Ruth und Lotte Jacobi

Fotografische Schwestern

Von Andrea Diener
Aktualisiert am 13.10.2020
 - 17:32
Die berühmtere der beiden Schwestern verlegte sich auf Künstlerporträts: Lotte Lenya, von Lotte Jacobi, Berlin 1928. zur Bildergalerie
Hineingeboren in eine Fotografenfamilie, ein Atelier in vierter Generation mitten in Berlin und schließlich die Emigration: Die Schwestern Ruth und Lotte Jacobi haben einiges gemeinsam. Doch nur eine von ihnen wurde berühmt.

Die Schwestern Jacobi stammen aus einer alten Fotografenfamilie. Urgroßvater Samuel war noch bei Daguerre persönlich in die Lehre gegangen. Ruth und Lotte wuchsen in Posen auf, 1921 ging die Familie nach Berlin. Beide Töchter studierten Fotografie, Ruth in Berlin und die ältere Lotte in München, und übernahmen nach iher Ausbildung das väterliche Fotostudio, nun schon in vierter Generation.

In den dreißiger Jahren wurden die jüdischen Schwestern zur Emigration gezwungen. Sie übergaben ihr Atelier und zogen nach New York. Ruth eröffnete dort noch ein Atelier, ließ das professionelle Fotografieren aber bald sein, um ihrem Mann, einem ungarischen Arzt, in dessen Praxis zu helfen. Erst nach seinem Tod griff sie wieder zur Kamera. Zu ihren Lebzeiten wurden keine Bilder von ihr ausgestellt, der Nachlass befindet sich nun im Jüdischen Museum in Berlin, darunter auch ihre beiden Kameras: Eine Leica aus den dreißiger Jahren und eine Rolleiflex aus den Fünfzigern.

Bekannter ist ihre Schwester Lotte. Schon in den zwanziger Jahren gilt sie als Repräsentantin der „Neuen Fotografie“ und wird mit Porträts von Albert Einstein, Lotte Lenya und Klaus und Erika Mann berühmt. Nach ihrer Emigration lebte sie bis 1955 in New York und porträtierte Intellektuelle und Künstler, dann zog sie ins ländliche New Hampshire. Neben ihren Porträts wurde sie mit experimentellen, grafischen Werken bekannt, die sie ohne Kamera herstellte, den „Photogenics“. Sie hinterließ ein Konvolut von 47.000 Negativen.

Im Willy-Brandt-Haus ist ihnen nun eine Doppelausstellung gewidmet. Neben den Schwarz-Weiß-Aufnahmen werden zahlreiche Briefe, persönliche Dokumente und Fotos der Familie Jacobi aus der Zeit in Westpreußen, Berlin und den Vereinigten Staaten gezeigt.

Die Ausstellung ist bis 10. Januar 2021 im Berliner Willy-Brandt-Haus zu besichtigen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Diener, Andrea
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
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