Fotografie-Triennale RAY

Die Ideologie des Blockziegels

Von Fara Phoebe Zetzsche
04.06.2021
, 17:22
Die vierte internationale Triennale der künstlerischen Fotografie und verwandter Medien in Frankfurt und Rhein-Main fragt nach der Gültigkeit aktueller Sinn- und Wertesysteme.

Die Macht von Bildern ist viel beschrieben und viel besprochen. Mit dem Titel „Ideologien“ ruft die diesjährige Fotografie-Triennale RAY 2021 das kritische Potential von Kunst auf das Parkett der Gegenwart. Sieben Kuratoren und Kuratorinnen haben internationale Fotoprojekte zusammengestellt.

„Worin drückt sich das Ideologische in der Vergangenheit und im Hier und Heute aus? Was verbirgt sich hinter Ideologien, wie wirken sie und inwieweit unterstützen sie Macht, Manipulation, Missbrauch, Ausgrenzung und Ausbeutung, oder üben sie gar selbst aus?“ Diese Fragen will RAY mit aktuellen und historischen Positionen diskutieren und mit Arbeiten von 22 Künstlerinnen und Künstlern das Wirken vergangener und gegenwärtiger Ideologien offenlegen.

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) hat zwischen 2000 und 2007 in Deutschland neun Personen aus rassistischen Motiven getötet. Die Fotografin Paula Markert dokumentiert seit Prozessbeginn 2013 mit ihrem Projekt „Eine Reise durch Deutschland. Die Mordserie des NSU“ die Menschen und Orte, die mit der rechtsextremistischen Terrorgruppe in Verbindung stehen. Die Arbeit wird in der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn ausgestellt.

Die Schweiz ist für viele ein friedlicher Ort im Herzen Europas. Salvatore Vitale begibt sich mit seiner Arbeit „How to Secure a Country“ auf die Suche nach der hochmilitarisierten Seite des Staates, der auch von einem weitgreifenden Sicherheitssystem und -denken durchdrungen ist. Die Arbeit wird in der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn gezeigt.

Militärische Sommercamps in Ungarn wollen Kindern und Jugendlichen Kameradschaft und Patriotismus vermitteln. Sie zelten, wandern, singen gemeinsam und werden mit Waffen-Nachbildungen militärisch trainiert. Máté Barthas Serie „Kontakt“ wird in der Deutsche Börse Photography Foundation in Eschborn ausgestellt.

Adrian Sauer beschäftigt sich mit individueller Wahrnehmung und gedanklichen Strukturen. Seine Ausstellung in der DZ Bank Kunstsammlung in Frankfurt vereint digitale C-Prints, gezeichnete Bilder, skulpturale Formulierungen und eine fotografische Soundinstallation.

Akinbode Akinbiyi beobachtet das sich verändernde Leben in urbanen Räumen und beschäftigt sich mit alltäglichen Aktivitäten an Orten, die Systeme der Unterdrückung überwunden haben oder entstehenden Ideologien Raum geben. Eine eigens für RAY realisierte Arbeit wird während der Triennale im Fotografie Forum Frankfurt zu sehen sein.

Johanna Diehl fokussiert sich in Ihrer Arbeit auf Orte und Objekte, die Träger komplexer politischer und sozialer Umbrüche sind. Dabei interessiert sie, inwieweit die ursprüngliche Funktion und das Abwesende weiterhin präsent ist. „Eurotopians“ wird im Fotografie Forum Frankfurt ausgestellt.

Mit Materialien wie zum Beispiel Hühnerknochen inszeniert Qiana Mestrich Bilder, zum Teil mit ihrer Familie, zur Befragung von Rassismus- und Schönheitsideologien und beteiligt sich so an der politischen und kulturellen Diskussion über weiße Vorherrschaft und schwarzes Bewusstsein.

Qiana Mestrichs typologische Serie „Namesake“ zeigt Frauen mit dem Vornamen Qiana, deren Porträts sie bei der Recherche nach ihrer Namensherkunft online fand. Beide Arbeiten werden im Fotografie Forum Frankfurt ausgestellt.

Die kongolesischen „Sapeurs“ (Dandies) kleiden sich bunt und luxuriös, zumeist in westeuropäische Luxusmarken und flanieren durch die Straßen von Kinshasa. Yves Sambu porträtiert sie auf Friedhöfen und kreiert einen künstlichen Bildraum des Seins und Erscheinens, fernab der Orte ihres eigentlichen Auftretens. Die Ausstellung wird im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt gezeigt.

Bilder sind immer Ausdruck der jeweiligen Perspektive, des Denkens und der Gegenwart. Ja’Tovia Gary kombiniert Aufnahmen, die vermeintlich nicht im Zusammenhang stehen und setzt sich mit unserem ideologisch geprägten Blick auseinander. Die Ausstellung im Zollamt MMK in Frankfurt ist ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Europa.

Die vierte Ausgabe der Triennale RAY findet vom 3. Juni bis zum 12. September an elf Ausstellungsorten in der Region Frankfurt/Rhein-Main statt. Vom 1. bis 3. September 2021 ist ein Festival mit Vorträgen und Talks geplant.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Zetzsche, Phoebe Fara
Fara Phoebe Zetzsche
Bildredakteurin.
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