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Und es soll weiter schneien

Schüler aus NRW müssen mit dem Hubschrauber abgeholt werden

 - 15:28

Das österreichische Bundesheer hat eine große Schülergruppe aus der Nähe von Dortmund mit zwei Hubschraubern von einer Alm ausgeflogen. Die Gruppe mit insgesamt 66 Menschen habe seit Samstag im Hochberghaus in Grünau im Almtal festgesessen, sagte Bürgermeister Wolfgang Bammer der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Die Jugendlichen aus Dortmund waren für einen Skikurs nach Oberösterreich gereist. Aufgrund der großen Lawinengefahr und der dadurch geschlossenen Lifte konnten sie aber letztlich nicht auf die Pisten. Sie hätten den abenteuerlichen Aufenthalt dennoch genossen, auch als nach einigen Tagen Handy und Fernsehen nicht mehr verfügbar waren, sagte Bammer. Lediglich ein Notstromaggregat habe das Haus noch mit Strom versorgt.

Ein Sprecher des Bundesheeres sagte, dass es den Schülern nicht möglich gewesen sei, mit Skiern abzufahren. Auch eine Bergung mit einer Pistenraupe oder ähnlichem Gerät sei nicht möglich gewesen. Daher wurde die Gruppe am Freitag schließlich mit zwei Hubschraubern des Bundesheeres ins Tal gebracht. „Sie sind alle mit einem großen Lächeln aus dem Hubschrauber gestiegen“, sagte Bürgermeister Bammer.

Mehr Schnee am Sonntag

Auf die kurze Verschnaufpause an der Winterfront folgt die nächste Unwetterlage in Bayern. In der Nacht zum Sonntag komme eine sehr komplexe Wetterlage auf den Freistaat zu, sagte der Leiter der Regionalen Wetterberatung München des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Guido Wolz, am Freitag. Massive Tiefausläufer bringen der Prognose zufolge kräftigen Schneefall in den Alpenraum und den Bayerischen Wald. Im Tagesverlauf könne die Schneefallgrenze auf 1200 Meter ansteigen, darunter wird es also regnen.

Die Schneedecke werde durch den Regen zwar niedriger, erklärte Wolz. Aber die Gefahr wegen Schneemassen auf Dächern werde ansteigen. „Wenn es da rein regnet, wird das Gewicht noch mal erheblich zunehmen“, sagte der Fachmann. „Das könnte recht brenzlig werden.“

Wie Bauingenieur Michael Stauch erklärt, saugt der Schnee den schwereren Regen wie ein Schwamm auf. Dadurch nehme der Schnee in Dichte zu und könne schnell das doppelte an Gewicht zulegen. Sinken die Temperaturen in der Nacht unter null Grad, könnten sich zudem besonders schwere Eisplatten bilden. Wer fürchtet, die Schneelast könne durch den Regen zu schwer werden, sollte den Schnee auf seinem Dach räumen oder zumindest verringern.

340 Gebirgsjäger sind bereits im Einsatz

In Summe könnte in höheren Lagen stellenweise mehr als ein Meter Neuschnee hinzukommen. „Das mag man sich nicht ausmalen, was da noch alles passieren kann“, sagte Wolz. Vor allem die Schneebruchgefahr werde in Höhenlagen extrem zunehmen. Zur Einordnung: Derzeit liegen auf 1500 Metern zwischen anderthalb bis zweieinhalb Metern Schnee. Im Fichtelgebirge seien es 30 Zentimeter, im Bayerischen Wald 70, sagte Wolz. Im Alpenvorland auf höhe München bis zum Inn seien es 10 bis 30 Zentimeter, im Süden der Landeshauptstadt schon doppelt so viel.

Mancherorts kann bereits nur noch schweres Gerät der Bundeswehr helfen. Das Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr hat daher den sogenannten Militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Rund 340 Gebirgsjäger seien derzeit im Einsatz, weitere 300 in Bereitschaft, teilte die Bundeswehr am Freitag mit. Die Soldaten räumen vor allem Dächer, versorgen von den Schneemassen eingeschlossene Menschen oder übernehmen Transportaufgaben und medizinische Versorgung.

Grundlage für den Einsatz ist der Artikel 35 Grundgesetz, Absatz 1, der technisch-logistische Unterstützung im Zuge der Amtshilfe vorsieht – etwa bei Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen. Es handele sich „nicht um einen Einsatz“ und es würden entsprechend „keine hoheitlichen Aufgaben“ übernommen, erläutert ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

Angefordert werden muss die Amtshilfe von den zuständigen Behörden, etwa Landratsämtern, oder von Polizei und Feuerwehr über einen Hilfeleistungsantrag beziehungsweise ein Eilhilfeersuchen. Denn Katastrophenhilfe ist Ländersache. Weitere Einheiten, die durch den Militärischen Katastrophenalarm in Bereitschaft versetzt wurden, sind das Landeskommando in Bayern, Transporthubschrauber in Niederstetten sowie Logistiker, Feldjäger, das Verpflegungsamt in Oldenburg sowie mehrere Sanitätseinheiten. Insgesamt wurden zwölf Dienststellen und Verbände alarmiert.

Katastrophenfall auch in mehreren Gemeinden

Derweil haben die Behörden am Freitag auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen den Katastrophenfall ausgerufen. Das Landratsamt übernehme die Koordination der verschiedenen Hilfs- und Rettungseinsätze, wie ein Sprecher mitteilte. Weitere angekündigte Schnee- oder Regenfälle könnten die Situation in der Region verschärfen. Für die oberbayerischen Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein und Teile des Berchtesgadener Lands gilt bereits der Katastrophenalarm. Ministerpräsident Markus Söder will am Samstag eine der stark verschneiten Regionen besuchen.

In der Nacht zu Freitag harrten derweil zahlreiche Menschen über mehrere Stunden hinweg bei starkem Schneefall in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn 8 im Landkreis Rosenheim aus. Auf dem Streckenabschnitt zwischen Bernau am Chiemsee und Frasdorf in Richtung München kam der Verkehr wegen Schneeglätte und querstehender Lastwagen am Donnerstagabend komplett zum Erliegen. Erst in den frühen Morgenstunden konnten Pkw und Lkw nach und nach wieder anfahren, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Da der Schneefall nachgelassen habe, gebe es aktuell keine Probleme mehr. „Im Moment sieht man sogar wieder den Asphalt“, sagte ein Sprecher.

Bis sich der Stau aufgelöst hatte, seien mehrere Stunden vergangen. „Teilweise mussten wir Lkw-Fahrer aufwecken“, sagte ein Sprecher. „Das dauerte etwas, bis die ihre Lastwagen wieder in Bewegung setzen konnten.“

Lawinengefahr nimmt ab

Sowohl das Bayerische Rote Kreuz als auch das Technische Hilfswerk waren im Einsatz, um die Autofahrer zu betreuen. Die Helfer seien den Stau abgegangen und hätten die Menschen versorgt, so ein Polizeisprecher. Das Rote Kreuz twitterte, dass unter anderem für warme Getränke gesorgt wurde.

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Kein Ende in Sicht
Es kommt noch mehr Schnee

Die Lawinengefahr ist derweil in weiten Teilen der bayerischen Alpen nach Einschätzung von Experten gesunken. Für diesen Freitag stufte der Lawinenwarndienst Bayern in München die Gefahr nur noch für die Berchtesgadener Alpen als groß ein, das ist die zweithöchste von fünf Gefahrenstufen. Für den übrigen Alpenraum gelte erhebliche Gefahr, also Warnstufe 3.

In den vergangenen Tagen waren die Fachleute flächendeckend von einer großen Lawinengefahr ausgegangen, was Stufe 4 entspricht. Sie warnten aber nun weiterhin: „Aufgrund der möglichen großen Reichweiten von Lawinen erfordern Unternehmungen im Gebirge zur Zeit besondere Vorsicht und überlegte Routenwahl.“

Die Hauptgefahr geht demzufolge weiter von großen bis sehr großen Lockerschnee- und Schneebrettlawinen aus, die sich durch Neuschnee auf die Altschneedecke und verstärkt durch die Sonneneinstrahlung am Freitag von selbst lösen können. Abgehende Lawinen könnten in der Sturzbahn auf tiefere Schneeschichten durchgreifen und bis in die Tallagen vorstoßen. Auch hangnahe Verkehrs- und Wanderwege unterhalb der Waldgrenze seien gefährdet. „Die Triebschneeansammlungen sind von lockerem Neuschnee überdeckt und schwer zu erkennen“, hieß es.

Seit Mittwochabend waren den Angaben nach im bayerischen Alpenraum verbreitet 50 Zentimeter Neuschnee gefallen. Dieser liege locker auf einer mächtigen Altschneedecke, die sich bei den tiefen Temperaturen von bis zu minus 20 Grad auf der Zugspitze nur langsam setze.

Flüge in München und Frankfurt gestrichen

An den Flughäfen in München und Frankfurt wurden wegen des winterlichen Wetters jeweils rund hundert Flüge am Freitag gestrichen. Weil es stärker schneien und glatt werden sollte, sei in Frankfurt etwa jede zehnte Flugverbindung annulliert worden, sagte ein Sprecher am Freitagmorgen. Insgesamt seien rund 120 Flüge betroffen.

Obwohl die Wetterlage am Morgen ruhiger als erwartet gewesen sei und der Schnee in Regen übergegangen sei, sollten die Annullierungen verschiedener Airlines für reibungslose Abläufe im Flugbetrieb sorgen, so der Sprecher weiter. Für die übrigen über den Freitag geplanten 1160 Flugverbindungen seien aber keine größeren Verzögerungen zu erwarten. Starts und Landungen seien unter Berücksichtigung witterungsbedingter Vorsichtsmaßnahmen gefahrlos möglich, sagte der Sprecher.

In München wurden wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Freitag rund 90 Flüge gestrichen. Im Moment sei der Himmel zwar blau, weiterer Schneefall sei zunächst nicht in Sicht, „aber die Entscheidung, Flüge zu streichen, liegt in der Hand der jeweiligen Airline“, sagte ein Sprecher des Flughafens. Weil Fluglotsen in Italien am Nachmittag in den Streik treten, seien unabhängig der 90 wetterbedingten Ausfälle weitere 20 Flugverbindungen gestrichen worden, sagte der Sprecher.

Quelle: dpa
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