Geflügelpest

Impfen statt Schlachten

05.02.2004
, 19:13
Mit Feuer gegen den Virus
Tiere schlachten, dann vergraben oder verbrennen - so lautet im Moment das Rezept zur Bekämpfung der Geflügelpest. Experten suchen nach besseren Wegen, aber 1000 Hühner zu impfen kostet 50 Dollar.
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Die in Asien verbreitete Vogelgrippe ist bisher noch in keiner Weise eingedämmt. Diese Einschätzung ergab ein Treffen von Experten der Fachorganisationen der Vereinten Nationen mit Fachleuten von Seuchenbekämpfungszentren. So wird etwa aus China berichtet, daß sich die Tierseuche dort im Südosten des Landes weiter ausbreite. In Vietnam werde in Kürze das gesamte Land von der Seuche betroffen sein, sagte der Direktor der internationalen Organisation für Tiergesundheit, Bernard Vallet.

Nach seiner Einschätzung hat keines der betroffenen Länder in Südostasien schnell genug auf den Ausbruch der Seuche reagiert. In einigen Ländern seien Verzögerungen dadurch entstanden, daß es keine funktionierenden Veterinärdienste auf dem Land gebe. Allerdings könne auch dort der Ausbruch einer für die Tiere tödlichen Seuche nicht übersehen werden und hätte innerhalb eines Monats festgestellt werden müssen.

Das Risiko der Übertragung

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In anderen Ländern seien Informationen über die Seuche zunächst zurückgehalten worden, sagte Vallet. Nun werde aber versucht, die Länder vom Wert der Veterinärdienste und einer transparenten Informationspolitik zu überzeugen. „Mangel an Transparenz kann hohe politische und wirtschaftliche Kosten haben“, sagte Vallet.

Zwar berichten die Vertreter der Weltgesundheitsorganisation, daß eine Ansteckung mit der Tiergruppe von Mensch zu Mensch bisher auch innerhalb von Familien nicht beobachtet worden sei, doch gebe es weiterhin ungeklärte Fragen. Das Risiko einer Entwicklung der Virusgrippe in dieser Richtung sei bisher zwar niedrig, aber nicht auszuschließen. Zudem besteht das Risiko einer Übertragung der Vogelgrippe auf andere Tiere wie etwa Schweine.

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Illegale Importe

Über die Herkunft der Vogelgrippe, die in China, Vietnam, Japan, Thailand, Kambodscha, Indonesien, Korea, Laos und Pakistan festgestellt wurde, gibt es bisher ebenfalls noch keine gesicherten Erkenntnisse. Die von der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO nach Rom geholten Fachleute halten es jedoch für wahrscheinlich, daß die Seuche aus der Wildnis in die Kleintierhaltung von Kleinbauern eingeschleppt wurde. Während üblicherweise bei Tierseuchen zuerst die Großtierhaltung unter Verdacht stehe, könne man diese als abgeschlossener und besser kontrolliert ansehen, meint Louise Fresco, Chef der Landwirtschaftsabteilung in der FAO.

Demgegenüber gebe es in Südasien viele Hühner, die in Hinterhöfen oder am Rande der Wildnis gehalten würden und dort mit wild lebenden Vögeln in Kontakt kämen, die selbst gegen die Vogelgrippe immun sind, diese aber auf Haustiere übertragen. Die in der Wildnis vorkommende Vogelgrippe sei dabei schon lange bekannt, doch habe sich aus dieser nun ein besonders aggressiver Virus entwickelt, sagte Fresco. Zudem ergäben die Bevölkerungsdichte in Asien und das oftmals enge Zusammenleben von Mensch und Tier einen Nährboden für die Verbreitung der Krankheit, wie er in anderen Weltgegenden nicht in dieser Art existiere.

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Für die Industrieländer sei es in den kommenden Monaten besonders wichtig, daß nicht nur die Einfuhren von Schlachttieren kontrolliert würden, sondern vor allem der oftmals illegale Import exotischer Vögel wie etwa Papageien. Diese könnten die Vogelgrippe aus Asien auch in andere Kontinente übertragen.

Neuaufbau des Viehbestandes

Zur Bekämpfung der Vogelgrippe in Südostasien wird empfohlen, infizierte und kranke Tiere zu schlachten und dann zu vergraben oder zu verbrennen. Um Schutzbarrieren gegen die Krankheit zu errichten, wird nun auch mit Impfungen begonnen. Allerdings besteht dabei das Risiko, daß bei einer Impfung bereits angesteckter Tiere oder bei der Verwendung schlechter Impfstoffe die geimpften Tiere selbst zu Überträgern der Seuche werden könnten. Nach der Erhebung der Fachleute wurde bisher in Thailand ein Sechstel des gesamten Federviehbestandes von 150 Millionen Tieren getötet, in Vietnam 8 Millionen Tiere in einem Bestand von 223 Millionen, in Indonesien 5 Millionen von 900 Millionen sowie in Pakistan 4 Millionen von insgesamt 157 Millionen Stück Federvieh.

Die Vernichtung des Hühnerbestandes in Südostasien hat nach Einschätzung der FAO große wirtschaftliche Konsequenzen: Der Wert des Bestandes an Federvieh in der Region wird auf 150 Milliarden Dollar geschätzt, wobei 150 Millionen Familien auf dem Land auch von den Hühnern lebten. Allein einen Bestand von 100 Millionen Hühnern zu ersetzen koste rund 150 Millionen Dollar, sagte Louise Fresco von der FAO. Der Generaldirektor der Organisation, Jacques Diouf, rief dazu auf, nach der Überwindung der ersten Notlage den Ländern auch beim Neuaufbau ihres Viehbestandes zu helfen. Die FAO hat seit langer Zeit die Haltung von Federvieh als einen Weg zur Entwicklung der Landwirtschaft propagiert, weil die Hühner schnell wachsen, leicht zu halten sind und gut den Eiweißbedarf der Bevölkerung decken können.

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Impfstoffe vorhanden

Die Überwindung der Seuche wird jedoch nach Ansicht von Bernard Vallet von der internationalen Organisation für Tiergesundheit mindestens ein Jahr benötigen. Auch gut organisierte Industrieländer brauchten dafür in der Regel drei bis vier Monate. Weil die Krankheit grundsätzlich den Fachleuten seit langem bekannt ist, gibt es bereits Bestände an Impfstoffen für die Tiere. Diese müßten aber nun während der kommenden Monate in großen Mengen produziert und dann auch bezahlt werden.

Der Impfstoff für 1.000 Hühnern kostet dabei rund 50 Dollar. Für die Menschen wird erst noch an Impfstoffen gearbeitet. Vorerst empfehlen die Organisationen den Personen, die täglich mit dem Federvieh umgehen, besondere Vorsichtsmaßnahmen walten zu lassen. Damit sollen nicht nur die Personen mit Kontakt zu Federvieh geschützt, sondern auch eine Ausbreitung der Grippe auf den Menschen verhindert werden.

Quelle: tp., Frankfurter Allgemeine Zeitung
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