Fujifilm X-Pro3 ausprobiert

Bleibt alles beim Alten?

Von Hans-Heinrich Pardey
Aktualisiert am 27.02.2020
 - 15:28
Moderner Klassiker: Die Fuji X-Pro3 im Gewand einer Messsucherkamera.
Die Fujifilm X-Pro3 ist von außen alte Schule. Doch im Innern des Erfolgsmodells hat sich viel getan.

Früher konnte man vergessen, einen Film in seine Kamera einzulegen. Und wenn doch einer drin war, dann konnte man vergessen, was für eine Art von Film, Schwarzweiß oder Farbe, Negativ oder Dia in der Kamera steckte. Deshalb gab es an besseren Kameras die Filmmerkscheibe. Als besonders professionell galt ein flaches Einschubfach, in das die abgerissene Lasche einer Filmverpackung als Gedächtnisstütze passte. Genauso quadratisch und an derselben Stelle, mitten auf der Rückseite ihres nunmehr nur nach unten umklappbaren 3-Zoll-Monitors (1,62 Millionen Bildpunkte), hat die brandneue Fujifilm X-Pro3 einen zweiten Monitor. Dort wird auf Wunsch im Design einer grünen Fuji-Verpackung gezeigt, dass etwa die Farbcharakteristik (Fuji sagt Filmsimulation dazu) Velvia geschaltet ist und wie es um die – für einen Film dieser Art allerdings häufig absurd hohe – ISO-Empfindlichkeit und den Weißabgleich bestellt ist. Ein Gag, mehr nicht, aber eine Spielerei, die zu dem Charakter von Fujis Neuauflage der professionellen Kamera mit Hybridsucher im X-System sehr gut passt.

Eigentlich ist der zweite Monitor, der mit 1,28 Zoll das Format einer Briefmarke hat, das an die Rückwand gewanderte sogenannte Schulterdisplay, wie man es von besseren DSLR her kennt. Nicht hell genug und wenig kontrastreich kann man sich auch von der X-Pro3 diverse Aufnahmeparameter zeigen lassen. Aber die Einstellung „Klassisch“ ist wie das gesamte Design des gegen Spritzwasser gedichteten Gehäuses, das an eine Messsucherkamera wie die M-Leica erinnert, ein stimmiges Zitat.

Alte Schule ist auch die ganze Bedienungsweise: Man guckt vorzugsweise durch den Sucher, der das wesentliche Unterscheidungsmerkmal dieser Kamera ist, weil er sich zwischen Durchgucken und der mit dem Sensor aufgenommenen elektronischen Ansicht umstellen lässt. Man dreht, wenn man nicht auf die zwei roten „A“ der Programm-Automatik geschaltet hat, am Zeitenrad oben auf dem Gehäuse und am Blendenring, sofern das Objektiv einen hat. Wenn das nicht der Fall ist, wird es ein bisschen umständlich. Dafür entfällt an der Kamera der anderswo übliche Drehknopf für die Betriebsartenwahl. Denn wenn man nur ein „A“ am Objektiv oder am Zeitenrad einstellt, ergibt sich je nachdem eine Blenden- oder Zeitautomatik. Man kann natürlich auch rein manuell die Belichtungswerte abgleichen.

Wie in der guten alten Zeit

Der Hybridsucher, den es außer in der X-Pro-Serie auch in den X-100-Modellen von Fuji gab und gibt, wurde überarbeitet: Er zeigt elektronisch das, was der Sensor sieht und wie es abgebildet werden wird mit nun 3,69 Megapixeln. Im optischen Sucher wird das Bildfeld wie in der guten alten Zeit von einem dünnen Leuchtrahmen begrenzt, der sein Format automatisch beim Objektivtausch oder beim Zoomen ändert. Schon in analogen Zeiten wurde über die spezifischen Vorteile jedes der beiden Suchersysteme zwischen den Anhängern der Spiegelreflex- und der Messsuchertechnik heiß diskutiert. In der X-Pro3 hat man das Beste beider Suchertypen: Durch den optischen Sucher sieht man mehr als abgebildet wird. Das ist vor allem in der Reportagefotografie von Nutzen. Man überblickt die ganze Szene und kann im Fall des Falles den Bildausschnitt rasch korrigieren. Wie im Sucher einer Spiegelreflex sieht man mit dem elektronischen Oled-Sucher parallaxenfrei genau, was aufs Bild kommt. Der elektronische Sucher der X-Pro3 ist schneller geworden; seine Ansicht lässt sich, etwa zur Kontrolle des Weißabgleichs, als kleines Feld in der rechten unteren Ecke des optischen Suchers einblenden. Umgeschaltet wird an einer X-Pro zwischen den Ansichten mit dem Hebel an der Front, der ausschaut, als sei er eine Kreuzung aus Rückspulknopf und Selbstauslöserhebel einer M-Leica.

Als Videokamera liefert das neue Modell nun 4k

Durch den 26-Megapixel-Sensor im APS-C-Format von 15,6 × 23,5 Millimeter rückt die X-Pro3 zum Flaggschiff von Fujis X-System, der XT-3, auf. Mit dem Sensor kommt das Hybrid-Autofokus-System, das Phasendetektion und Kontrastmessung kombiniert. Vom Wechsel zwischen den Messmethoden, den die Kamera selbsttätig vornimmt, merkt der Benutzer nichts. Er hat bei der Mehrfeldmessung die Wahl zwischen 117 oder 425 Messfeldern und kann Gruppen von 9, 25 und 49 Feldern als Messzonen bestimmen. Außerdem gibt es eine Spotmessung und die automatische Wahl des Messpunkts sowie AF-Modi für schnell bewegte Motive.

Und wenn man jemand porträtiert, lässt sich der Gesichtserkennung sagen, auf welches der beiden Augen scharf gestellt werden soll. Die X-Pro3 bietet nicht nur fürs Scharfstellen viele Möglichkeiten, sich die Kamera genau nach eigenen Wünschen zurechtzuschneidern. Nur eine Bildstabilisierung gibt es nicht, auch kein eingebautes Blitzlicht. Als Videokamera liefert das neue Modell nun 4k.

Von hinten lässt sich die X-Pro3 leicht von ihrer Vorgängerin unterscheiden: nicht nur wegen des Klappmonitors, an dem beim Öffnen ein sich stark vorwölbendes Flachbandkabel nicht gefiel, sondern wegen der weggefallenen Vier-Wege-Wippe. Stattdessen gibt es nun oben in der senkrechten Reihe der Bedienungstasten einen Knubbel, mehr ein in alle Richtungen beweglichen Knopf als ein Joystick. Der reagierte gelegentlich etwas zu hektisch auf Berührungen. Durch die Veränderung hat der Daumen aber eine angenehm große Auflagefläche erhalten, und die rund 500 Gramm (Gehäuse) der Kamera lassen sich noch besser halten. Nach wie vor eher unglücklich erschien die Plazierung der Q-Taste für den Aufruf des aufs nötigste abspeckbaren Schnellmenüs im Haltewulst. An dem tut sich auch die Klappe für zwei Speicherkarten auf. Die X-Pro3 lässt sich auch auf dem berührungsempfindlichen Monitor wischend bedienen.

Schon die Bildqualität der X-Pro2 gehörte zur Spitzenklasse des mit einem APS-C-Sensor Erreichbaren. Daran hat sich im aktuellen Modell nichts geändert. Typisch Fujifilm blieben auch Farbigkeit und Bildbearbeitung. Ein unmittelbarer Vergleich der Ergebnisse lässt durch den neuen Sensor keinen dramatischen Qualitätssprung erkennen. Fuji bietet die X-Pro3 in drei Varianten an: Schwarz lackiert kostet sie rund 1900 Euro, 2100 Euro stehen in der Liste für die beiden Dura-Modelle in Schwarz und Silber, die eine durch spezielle Härtung besonders abriebfeste Oberfläche haben.

Quelle: F.A.Z.
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