Frühe Pilzsuche

Zahl der Pilzvergiftungen steigt

14.09.2014
, 09:00
Die deutschen Wälder gaben Pilzsuchern früher als in den Vorjahren Gelegenheit zum Sammeln. Durch die große Ausbeute steigt aber auch die Zahl der Vergiftungen.

Die Zahl der Pilzvergiftungen in Deutschland steigt. „So viele Anrufe wie in diesem Jahr hatten wir in den letzten Jahren nie“, sagt Dagmar Eckart von der Giftnotrufzentrale in Mainz, die für Rheinland-Pfalz und Hessen zuständig ist. Über 300 Fälle wurden dort bislang notiert. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum der Vorjahre.

„Die Tendenz ist steigend“, sagt auch Peter Karasch von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) in Berlin. „Je mehr Pilze es gibt, desto höher ist die Gefahr von Vergiftungen.“ Zwar gab es auch letztes Jahr viele Champignons, Pfifferlinge oder Steinpilze, aber erst zum Ende der Saison. Wegen des nassen Sommers lohnte sich dieses Jahr vielerorts schon im Juni die Pilzsuche. Ein solcher Frühstart kommt nur alle 10 bis 15 Jahre vor.

Pilze vom Fachmann begutachten lassen

Die Krankenkasse DAK in Hamburg, die bereits im vergangenen Jahr von einer deutlichen Zunahme schwerer Pilzvergiftungen berichtete, sieht noch einen weiteren Grund für den Anstieg. „Vor allem in Süddeutschland hatten viele Menschen lange Zeit Angst, dass Pilze als Nachwirkung der Tschernobyl-Katastrophe radioaktiv belastet sein könnten“, sagt die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Diese Sorge schwinde langsam.

Aber es lassen auch immer mehr Pilzsucher ihre Ausbeute vorsichtshalber vom Fachmann begutachten. In hunderten Körben, die der Pilzexperte Thomas Lehr aus dem hessischen Hofheim bislang untersucht hat, waren erst ein Mal giftige Knollenblätterpilze dabei. Experten raten Pilzsuchern, ihre Fundstücke begutachten zu lassen, bevor sie in der Pfanne landen.

Von einigen tausend Pilzarten in Deutschland sind etwa 200 giftig. So sieht etwa für Laien der weit verbreitete Knollenblätterpilz mit seinen hochtoxischen Lebergiften dem harmlosen Champignon zum Verwechseln ähnlich. Die meisten tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen in Mitteleuropa gehen auf den Knollenblätterpilz zurück. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie hat auf ihrer Website eine Liste mit Pilz-Sachverständigen veröffentlicht, die meist kostenlos oder gegen ein geringes Honorar arbeiten.

Quelle: fsi./dpa
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