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Virtueller Treffpunkt

Im Videochat geht die Welt der sozialen Kontakte weiter

Von Jacqueline Sternheimer
Aktualisiert am 25.03.2020
 - 14:54
Ines Försterling trifft sich im Videochat mit Komilitoninnen, um gemeinsam zu lernen. Ein bisschen Spaß muss sein, wie ihre Hintergrundbilder zeigen.zur Bildergalerie
„Skype“, „Zoom“, oder „Whatsapp“ – all diese Videochat-Programme helfen Menschen zur Zeit, sich trotz Kontaktsperre zu sehen. Wie fühlt sich die Umstellung an?

Es sind ungewöhnliche Zeiten, in denen gewöhnliche Dinge, wie der Besuch bei der Psychologin, der Gang in die Uni oder der Freitagabend mit Freunden, gestrichen sind, weil jeder angehalten ist, seine sozialen Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. So soll die Verbreitung des Coronavirus verlangsamt werden. Videochats bekommen dadurch eine ganz neue Bedeutung. Drei Personen berichten, wie sich das virtuelle Treffen für sie anfühlt, welche Programme sie nutzen und ob es für sie eine echte Alternative darstellt.

Die etwas andere Therapiestunde

In der Psychotherapie kommt es nicht nur auf die Gespräche und die Stimmlagen der Patienten an. Besonders Mimik und Gestik sind oft wichtig, um Diagnosen für Krankheitsbefunde stellen zu können. Viele Psychologen und Psychiater führen jetzt, wo jeder zuhause bleiben soll, Therapien im Videochat mit ihren Patienten fort. Sandra Jankowski ist Psychologin in Zeuthen und Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Die erste Videosprechstunde für ihre Patienten hat sie bereits 2014 angeboten – damals für Beratung und Coaching oder für den Fall, dass ein Patient im Urlaub war. Diese langjährige Praxis kommt ihr in der aktuellen Lage zu Gute. „Durch meine Erfahrung kann ich Patienten ihre Unsicherheiten nehmen, weil ich in dem Umgang mit Videositzungen schon sicher bin.“

Anfangs, also vor sechs Jahren, hat sie für Sitzungen das Videochatprogramm Skype genutzt. Das kannten ihre Patienten bereits aus den privaten Chats mit Freunden. Hier gab es jedoch ein Problem: Psychologen unterliegen der Schweigepflicht und sind somit besonders verantwortlich für den Datenschutz bei Onlineprogrammen. Skype erfüllt diese Richtlinien nicht hinreichend, die Option „Skype Business“ kam erst später hinzu. Dieses für berufliche Videokonferenzen ausgelegte Programm bot den Therapeuten mehr Sicherheit, ist aber auch kostenpflichtig.

Heute nutzt die Psychologin „Zoom“ und „Sprechstunde Online“. Beides wird von ihrem Praxisverwaltungsprogramm unterstützt und ist bereits im System eingebunden. Durch das Einbinden solcher Videochatplattformen reagieren die Verwaltungsprogramme auf die wachsende Nachfrage in Zeiten der Corona-Krise. Jankowski kann solch ein Meeting direkt aus dem bereits vorhandenen Programm mit den Patienten starten. Der Vorbereitungsaufwand ist für Patienten und Therapeuten gering und die Umsetzung funktioniert gut, sagt sie.

Bislang nehmen weniger Patienten das Angebot der Videosprechstunde in Anspruch, als erwartet. „Es bestehen bei vielen doch noch Unsicherheiten, ob sie sich dabei wohlfühlen“, sagt Jankowski. Diejenigen, die das Angebot annehmen, geben ihr jedoch durchweg positives Feedback über die neuartige Behandlungsform via Videochat. Eine Studie der Universität Leipzig bestätigt diese Erfahrung: Demnach fiel die Therapie bei den per Videochat geführten Gesprächen mit Menschen, die an einer Depression leiden, sogar wirksamer aus, als bei jenen Patienten, die den Therapeuten persönlich gegenüber saßen.

Vorlesung vor Strandkulisse

Normalerweise hätte Ines Försterling, Studentin der Wiener Universität für Angewandte Kunst am Freitag in die Uni gemusst. In Österreich gelten schon seit einer Woche strenge Ausgangsbeschränkungen, alle Universitäten sind somit ebenfalls geschlossen. Doch der Unterricht geht weiter. Seit letztem Montag finden alle Seminare und Vorlesungen für Ines und ihre Kommilitonen per Videochat statt. Wie viele andere Hochschulen – vor allem in Amerika – nutzt auch ihre Uni das Programm „Zoom“ und besitzt Lizenzen hierfür. Ines hat eine Email der Hochschule erhalten, in der der Video-Unterricht genauestens erklärt wird. Aus dem Hinweis der Mail, dass das Programm aus Amerika stammt, wo andere Datenrichtlinien herrschen als in Österreich, schließt die Studentin eine leichte Skepsis. „Es klang fast, als müssten wir jetzt etwas in Kauf nehmen, in diesen Zeiten“, sagt sie.

Der Vorgang, um in den Chat zu gelangen, ist einfach: Man meldet sich auf der Seite des Programms an, anschließend erhält man einen Link zum Vorlesungs- oder Seminarchat per Email, dann kann es los gehen. Von technischer Seite gab es auch in größeren Vorlesungen bis jetzt keine Probleme, berichtet Ines. Das Layout findet die Kunststudentin angenehm, da man selbst auswählen kann, ob jeder Chatteilnehmer in kleinen Kästchen zu sehen ist, oder wie in größeren Vorlesungen üblich, eine Person groß gezeigt wird. Folien mit Unterrichtsmaterial können in einem extra Fenster für alle gleich sichtbar angezeigt werden.

Eine Umstellung war es trotzdem, wie Försterling am vergangenen Donnerstag erfahren musste. Da nahm sie zum ersten mal per Videochat an der Vorlesung „Contemporary Art“ teil, bemerkte jedoch schnell enttäuscht, dass sie sich trotz Anstrengung nicht gut konzentrieren konnte. „Irgendwie hat mich die Situation überfordert“, beschreibt Försterling ihre Reaktion, als die sachlichen Informationen auf dem Bildschirm auf sie einprasselten. Auch Mitstudenten schien die Umstellung anfangs schwerer zu fallen. „Man hat so eine allgemeine Unsicherheit bei allen über diese neue Form des Unterrichts wahrgenommen“, sagt Försterling. Schnell ist dieses Stimmungsbild jedoch gewichen und es hat sich leichter angefühlt, sagt die Studentin. „Die Komik entsteht unfreiwillig schon, wenn man plötzlich alle in ihren Zimmern sitzen sieht.“

Auch so manches Werkzeug des Chatsprogramms hilft, den Unterricht aufzulockern. Als einer der Studenten in einem Seminar anfing, sich einen neuen Hintergrund einzubauen, hat sich schnell auch der Professor – zumindest virtuell – an einem Strand befunden, während ein anderer sich in eine Kunstgalerie „gebeamt“ hatte.

Ein Abend unter Freunden

Nicht nur Arbeit und Uni lassen sich dank Internet weiter aufrechterhalten, selbst Parties werden hier virtuell gefeiert. Freitagabend trifft Julian Häuser, der anders heißt und anonym bleiben möchte, gerne seine Freunde und geht aus. An diesem Freitag hat sich der 23 Jahre alte Student online mit ein paar alten Freunden aus der Heimat getroffen. Sie wohnen am Niederrhein, er in Wiesbaden. Vom Kontaktverbot war zwar erst Sonntagabend die Rede, aber ausgehen durfte man auch vorher nicht. Eine wirkliche Party möchte Julian das virtuelle Treffen mit seinen Kumpels zwar nicht nennen, aber der Plan war, sich einen netten Abend mit ein paar gemeinsamen Drinks zu machen.

Die Idee für das Experiment kam Mitte der Woche in der gemeinsamen Whatsappgruppe auf und war anfangs eher ein Scherz. „Weil die Maßnahmen dann aber so schnell immer drastischer wurden, haben wir es wirklich in die Tat umgesetzt.“ Um 19.00 Uhr am Freitag fanden sich acht Freunde zusammen, „getroffen“ haben sie sich in einem Gruppenchat bei Sykpe. „Skype finde ich für so etwas super, weil man gerade auf dem großen Computerbildschirm alle gut im Blick hat“, sagt Häuser. Tonprobleme habe es zwar auch gegeben und manchmal luden die Bilder nur langsam, der Stimmung tat es jedoch keinen Abbruch.

Für Häuser kam der Abend durchaus nahe an das heran, was die Freunde miteinander erleben, wenn sie sich im realen Leben treffen. „Das liegt aber auch daran, dass wir uns schon so lange kennen“, sagt er. Die Gespräche drehten sich um die gleichen Themen, seien nur etwas weniger intensiv, weil doch immer mal bei jemanden das Bild hängt oder der Ton hakt. „Zusammen Musik hören, wie es sich bei einer Party gehört, ist nicht drin, weil man sich sonst gar nicht mehr versteht“. Dafür funktionierte auch hier „Picolo“, eine Trinkspielapp, die die Clique auch nutzt, wenn sie sich im echten Leben gegenüber sitzt. Ein gemeinsamer Abend mit Freunden funktioniert also auch, ohne dabei das Haus zu verlassen.

Quelle: FAZ.NET
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