben

Umso wichtiger sind für das Haus Veröffentlichungen wie der Bildband. Zu sehen sind dort auch Szenen, die sonst der Öffentlichkeit verborgen bleiben. „Bilder von Vorstandssitzungen sind ausgesprochen selten“, sagt Historiker Müller, „sie zeigen aber, welch großes Vertrauen die Bank zu Lutz Kleinhans hatte.“ Im Rückblick zahlt sich das aus, denn die Bilder legen auch Zeugnis von Machtverhältnissen ab. „Man kann auf den Vorstandssitzungen schon anhand der Körpersprache die Autorität von Hermann Josef Abs erkennen.“

Warum Kleinhans so nahe an die Vorstände der Bank herankam, zeigt eine Anekdote, die Peter Lückemeier, ehemaliger Ressortleiter der F.A.Z., in seinem Vorwort erzählt. So habe es Kleinhans vorgezogen, Porträts der Vorstände nicht etwa in deren Büros, sondern im Studio seines Privathauses in Frankfurt-Sachsenhausen aufzunehmen. Zuvor erkundigte sich Kleinhans im Sekretariat nach der Lieblingsmusik und bevorzugten Getränken, um so für eine entspannte Atmosphäre beim Shooting zu sorgen.

Es war vermutlich nicht einfach, aus der Fülle von Motiven die 150 richtigen für das Buch auszusuchen, das im Societäts-Verlag erscheint. Die Stärke des Bandes macht aus, dass die Fotos nicht nur aufgrund ihrer inhaltlichen Bedeutung, sondern wegen der fotografischen Ästhetik ausgewählt wurden, wie Müller sagt. So wird ein prägender Teil der Geschichte einer Frankfurter Bank von einem Frankfurter Fotografen erzählt, und das ganz ohne große Worte.

Martin L. Müller und Reinhard Frost (Hrsg.), 150 Momente der Deutschen Bank. Societätsverlag, 2020.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schleidt, Daniel
Daniel Schleidt
Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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