Nostalgie in der Datsche

Kosakenworkshops und Freilichtkino

Von Andrea Diener
Aktualisiert am 10.09.2020
 - 22:31
In der Kleinstadt Jermolino, etwa 50 Kilometer außerhalb von Moskau, veranstaltet der Filmvorführer Alexander Mamajew ein Freiluftkino mit alten Filmen, die er gesammelt hat.zur Bildergalerie
Die Europäischen Strände sind in diesem Jahr auch für Russen schwer zu erreichen. Einige lassen daher Freizeitbeschäftigungen aus vergangen geglaubten Zeiten aufleben. Der AFP-Fotograf Dimitar Dilkoff hat sie in ihren Datschen besucht.

Für kaum jemanden verlief dieser Sommer wie geplant. Auch nicht für viele Russen, denen der Weg zu mediterranen Stränden versperrt war und die sich deshalb auf die Schönheiten ihres immerhin sehr großen Heimatlandes besannen. Damit war die Sache klar: Es würde ein Sommer der Datschen werden.

Etwa die Hälfte aller Russen besitzt ein Häuschen im Grünen. Oft sind sie Zuflucht in unsicheren Zeiten, sie waren Geschenk für verdiente Genossen, und ab den fünfziger Jahren wurde der Wochenendausflug ins Grüne nahezu zur Massenbewegung. Dass die Familien dort Gemüse und Obst anbauen konnten, war ein weiterer wichtiger Punkt. In der Sowjetunion war die Größe streng geregelt, inzwischen baut jeder, wie er will – gern auch mit Toilette, Banja und Obergeschoss.

Wer in diesem Jahr keine Datsche besitzt, der beeilte sich, schnell ein Häuschen über eine Vermittlungswebsite zu buchen – die Nachfrage war im Frühsommer fünfmal so hoch wie sonst. Dass sich eine Krise wie Corona am besten in der Sommerfrische aussitzen lässt, ist für die meisten Russen gar keine Frage.

Der AFP-Fotograf Dimitar Dilkoff hat Menschen in ihren Datschen besucht – und ihren Sommer dort dokumentiert.

Weitere Beiträge von Dimitar Dilkoff finden sie unter https://correspondent.afp.com/dimitar-dilkoff.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Diener, Andrea
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
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