Fleischindustrie

Neuer Coronavirus-Ausbruch in deutschem Schlachthof

18.05.2020
, 06:21
In einem Schlachthof im Landkreis Osnabrück sind 92 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. Es handelt sich nicht um den ersten Problemfall in der deutschen Fleischindustrie. Nun will das Corona-Kabinett über die Missstände beraten.

Abermals hat es in einem deutschen Schlachthof einen Ausbruch von Coronavirus-Infektionen gegeben. 92 Mitarbeiter eines Betriebs im niedersächsischen Dissen wurden positiv getestet, wie der Landkreis Osnabrück mitteilte. Für die Infizierten und ihre Kontaktpersonen wurde den Angaben zufolge Quarantäne angeordnet. Die Produktion in dem Schlachthof wird ab Montag ausgesetzt.

Viele der Infizierten wohnten in Sammelunterkünften und würden von Subunternehmen beschäftigt, teilte der Landkreis ferner mit. Bereits zuvor waren in mehreren anderen deutschen Schlachthöfen zahlreiche Coronavirus-Infektionsfälle aufgetreten.

Gewerkschaft will Reformen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) appellierte angesichts der Coronavirus-Ausbrüche an die Bundesregierung, eine "grundlegende Reform" der Fleischindustrie auf den Weg zu bringen. Es müsse neue Gesetze und "glasklare Regeln" für die Branche geben, sagte NGG-Vizechef Freddy Adjan den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dazu gehöre vor allem das Verbot von Werkverträgen im Kernbereich der Unternehmen.

Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung will am Montag über die Missstände in der Fleischindustrie beraten. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Vorschläge einbringen, um das Arbeitsschutzgesetz zu ändern. Berichten zufolge sieht ein Beschlussvorschlag ein weitgehendes Verbot von Werkverträgen in Schlachthöfen vor.

Gewerkschafts-Vizechef Adjan betonte, das System der Werkverträge – also der Anheuerung von Subunternehmen – habe die schlimmsten Zustände in der Branche ermöglicht. Die Betriebe dürften das Schlachten nicht mehr „an dubiose Billigfirmen vergeben und damit die Verantwortung auslagern". Die Fleischkonzerne hätten „skrupellos die Gesundheit von zehntausenden Menschen gefährdet".

Quelle: hoe./afp
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