Olympus OM-D E-M5 Mk. III

Die Gerneklein

Von Hans-Heinrich Pardey
Aktualisiert am 03.11.2019
 - 12:14
Mit dem großen Zoom wirkt die OM-D E-M5 Mk. III gewaltiger, als sie sich anfühlt.
Olympus ist hundert Jahre alt. Eines der Geschenke, das sich die Fotosparte zum Geburtstag macht, ist die OM-D E-M5 Mk. III.

Als zu Beginn dieses Jahres der Kamerahersteller Olympus seine OM-D E-M1X als Spitzenmodell der OM-D-Baureihe vorstellte, war das Geschrei der Besserwisser groß: die Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat; viel zu teuer; warum kein Vollformatsensor wie bei der Konkurrenz; nur etwas für Profis und Zahnärzte. Vor allem aber: viel zu groß und viel zu schwer. Das nur äußerlich einer Spiegelreflexkamera entsprechende gedichtete Gehäuse der spiegellosen Systemkamera mit dem 4/3-Zoll-Sensor war mit angebautem Batterie-/Hochformat-Griff in der Tat auf die Bedürfnisse von Berufsfotografen zugeschnitten. Vollgestopft mit feinster Technik, bietet es mit exzellenter Bildqualität Kameras mit größerem Sensor Paroli, die dann aber zwangsläufig noch größer sind sowie größere und schwerer wiegende Objektive erfordern. Als deutliches Bekenntnis zum 4/3-Sensor wirkte das Flaggschiff auf viele Beobachter wie eine Trotzreaktion von Olympus.

Geschäftlich gesehen ist der allgemein bekannteste Teil des Unternehmens eher ein Wurmfortsatz: Im fiskalischen Jubiläumsjahr machte die Medizintechnik von Olympus einen Umsatz von etwa 5,26 Milliarden Euro. Das im Oktober 1919 gegründete und ursprünglich nach der in der japanischen Mythologie als Göttersitz bekannten Region Takachiho benannte Unternehmen ist Weltmarktführer auf dem Gebiet der gastrointestinalen Endoskopie mit einem Anteil von etwa 70 Prozent. Am Umsatz gemessen, verhält sich die Medizintechnik zum ungleich bekannteren Geschäftsbereich Fototechnik etwa wie 9:1. Erst 30 Jahre nach der Gründung wurde 1949 in international verständlicher Form der Wohnsitz des griechischen Göttervaters Unternehmensname.

Ein Jahr zuvor war als erste Kleinbildkamera des Herstellers die Olympus 35 I, auf den Markt gekommen, nachdem man 1936 begonnen hatte, neben Mikroskopen auch Fotoapparate anzubieten. Beim allerersten Modell stammte nur die Zuiko-Optik von Olympus. In der Folge haben Entwicklungen der verschiedenen Geschäftsbereiche immer wieder auch den übrigen genützt: So basiert etwa in den Digitalkameras die 5-Achsen-Bildstabilisierung, mit der Olympus als erster Hersteller 2012 in der ersten Auflage der OM-D E-M5 auf den Markt kam, auf Patenten für Endoskopiegeräte. Heute ist Olympus mit rund 35 000 Mitarbeitern weltweit unter anderem auch führend als Anbieter von digitalen Diktiergeräten.

Die OM-D E-M5 Mk. III, wie das neuste Modell nach dem Micro-Four-Thirds-Standard mit vollem Namen heißt, markiert über der E-M10 und unter der E-M1 preislich und der Ausstattung nach die Mitte der Baureihe. Mit den OM-D-Modellen zielt Olympus im Gegensatz zu der nah verwandten, aber völlig anders gestalteten Pen-Baureihe eher auf männliche, mehr technisch orientierte Kundschaft. Während eine Pen einschließlich der etwas aus dem Rahmen fallenden Pen-F nicht zuletzt als Accessoire zu gefallen sucht, signalisieren die OM-D-Modelle sozusagen ein ernsteres Interesse am Fotografieren als Beruf und Kunstform.

Auf den ersten Blick war die dritte Generation der zuletzt 2015 überarbeiteten E-M5 zwar an der Reihe, aktualisiert zu werden, aber die äußerlichen Neuerungen fallen nicht sofort ins Auge: ein größeres Daumenpolster hinten und vorn, ein etwas anders geformter Griff, ein wenig geändertes Bedienungsrädchen. Tatsächlich ist das gegen Staub und Spritzwasser gedichtete und frostsichere Gehäuse um Millimeter gegenüber ihrer Vorgängerin E-M5 Mk. II geschrumpft; mit Akku und Speicherkarte wiegt es etwas mehr als 400 Gramm. Obwohl der Handgriff ECG-5 die Zierlichkeit wieder ein Stückweit zunichtemacht, ist er zu empfehlen, denn er verbessert die Handlichkeit deutlich. Der Griff bietet aber keinen Hochformat-Auslöser und kein zusätzliches Batteriefach. Das ist schade, vor allem, weil schon das erste Ausprobieren der Kamera zeigte: Man tut gut daran, immer einen zweiten Akku dabei zu haben.

30.000 Schwingungen in der Sekunde

Die wesentliche Neuheit im Innern der E-M5 Mk. III ist der Sensor: Der 20,4-Megapixel-Live-MOS, der gleiche wie im Spitzenmodell E-M1X, hat einen verbesserten Staubschutz, der mit 30.000 Schwingungen in der Sekunde Dreck abschüttelt. Er arbeitet mit einem TruPic-VIII-Bildprozessor zusammen, von denen die E-M1X zwei hat. Für das Autofokussystem nach dem Phasendetektionsprinzip stellt der Sensor insgesamt 121 Kreuzsensoren bereit, die sich zu verschiedenen Messfeld-Modi gruppieren lassen. Die neue 5-Achsen-Bildstabilisierung kompensiert 5,5 Lichtwert-Stufen, mit einigen besonderen Objektiven bis zu 6,5 Schritte.

Mit minimalen Abstrichen sind das alles nach unten durchgereichte Features der E-M1X. Sie summieren sich zum Charakter der E-M5 Mk. III: War die E-M1X der Versuch, auftrumpfend zu zeigen, was mit der Micro-Four-Thirds-Technik möglich ist, kommt nun die E-M5 Mk. III als Demonstration, dass zwar vielleicht nicht alles und jedes davon, aber doch das meiste sich in ein noch wesentlich kleineres Gehäuse packen lässt.

Gleich ein ganzes Bündel spezieller Aufnahme-Modi bringt die Neue mit: Da wären zunächst Fokus-Bracketing und -Stacking. Die Kamera macht dabei eine Serie von Aufnahmen, aus der eine mit der gewünschten Schärfenebene ausgewählt werden kann oder aber ein Bild mit erweiterter Tiefenschärfe errechnet wird. Beim „Pro Capture Modus“ wird der entscheidende Moment des richtigen Bildes eingekreist, indem die Kamera bereits vor dem eigentlichen Auslösen aufnimmt. Mit Live Composite lässt sich bei Langzeitbelichtungen der Bildaufbau beobachten und die Belichtungszeit entsprechend der optischen Kontrolle bestimmen. Als Bewegtbildkamera kann die E-M5 Mk. III ebenso 4k-Videos wie Zeitlupe mit 120 Aufnahmen in der Sekunde. Klar gegen die höher auflösenden Vollformat-Sensoren des Wettbewerbs gerichtet ist der „50 MP High-Res-Shot“: Die Kamera macht acht Aufnahmen, die jeweils um ein halbes Pixel versetzt sind. Daraus wird ein 50 Megapixel großes Bild errechnet. Das funktioniert, gut allerdings nur bei Stillleben und vom Stativ herunter.

Gefallen haben beim Ausprobieren der handlichen Kamera die Arbeitsgeschwindigkeit im Allgemeinen und die des Suchers im Besonderen. Die OM-D E-M5 Mk. III ist zum Gehäusepreis von rund 1200 Euro kein völlig neuartiges, aber ein mit den Genen der MFT-Oberklasse runderneuertes Modell. Sie spielt die Vorteile der systembedingten Kompaktheit voll aus. Wer es nicht nötig hat, sich mit einer Profikamera zu schmücken, wird mit ihr glücklich werden, ohne besonderen Verzicht leisten zu müssen.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot