Corona-Epidemie in China

Jetzt verbreitet sich das Virus in den Gefängnissen

21.02.2020
, 21:24
Auf den Straßen von Peking: Menschen mit Gesichtsmasken
Während sich in China die Situation für Inhaftierte verschärft, kehren weitere deutsche Staatsbürger zurück. In anderen europäischen Staaten gibt es neue Fälle.
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In Kirchheim/Teck in Baden-Württemberg sind am Freitag 15 Personen aus China in einem Hotel zur Quarantäne untergebracht worden. Es handelt sich überwiegend um deutsche Staatsbürger, die in Deutschland keinen Wohnsitz mehr haben, weil sie seit vielen Jahren in China leben. Alle China-Rückkehrer wurden am Stuttgarter Flughafen untersucht. In China war bei ihnen keine Infektion mit dem Sars-Cov-2-Erreger festgestellt worden. In Kirchheim/Teck werden sie in einem separaten Hoteltrakt vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Sie mussten schriftlich versichern, dass sie sich über einen Zeitraum von 14 Tagen an die Vorschriften der deutschen Gesundheitsbehörden und die Quarantäne-Maßnahmen halten. Im Landesgesundheitsamt ist seit Ende Januar ein Laborkompetenzzentrum zur Untersuchung von Bluttests auf Coronaviren eingerichtet. Sollte es unter den Rückkehrern infizierte Personen geben, sollen sie in Fachkliniken behandelt werden.

In Norditalien liegt ein 38 Jahre alter Coronavirus-Patient in sehr ernstem Zustand im Krankenhaus, wie Behörden am Freitag mitteilten. Der Mann hatte sich wohl in Italien angesteckt, womöglich bei Treffen mit Bekannten, die aus China gekommen waren. Er wird im Hospital der Kleinstadt Codogno in der Provinz Lodi isoliert behandelt. Tests im Umfeld des 38-Jährigen ergaben, dass der Mann acht Personen mit Sars-CoV-2 angesteckt hat. Somit stieg die Zahl der bekannten Infektionen in der Lombardei auf 14. Zu den bis zum Abend getesteten Menschen in der Lombardei gehört auch die schwangere Frau des Schwerkranken, sowie fünf Angestellte des Krankenhauses, wo er stationiert ist.

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Nach den neuen Ansteckungen wurden 250 Menschen im Umfeld des 38-Jährigen unter Quarantäne gestellt, darunter 70 Klinikangestellte und 160 Kollegen des Mannes. Zudem wurden die Bürger in Codogno und in zwei weiteren Orten aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben. Der Bürgermeister der Kleinstadt ordnete die Schließung von Schulen, Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen an – zunächst bis vermutlich Sonntag.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte in Brüssel, dass Italien nach den Nachweisen eine neue Verordnung zur Isolation von Kontaktpersonen erlassen habe. Alle Personen mit Kontakt zu Infizierten müssen demnach obligatorisch in Quarantäne.

Rückkehrer aus der chinesischen Provinz Hubei kommen in einem zu einer Quarantänestation umgerüsteten Hotel an.
Rückkehrer aus der chinesischen Provinz Hubei kommen in einem zu einer Quarantänestation umgerüsteten Hotel an. Bild: dpa

In China hat sich das Coronavirus in mehreren Gefängnissen unter den Häftlingen ausgebreitet. Insgesamt seien in fünf Haftanstalten mehr als 500 Personen infiziert, sagte am Freitag der Leiter der nationalen Gefängnisverwaltung, He Ping. Offenbar waren die Fälle zuvor geheim gehalten worden, bis Freitag war keine einzige Infektion in einem Gefängnis gemeldet worden. Viele Funktionäre wurden entlassen, unter ihnen die Parteisekretäre der Justizbehörde und der Gefängnisverwaltung der Provinz Shandong sowie zwei Gefängnisdirektoren. Ein Ermittlungsteam unter Leitung der Kommission für politische und rechtliche Angelegenheiten der Kommunistischen Partei wurde nach Shandong entsandt, um die Umstände des Ausbruchs im Rencheng-Gefängnis zu untersuchen. Offenbar hatte ein Wärter das Virus eingeschleppt.

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200 Gefangene und sieben Gefängnismitarbeiter seien positiv auf das Sars-Cov-2-Virus getestet worden, teilten die Behörden mit. Im Frauengefängnis von Wuhan sind derweil 230 Insassinnen erkrankt. Sie seien in Einzelzellen gebracht worden und würden „so bald wie möglich“ in Krankenhäuser verlegt, sagte He Ping. Kein Häftling sei bisher an der Krankheit gestorben, keiner befinde sich in einem kritischen Zustand. Gegen mehrere Wärter werde wegen des Verdachts der Behinderung von Präventionsmaßnahmen ermittelt. Die Gefängnisbehörde entsandte 28 Inspektionsteams in die Provinzen, um die Präventionsmaßnahmen in verschiedenen Gefängnissen zu überprüfen.

Unterdessen gab es in China Verwirrung um die offiziellen Infektionszahlen. Nachdem die Provinz Hubei am Donnerstag die Definition für bestätigte Infektionen geändert hatte, hatten viele Städte ihre Zahlen nachträglich nach unten korrigiert. Die Gesundheitskommission von Hubei untersagte diese Praxis am Freitag mit der Begründung, dass dies „in der Bevölkerung Zweifel an den Daten geweckt“ habe.

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In Südkorea ist eine sektenartige Religionsgemeinschaft, deren Führer als Messias verehrt wird, Kern der sich schnell ausbreitenden Coronavirus-Infektionen. Am Freitag meldete die nationale Gesundheitsbehörde 100 neue Infektionsfälle und eine Gesamtzahl von 204. In den vergangenen drei Tagen hat sich die Zahl damit mehr als versechsfacht. Es gab auch einen zweiten Todesfall. Mehr als die Hälfte aller Infektionsfälle wird mit der Shinchonji-Kirche des Südkoreaners Lee Man-hee in Verbindung gebracht. Shinchonji heißt übersetzt „neuer Himmel und neue Erde“. Die Sekte nennt sich auch „der Tempel des Zelts des Zeugnisses“. Der auch in Deutschland aktiven Gemeinschaft wird vorgeworfen, Mitglieder unter Zwang zu rekrutieren. Der Gründer der Gruppierung, Lee, beschrieb das Virus in einer Mitteilung an seine Gläubigen als Werk des Teufels, um die Ausbreitung von Shinchonji zu verhindern.

Japan beendete am Freitag nach 14 Tagen Quarantäne die Ausschiffung von mehr als 1100 Passagieren vom Kreuzfahrtschiff Diamond Princess in Yokohama, die negativ auf das Virus getestet wurden. Mehr als 100 Passagiere, die in engem Kontakt mit Infizierten standen, müssen noch eine verlängerte Quarantänezeit in staatlichen Einrichtungen an Land verbringen. Sechs Passagiere aus Deutschland fliegen mit anderen Europäern in einem italienischen Flugzeug nach Berlin. Das Flugzeug soll im militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel landen.

In Iran stieg die Zahl der Infizierten auf 18. In vier Fällen starben die Patienten an der Krankheit, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag mitteilte. Die ersten Infektionen waren am Mittwoch aus Ghom gemeldet worden. Zur möglichen Infektionsquelle machte der Ministeriumssprecher keine Angaben. Zumindest die ersten beiden Todesopfer, zwei ältere Personen, hatten das Land nicht verlassen. Sie hätten auch keinen Kontakt zu chinesischen Touristen gehabt. Wegen der Todesfälle untersagte das Gesundheitsministerium im benachbarten Irak den Reiseverkehr zwischen den Ländern.

Quelle: rso./boe./pwe./dpa
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