Epidemiegefahr

EU beschließt Sofortmaßnahmen gegen Vogelgrippe

15.10.2005
, 11:20
Flughafen Frankfurt: Kontrollen gegen die Vogelgrippe
Die Staaten der EU gehen gemeinsam gegen ein mögliches Einschleppen der Vogelgrippe in die Union vor. Auch ein Stallpflicht für Geflügel nicht mehr ausgeschlossen. Erstmals zeigte sich ein Vogelgrippe-Virus resistent gegen ein Medikament.
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Im Kampf gegen ein Einschleppen der Vogelgrippe haben sich die Staaten der Europäischen Union (EU) am Freitag auf Sofortmaßnahmen verständigt. Die 25 Mitgliedsländer sollen besonders gefährdete Gebiete genauer bestimmen, um dort Wildvögel von Geflügel zu trennen, teilte die EU-Kommission in Brüssel nach einer Krisensitzung der Veterinärexperten mit. Damit solle das Ansteckungsrisiko für heimische Tiere möglichst gering gehalten werden.

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Denkbar sei in den besonders gefährdeten Gebieten auch eine Stallpflicht, hieß es weiter. Als risikoreich gelten Feuchtgebiete und andere Regionen, in denen Zugvögel in großer Zahl Stationmachen. Die Bundesregierung hatte bereits erklärt, sie bereite eine Eilverordnung vor, um die EU-Beschlüsse umzusetzen.

Die EU-Kommission befürchtet, daß Zugvögel den bereits in Rumänien und der Türkei aufgetretenen Virus auch in die Länder der Gemeinschaft einschleppen könnten. Bisher ist in der EU noch kein Fall von Vogelgrippe registriert worden. In der Türkei war allerdings eine auch für Menschen lebensgefährliche Variante des Virus nachgewiesen worden. Ob die Vogelgrippe-Fälle in Rumänien ebenfalls auf diesen Virenstamm zurückgehen, sollen Testergebnisse klären, die für diesen Samstag erwartet werden.

Virus zeigt Resistenz gegen Medikament

Ein bestimmtes Virus der Vogelgrippe hat sich nach Angaben von Medizinern als resistent gegen einschlägige Gegenmittel erwiesen. Die Arznei, die in den Vereinigten Staaten für den Fall einer Grippepandemie gelagert werde, habe den Erreger bei einem vietnamesischen Mädchen nicht bekämpfen können, erklärte Yoshihiro Kawaoka, der an den Universitäten von Tokio und Wisconsin-Madison forscht. Er fügte am Freitag aber hinzu, das Medikament Tamiflu könne dennoch die meisten Viren ausschalten, so daß kein Grund zur Panik bestehe.

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Der Fall der 14 Jahre alten Vietnamesin sei der erste, bei dem das Medikament nicht gegen die Vogelgrippe gewirkt habe, sagte Kawaoka. Hierbei könne es sich um einen Ausnahmefall handeln. Immerhin habe das Medikament in der Vergangenheit auch bei einer normalen Grippe gelegentlich versagt. Gegen den Erreger der Vogelgrippe habe man schließlich ein anderes Mittel erfolgreich einsetzen können. Das in der Schweiz hergestellte Medikament Tamiflu ist kaum noch erhältlich, weil viele Länder es für den Fall einer Pandemie lagern.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AP
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