Permafrost in Russland

Schmelzendes Fundament

13.11.2021
, 21:17
Am Flussbett des Kolyma sind unterschiedliche Schichten des Bodens freigelegt.
In den kältesten Regionen Russlands schmilzt der Permafrostboden. Ein russischer Forscher und sein Sohn möchten dagegen ankämpfen. Der Fotograf Maxim Shemetov hat sie bei ihrem Vorhaben besucht.

Mit Leichtigkeit rammt Sergey Zimov einen Metallstab für Bodenproben in den eigentlich sonst gefrorenen Boden der russischen Tundra in der Region Jakutsk. Die Erderwärmung erleichtert dem russischen Forscher zumindest die körperliche Arbeit. Aber es gibt viel zu tun: 65 Prozent der ländlichen Flächen in Russland hatten einmal permanent gefrorenen Boden, also Permafrost. Durch die globale Erwärmung jedoch schmelzen die Eismassen und setzen dadurch auch noch Gase wie Methan frei. Forscher warnen sogar schon, dass die freigesetzten Treibhausgase aus dem Permafrost der Menge der freigesetzten Gase aus den Industrien der Europäischen Union entsprechen könnten.

Sergey, weißer Bart, Zigarette rauchend, hat sich dieser unwirtlichen Landschaft und deren Eigenheiten angenommen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion entschloss er sich, die Forschungsstation nahe der fast verlassenen Stadt Chersky aufrecht zu erhalten. Gemeinsam mit seinem Sohn Nikita hat er ein Naturreservat errichtet, um das Abtauen des Permafrosts zu verlangsamen. Im Pleistocene Nationalpark siedeln sie seit 1996 wieder Tiere an. So leben auf dem Gelände Pflanzenfresser wie Bisons, Wildpferde und auch eine spezielle Sorte Kamele. Die Tiere sollen den Boden mit ihrem Körpergewicht verdichten, damit dieser das Eis und die Kälte des Winters besser speichern kann. Bis heute leben auf dem Gelände über 200 verschiedene Spezies.

Doch die Zeit wird immer knapper: Die Winter in Jakutsk werden immer kürzer und wärmer. Wissenschaftler vermuten, dass der Permafrost in den nördlichen Hemisphären noch etwa 1,5 Billionen Tonnen Treibhausgase speichert. Um diese nicht freizusetzen, braucht es wohl mehr unkonventionelle Ideen und Methoden, wie die von Sergey und Nikita Zimov.

Sergey Zimov untersucht den Boden auf Permafrost.
Sergey Zimov untersucht den Boden auf Permafrost. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Ein verlassenes Schiff liegt im Wasser neben einer schwimmenden Forschungsstation.
Ein verlassenes Schiff liegt im Wasser neben einer schwimmenden Forschungsstation. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Sergey untersucht Proben, die er unter der Erde im Permafrost gelagert hat.
Sergey untersucht Proben, die er unter der Erde im Permafrost gelagert hat. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Kleine Hügel, vernarbte Oberflächen und Wasser sind typische Zeichen für den schmelzenden Permafrost.
Kleine Hügel, vernarbte Oberflächen und Wasser sind typische Zeichen für den schmelzenden Permafrost. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Ein Pferd grast auf einer Wiese nahe der Ortschaft Nuoragana.
Ein Pferd grast auf einer Wiese nahe der Ortschaft Nuoragana. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Nikita Zimov geht entlang des Flussufers.
Nikita Zimov geht entlang des Flussufers. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Rituelle Säulen stehen im Pleistocene Nationalpark.
Rituelle Säulen stehen im Pleistocene Nationalpark. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Sergey hält einen großen Eiskristall in den Fingern.
Sergey hält einen großen Eiskristall in den Fingern. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Yegor Dyachkovsky steht auf dem deformierten Land, auf dem auch das Haus seiner Eltern zunehmend einsackt.
Yegor Dyachkovsky steht auf dem deformierten Land, auf dem auch das Haus seiner Eltern zunehmend einsackt. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Viele Häuser in der Region sind auf Permafrostboden gebaut. Durch die Schmelze sacken viele Fundamente ab und die Häuser sind einsturzgefährdet.
Viele Häuser in der Region sind auf Permafrostboden gebaut. Durch die Schmelze sacken viele Fundamente ab und die Häuser sind einsturzgefährdet. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Sergey Zimov versucht ein Kamel im Peistocene Nationalpark zu fotografieren.
Sergey Zimov versucht ein Kamel im Peistocene Nationalpark zu fotografieren. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Nikita Zimov hat den Stoßzahn eines Mammuts am Flussufer gefunden.
Nikita Zimov hat den Stoßzahn eines Mammuts am Flussufer gefunden. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Am Flussbett des Kolyma sind unterschiedliche Schichten des Bodens freigelegt.
Am Flussbett des Kolyma sind unterschiedliche Schichten des Bodens freigelegt. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Eine Drohnenaufnahme zeigt die durch den Permafrost veränderte Landschaft.
Eine Drohnenaufnahme zeigt die durch den Permafrost veränderte Landschaft. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Die Schmelze hat den Knochen eines Mammuts freigelegt.
Die Schmelze hat den Knochen eines Mammuts freigelegt. Bild: Maxim Shemetov/Reuters
Quelle: kuhl./F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot