Geburt des ersten Kindes

Warum junge Väter immer älter werden

Von Max Fluder
25.05.2022
, 15:36
Ein Mann hält ein Baby auf dem Arm.
Männer sind im Schnitt bei der Geburt ihres ersten Kindes deutlich älter als Frauen. Werden sie auch in Zukunft immer älter? Die Gründe, warum die Deutschen immer später im Leben eine Familie gründen, sind gut erforscht.
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Wenn am Vatertag wieder Männer mit Bollerwagen und ordentlich Bier die Parks der Republik bevölkern, dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Herrschaften. Besonders auf ergrauende oder ausfallende Haare, hervortretende Falten und andere Alterserscheinungen. Denn die Deutschen werden immer später Eltern. Das trifft sowohl auf Männer als auch auf Frauen zu. Aber Männer sind im Schnitt dann doch noch mal deutlich älter als Frauen, ganze drei Jahre nämlich.

Während Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes im Mittel 30,2 Jahre alt sind, sind die jeweils dazugehörigen Väter durchschnittlich 33,2 Jahre alt. Das hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden für das Jahr 2020 ermittelt. 2015 waren die Väter im Durchschnitt noch 32,8 Jahre alt. Neuere Daten hat die Behörde noch nicht aufbereitet.

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Warum die Deutschen immer später im Leben eine Familie gründen, ist gut erforscht. Bevor man sich dafür entscheidet, gemeinsam ein Kind in die Welt zu setzen, ist vielen erst einmal eines wichtig: Sicherheit. Und die ist nun einmal nur gegeben, wenn man einen gewissen Ausbildungsgrad er­reicht hat, sicher im Job steht und die Partnerschaftsverhältnisse geklärt sind.

„Das ist auch eine Statusgeschichte“

Mit immer längeren Ausbildungs­zeiten – vor allem, aber nicht nur bei Akademikern – rutscht die Gewissheit, dass man Sicherheit im Leben hat, ­zeitlich immer weiter nach hinten. ­Hinzu kommt, dass es junge Eltern auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. In ­erster Linie sind Mütter davon betroffen. Väter sind da jedoch nicht aus­genommen.

Wieso sind dann aber ausgerechnet die Väter älter, nicht die Mütter? Die Antwort ist erst einmal ganz simpel: „Das ist schlicht der typische Altersunterschied in einer Beziehung“, sagt Christian Dudel, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. In mehr als zwei Dritteln aller Beziehungen zwischen Mann und Frau ist er älter. Bei dem Großteil aller Paare sind das Unterschiede von einem Jahr bis drei Jahre. Viel seltener ist sie älter als er.

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Vor allem weil der Mann das Gefühl hat, beruflich abgesichert und integriert sein zu müssen, wenn eine Familiengründung ansteht, zögert er diese hinaus. Dudel sagt: „Das ist auch eine Statusgeschichte.“

Den Unterschied erklärt das allein noch nicht. Zumindest noch nicht ganz. Um die Zahlen des Statistischen Bundesamts zu verstehen, muss man auch wissen: Wenn es um Erst­geburten geht, werden in erster Linie Daten zu den Frauen erfasst. Hat ein Mann bereits ein Kind mit einer anderen Frau, ist aber von dieser getrennt und wird nun Vater des ­ersten Kindes seiner neuen Partnerin, dann fließt auch dessen Alter in die ­Statistik ein. Denn beide Male ist er Vater eines erstgeborenen Kindes. Solche Fälle können das Durchschnittsalter beeinflussen.

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Ausreißer nach oben sind möglich

Zudem haben die Statistiker das arithmetische Mittel berechnet, Ausreißer können den Wert also nach oben treiben. Und Ausreißer wirken in diesem Fall bei den Männern wahrscheinlicher. Das ist allein schon biologisch begründet. Denn während Frauen irgendwann in die Wechseljahre kommen, können auch Männer in den Fünfzigern, Sechzigern, Siebzigern und sogar Achtzigern noch Vater werden – siehe Bernie Ecclestone. Der britische Unternehmer wurde vor zwei Jahren im Alter von 89 Jahren Vater. Der kleine Ace ist jünger als Ecclestones Urenkel.

Werden Frauen und Männer auch in Zukunft immer später Eltern? „Das ist zumindest zu vermuten“, sagt der Demograph Christian Dudel. „Besonders bei den Müttern sehen wir seit Langem einen kon­stanten Anstieg im Alter bei der Erst­geburt.“ Bei den Vätern, bei denen die Daten noch nicht ganz so lange vorhanden seien, könne man noch nicht wirklich von Langzeitbeobachtungen sprechen, doch auch hier sei weiterhin ein Trend nach oben feststellbar.

Immerhin: Dass der Vatertag irgendwann eine Veranstaltung von Männern im Alter Ecclestones wird, ist unwahrscheinlich. Trotz der Altersausreißer nach oben und der Möglichkeit, dass es sich um Zweit-, vielleicht sogar um Drittfamilien handelt: Am häufigsten werden Männer in Deutschland im Alter von 32 und 33 Jahren Vater eines erstgeborenen Kindes. Und das kommt dann dem vom Statistischen Bundesamt herausgegebenen Mittel doch ziemlich nahe.

Quelle: F.A.Z.
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