Drei Generationen Aids

Eine tödliche Epidemie

20.05.2003
, 18:27
Brennpunkt Afrika: Aids-Waisen in Kenia
Sars hat Aids in der Warnehmung lebensgefährlicher Epidemien verdrängt. Aber 20 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus leiden und sterben weltweit Millionen Menschen durch die Folgen der Immunschwächekrankheit.
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Als erste weltweite Epidemie des beginnenden 21. Jahrhunderts macht Sars Schlagzeilen und verdrängt damit die Immunschwächekrankheit Aids aus dem Bewußtsein der Öffentlichkeit. Doch die Bedeutung beider Krankheiten ist kaum zu vergleichen: Die Zahl der Sars-Toten bewegt sich weit unter der Marke 1.000. Doch mehr als 20 Millionen Menschen starben an Aids und rund 42 Millionen haben das Virus im Blut. Und eine Heilung ist noch immer nicht möglich. Vor 20 Jahren, am 20. Mai 1983, veröffentlichten die Arbeitsgruppen von Luc Montagnier (Frankreich) und Robert Gallo (Vereinigte Staaten) im Fachblatt „Science“ erstmals über die Isolierung der Aidsviren berichteten.

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Die Immunschwäche sucht besonders die Armen heim, weniger als vier Prozent von ihnen bekommen die nötigen Medikamente. Forscher machen zwar Fortschritte, zum Beispiel mit dem neuen Wirkstoff Enfuvirtide. Er wurde im März in den USA zugelassen und soll verhindern, daß die tödlichen Viren in die weißen Blutkörperchen eindringen und sie umbringen. Ohne diese Helferzellen kann das Immunsystem die Angriffe anderer Krankheitserreger nicht mehr parieren. Aber Enfuvirtide ist ein Medikament ausschließlich für Reiche: Die Behandlung soll rund 20.000 Dollar (etwa 17.000 Euro) pro Jahr kosten. Für die fast 30 Millionen HIV-Infizierten in Afrika südlich der Sahara ist das keine Alternative, ebenso wenig wie für die Betroffenen in Osteuropa und Zentralasien.

Brennpunkt Osteuropa

Dabei wäre Hilfe gerade dort besonders nötig: Drei Viertel aller HIV-Infizierten leben in Afrika. Ohne Behandlung werden die meisten das nächste Jahrzehnt nicht erleben, täglich sterben mehr als 6.000 von ihnen. Die Aidsepidemie gefährdet darüber hinaus Demokratie und Wirtschaft und damit die Stabilität zahlreicher afrikanischer Staaten. Und Besserung ist nicht in Sicht. In nicht einmal zehn Jahren wird die Immunschwäche Schätzungen zufolge in Schwarzafrika 20 Millionen Kinder zu Waisen gemacht und die Wirtschaftskraft um ein Fünftel geschwächt haben.

Gleichzeitig droht an ganz anderer Stelle ein neuer Brennpunkt: Nirgendwo verbreitet sich Aids derzeit schneller als in Osteuropa. Die Region steht am Rande einer bedrohlichen Epidemie - mit unabsehbaren Folgen für viele Millionen Menschen. 2002 gab es dort rund 250.000 neue Infektionen, was die Zahl der Betroffenen auf rund 1,2 Millionen schraubte, berichtet das UN-Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS.

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Hilfe im Kampf gegen Sars

Und doch gibt es eine Verbindung zwischen der alten und der neuen Seuche: Die Bekämpfung von Sars wäre ohne die Erfahrungen aus der Aids-Forschung nicht so schnell und effektiv vonstatten gegangen. „Wir haben gelernt, daß bei einer notfallartigen Gesundheitslage abgeschottete, auf Wettbewerb ausgerichtete wissenschaftliche oder akademische Forschung nicht zur Kontrolle einer sich ausbreitenden Krankheit führt“, sagt Klaus Stohr, der für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen Sars kämpft.

Quelle: @mg
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