Neue BA-Chefin

Das Comeback der Andrea Nahles

Von Mona Jaeger
26.01.2022
, 15:40
Kehrt auf die politische Bühne zurück: Andrea Nahles
Andrea Nahles wurde von ihrer Partei gedemütigt. Dabei ist sie so sozialdemokratisch wie wenige andere. Jetzt kehrt sie zurück.
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Andrea Nahles kehrt zurück auf die politische Bühne – es ist ein Comeback, eine Versöhnung, aber auch eine Mahnung für die neue Kanzlerpartei SPD, die glaubt, mit dem Wahlsieg alles Böse der Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben. Die frühere Spitzenpolitikerin, inzwischen 51 Jahre alt, soll Chefin der Bundesagentur für Arbeit werden. Rund 100.000 Mitarbeiter werden ihr bald unterstehen.

Andrea Nahles ist Sozialdemokratin, mehr Sozialdemokratin als sie kann man kaum sein. Aber sie ist auch ein eigener Kopf. Sie stammt aus dem ländlich geprägten Rheinland-Pfalz, aus Mendig in der Osteifel. Dort wohnt sie noch heute auf einem alten Bauernhof. Nahles ist katholisch und war Messdienerin. Sie fährt gerne schnell Auto. Das Wort bodenständig ist bei ihr ausnahmsweise mal kein Klischee.

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Nahles, die Linke und Laute, begann bei den Jusos. Sie wurde später oft von den jungen Quälgeistern in der Partei angegangen, dabei war sie selbst mal einer: Den SPD-Kanzler Gerhard Schröder bezeichnete sie als „Abrissbirne“ des Sozialstaats, seine Agenda 2010 „konzeptlos, perspektivlos, instinktlos“. Diese kategorische Ablehnung gab sie später auf, sie bemühte sich um Korrekturen an Hartz IV.

Sie wurde öffentlich demontiert

Sie wurde Generalsekretärin, 2013 bekam sie als Ministerin das für die SPD wichtige Ressort für Arbeit und Soziales, verantwortete die Einführung des Mindestlohns. Politiker anderer Parteien schätzten Nahles als verlässliche Praktikerin. 2017 wurde sie Vorsitzende der SPD-Fraktion, nach dem Ende des Schulz-Hypes auch Parteivorsitzende. In der männergeprägten SPD war sie die erste Frau an der Spitze. Man gab sich stolz, bescherte ihr trotzdem ein schlechtes Ergebnis.

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Unter ihr beschloss der SPD-Vorstand Anfang 2019 eine Generalrevision der Hartz-IV-Regeln. Zu Olaf Scholz hat sie seit langem ein enges Verhältnis. Sie sollte seinen Aufstieg zum Kanzler flankieren. Doch dann verstolperte sich Nahles zuerst bei der Versetzung von Hans-Georg Maaßen, dann machte sie bei einigen Auftritten eine unglückliche Figur. Das Schicksal von Nahles ist das beste Beispiel für die Folgen des widersprüchlichen Wunsches vieler Menschen nach lebensnahen Politikern, die unfehlbar sein sollen. Kevin Kühnert und weitere demontierten Nahles öffentlich, andere unternahmen nichts dagegen. Sie trat Mitte 2019 zurück. Kühnert meinte später, er schäme sich für damals.

Wenige Monate später verabschiedete die SPD ihr Sozialstaatskonzept. Sie war mit sich versöhnt, der Grundstein für den schließlich erfolgreichen Wahlkampf war gelegt. Aber Andrea Nahles war weg. Sie besuchte keine Parteitage und gab keine öffentlichen Ratschläge. Sie leitete kurz die Bundesanstalt für Post und Telekommunikation. Jetzt kehrt sie zurück. Womöglich musste, so die Lesart einiger heute in der SPD, Nahles geopfert werden, damit es so schlimm wurde, dass es schlimmer nicht mehr ging.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jaeger, Mona
Mona Jaeger
Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.
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