Trend seit Jahren

Ärzte verschreiben deutlich mehr Antidepressiva und Schmerzmittel

03.08.2021
, 04:24
Ärzte verschreiben immer mehr Pillen.
Um mehr als ein Drittel ist die Menge der in Deutschland verschriebenen Antidepressiva in zehn Jahren gestiegen. Bei Schmerzmitteln sah es ähnlich aus, auch bei den besonders starken Opioiden stieg der Verbrauch. Eine Politikerin nennt das ein Alarmsignal.

Seit dem Jahr 2010 ist die Zahl an verschriebenen Antidepressiva und Schmerzmitteln stark gestiegen. Das berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung unter Berufung auf eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Wurden 2010 noch 1,174 Milliarden sogenannte Tagesdosen Antidepressiva verordnet, so waren es 2019 bereits 1,609 Milliarden – das entspricht einem Plus von 435 Millionen Dosen oder 37 Prozent.

Das Ministerium berief sich auf den Arzneiverordnungs-Report 2020, aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Tagesdosen sind ein Begriff aus der Forschung und entsprechen nicht den Dosen, die Ärzte verschrieben.

Auch bei Schmerzmitteln aus der Gruppe der Opioide war dem Bericht zufolge ein deutliches Plus zu verzeichnen: Die verschriebenen Dosen stiegen von 387 Millionen Tagesdosen im Jahr 2010 um 13 Prozent auf 439 Millionen Dosen im Jahr 2019. Bei den übrigen Schmerzmitteln stiegen die Verschreibungen laut NOZ von 193 Millionen Tagesdosen um 36 Prozent auf 262 Millionen. Auch bei den Neuroleptika – Medikamenten mit beruhigender und antipsychotischer Wirkung – war ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen.

„Alarmsignal“

Die Linken-Sozialexpertin Sabine Zimmermann sagte der NOZ, es sei erfreulich, dass psychische Erkrankungen und chronische Schmerzen häufiger erkannt und behandelt würden. „Dennoch ist die stetige Zunahme der Verschreibungen auch ein Alarmsignal.“

Oftmals stünden Belastungen im Arbeitsleben hinter den Erkrankungen, deswegen sei deutlich mehr Prävention notwendig, warnte die Abgeordnete. „Das setzt bei den Arbeitsbedingungen und der Arbeitsorganisation an.“ Der Gesetzgeber wiederum müsse den Arbeitsschutz stärken.

Folgen der Pandemie

Die Krankenkasse DAK hatte Mitte Juli gewarnt, dass die Zahl von Menschen mit Depressionen und psychischen Erkrankungen während der Pandemie stark zugenommen habe. „Was uns als Folge aus den Lockdown-Zeiten noch bevorsteht, können wir heute nur schwer abschätzen,“ warnte DAK-Chef Andreas Storm. Strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit Depressionen würden so schnell wie möglich benötigt.

Quelle: bard./AFP
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