Fujifilm X-T30 ausprobiert

Quick und Qual

Von Hans-Heinrich Pardey
Aktualisiert am 29.06.2019
 - 20:26
Fujis X-T30 ist die goldene Mitte des Produktportfolios.
Die Fujifilm X-T30 ist eine leistungsfähige Systemkamera, die kaum Wünsche offen lässt. Ambitionierte Fotofreunde mögen einen Punkt vermissen.

Ob eine spiegellose Systemkamera eigentlich wie eine Spiegelreflex von anno dazumal aussehen muss, ist weitgehend eine Geschmacksfrage: Manche mögen den mittig sitzenden Suchereinblick, andere linsen lieber mit dem rechten Auge durch die linke Ecke der Kamera. Wie andere Hersteller hat Fujifilm beides im Angebot: Den kompakteren Look der Sucherkamera und Modelle mit Prismengiebel, in denen kein Umkehrprisma steckt. Bei diesen, der X-T-Baureihe, harmoniert sehr schön mit dem Erscheinungsbild das Bedienkonzept der X-Kameras, das ein weithin übliches Wählrad für die Betriebsarten durch einen Blendenring am Objektiv und ein Zeitenrad auf der Kamera ersetzt.

Fujis X-T30 ist die goldene Mitte des Produktportfolios. Mit etlicher Technik des Spitzenmodells X-T3 ausgestattet und damit deutlich über der X-T100 rangierend, lockt sie gegenüber der Profiklasse mit Handlichkeit durch geringeres Gewicht und mit einem Gehäusepreis von rund 900 Euro. Äußerlich hat sich die Neuauflage gegenüber der X-T20 wenig verändert. Neben der schwarzen Ausführung gibt es wieder dekorativen Silberschimmer und Titangrau als Varianten.

Im Innern steckt wie bei der X-T3 ein 26-Megapixel-Sensor im APS-C-Format (23,5×15,6 Millimeter), der einem X-Prozessor der vierten Generation mit maximal 6240×4160 großen Bildern zuarbeitet. 2,16 Millionen Pixel des CMOS, verteilt über die gesamte Sensorfläche, dienen der Phasendetektion des schnellen Autofokus. Der funktioniert auch bei wenig Licht (bis -3,0 EV) und bietet diverse Möglichkeiten, Objekte im Bild zu verfolgen, eine Stärke der X-Kameras von Fuji.

Statt Vier-Wege-Wippe ein Joystick-Knubbel

Am linken Einstellrad oben auf dem Gehäuse fallen die zwei hinterlegbaren Formen des Bracketing auf. Bildserien mit unterschiedlichen Einstellungen macht die X-T30 nicht nur bei der Scharfstellung und Belichtung, sondern auch bei den von Fuji Film-Simulation genannten Bild-Stilen, dem Dynamikbereich, der ISO-Empfindlichkeit und dem Weißabgleich. Der Dreizoll-Monitor ist berührungsempfindlich, kipp- und neigbar. Statt einer Vier-Wege-Wippe wartet ein Joystick-Knubbel an der Gehäuserückseite, die Funktionstasten und -rädchen sind konfigurierbar.

Das Bedienkonzept könnte rundherum gelobt werden, wenn da nicht die Q-Taste wäre. Q steht für Quick, und die Taste zaubert einen ganzen Bildschirm voll mit den wichtigsten Einstellungen und eröffnet den raschen Zugriff. Was gezeigt wird, lässt sich im Einzelnen zurechtschneidern. So weit, so praktisch.

Aber im Entwicklerteam von Fuji scheint es jemand zu geben, der dafür verantwortlich ist, dass die Q-Taste, egal an welcher Kamera, möglichst so plaziert wird, dass sie unabsichtlich gedrückt werden kann. Jedenfalls sind die Foren voll von jammernden Benutzern, die fragen, wie sie diese Taste deaktivieren können.

Das geht natürlich, es ist aber schön in den Tiefen der Menüstruktur verborgen, gesichert durch eine Zwei-Schritte-Aktivierung. Bis man das entdeckt hat, greift man nach der X-T30 und sieht nicht sein Motiv im Sucher, sondern das vermaledeite Schnelleinstellungsmenü. Der Designer der Q-Taste hat sie nämlich genau auf das Daumenpolster an der Rückseite gesetzt, nicht daneben, nicht an den Rand, nein, mitten drauf. Wir Langnasen mit den breiten Daumen können gar nicht anders, als die Q-Taste mit jedem schnellen Griff nach der Kamera zu erwischen.

Wenn diese Klippe umschifft ist, hat man eine sehr handliche, angenehm leichte und schnelle Kamera (das Gehäuse wiegt betriebsbereit 385 Gramm) vor sich, deren Bildqualität in Zeichnung und Farbigkeit mit den teureren Modellen gut mithält. Statt des üblichen 18-55mm-Standardzooms gefiel an der X-T30 besonders die kompakte Festbrennweite Fujinon XF 1:2/23mm WR als Normalobjektiv.

Außerdem bleiben sonst kaum Wünsche offen: Fujinon-Wechselobjektive, Miniblitz, 4k-Video, Konnektivität zur Smartphone-App, eigentlich ist alles drin und dran, was man so braucht. Der einzige Punkt, den ambitionierte Fotofreunde vermissen mögen, ist das Schulterdisplay. Ein bisschen Abstand nach oben, sprich irgendwo ein Abstrich, muss ja dann doch sein.

Quelle: F.A.Z.
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