Coronavirus weltweit

Impfauffrischung für alle Briten ab 50 Jahren

14.09.2021
, 15:01
National Covid Memorial Wall in London: Das Denkmal wurde von Freiwilligen gestaltet, um den Opfern der Pandemie zu gedenken.
In Großbritannien können alle, die älter als fünfzig Jahre sind, ihre Coronaimpfung auffrischen lassen. In Canberra dauert der Lockdown einen Monat länger als geplant. In zahlreichen anderen Ländern wird über eine Impfpflicht diskutiert.

In Großbritannien können über 50-Jährige sowie Heimbewohner und Pflegekräfte eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Wie die Regierung am Dienstag mitteilte, gilt die Regelung auch für klinisch extrem gefährdete Menschen sowie für Risikopatienten zwischen 16 und 65 Jahren. Insgesamt kommen damit mehr als 30 Millionen Menschen für eine sogenannte Booster-Impfung in Frage.

Ihnen soll frühestens sechs Monate nach vollendetem ersten Impfdurchlauf das Mittel der Konzerne Biontech und Pfizer gespritzt werden, das Studien zufolge gut als Auffrischung wirken und sehr verträglich sein soll. Alternativ sei auch der Impfstoff von Moderna möglich. Der britischen Zeitung The Guardian zufolge soll das Joint Committee on Vaccination and Immunisation, das die britischen Behörden zu Impfstoffen berät, die Auffrischungsimpfungen unabhängig vom Impfstoff der Erstimpfung empfehlen. Verabreicht werden soll die Spritze zusammen mit der normalen Grippeimpfung. Ob auch gesunde Menschen unter 50 die Auffrischungsimpfung erhalten, soll entschieden werden, wenn mehr Daten vorliegen.

Bereits am Montag hatten sich die obersten medizinischen Regierungsberater der vier Landesteile dafür ausgesprochen, auch Zwölf- bis 15-Jährige gegen das Coronavirus zu impfen. Die Teenager sollen ebenfalls Biontech/Pfizer erhalten. Damit könnten sich insgesamt etwa drei Millionen Jugendliche impfen lassen. Premierminister Boris Johnson hatte deutlich gemacht, dass er der Empfehlung der Mediziner folgen werde.

Vermutlich werden die Impfdosen in der Schule oder mit Vermittlung der Schulen verabreicht. Zunächst wird den Teenagern nur je eine Dosis gespritzt. Ob sie wie Erwachsene eine zweite Dosis erhalten, soll noch geprüft werden. Dafür seien mehr internationale Daten nötig. Eine Entscheidung wird nicht vor Frühling erwartet.

Canberra bleibt im Lockdown

Indes bleibt die Region Australian Capital Territory mit der australischen Hauptstadt Canberra einen weiteren Monat im Lockdown. Diese Entscheidung traf die Regionalregierung am Dienstag, nachdem die Behörden in dem Territorium 22 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet hatten.

Canberra ist vom Bundesstaat New South Wales umschlossen, der von der derzeitigen Welle besonders schwer betroffen und seit einem guten Monat im Lockdown ist. Mitte August wurde im ACT erstmals seit einem Jahr wieder ein Corona-Fall bestätigt.

Die Regionalregierung teilte weiter mit, dass bislang etwa 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft seien. Im Australian Capital Territory leben rund 430.000 Menschen. Die Beschränkungen sollen erst dann gelockert werden, wenn mindestens 70 Prozent der Bürger zwei Impfdosen erhalten haben, hieß es.

Auch die Bundesstaaten New South Wales mit der Metropole Sydney und Victoria mit der Millionenstadt Melbourne sind weiter im Lockdown. Australien mit seinen 25 Millionen Einwohnern hat seit Beginn der Corona-Krise eine Null-Covid-Strategie verfolgt und war wegen extrem strikter Regeln lange erfolgreich im Kampf gegen die Pandemie. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante häufen sich aber die Lockdowns.

Generelle Impfpflicht in Turkmenistan und Vatikan

Derweil diskutieren weltweit zahlreiche Länder über die Einführung einer Impfpflicht. Oftmals – wie etwa in Deutschland – werden dabei aber nur bestimmte Berufsgruppen wie Pflegekräfte oder Schulpersonal in den Blick genommen. Einige Länder haben die Pflicht in der einen oder anderen Form schon eingeführt.

Eine Impfpflicht für die gesamte erwachsene Bevölkerung eines Landes ist selten. Das weitgehend isolierte Turkmenistan zählt zu den wenigen Ländern weltweit, die offiziell noch keinen einzigen Corona-Fall gemeldet haben. Dennoch gilt in dem zentralasiatischen Land eine Corona-Impfpflicht für alle Bewohner ab 18 Jahren „ohne medizinische Kontraindikation“.

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Im kleinsten Land der Welt, dem Vatikan, wurde bereits am 8. Februar eine Impfpflicht für alle Bewohner und dort beschäftigten Angestellten eingeführt. Die Strafen bei einem Verstoß reichen theoretisch bis hin zur Entlassung.

In einigen Ländern gibt es zwar formal keine allgemeine Impfpflicht, aber die Einschränkungen für Nichtgeimpfte sind so massiv, dass sie einer Verpflichtung sehr nahe kommen. In Saudi-Arabien haben nur noch Geimpfte Zutritt zu staatlichen und privaten Einrichtungen, darunter auch Bildungs- und Unterhaltungsstätten und öffentliche Verkehrsmittel. In Pakistan ist in der Provinz Belutschistan seit dem 1. Juli allen Nicht-Geimpften der Zutritt zu Ämtern, Einkaufszentren und Parks verboten, öffentliche Verkehrsmittel dürfen sie auch nicht nutzen.

Impfpflicht für bestimmte Gruppen in mehreren Ländern

Einige Länder und Gebiete haben dagegen eine Corona-Impfpflicht nur für bestimmte Bevölkerungs- oder Berufsgruppen erlassen. In den USA verkündete Präsident Joe Biden am vergangenen Donnerstag eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Bundesbehörden sowie für Mitarbeiter von Auftragnehmern der Regierung. Auch Mitarbeiter von staatlich geförderten Pflegeheimen und in von der Bundesregierung kontrollierten Schulen kommen um das Impfen nicht mehr herum. In Kanada ist eine Impfpflicht für die 300.000 Bundesbeamten sowie für alle Zug-, Flug- und Schiffsreisenden geplant.

In Frankreich gilt ab Mittwoch eine Corona-Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen, Pflegediensten sowie für Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Feuerwehr. In Griechenland wurde die Corona-Impfung Mitte August Pflicht für das Personal von Altenheimen, für den Gesundheitsbereich trat sie am 1. September in Kraft. In Italien sind Ärzte und anderes medizinisches Personal seit dem 25. Mai zur Immunisierung verpflichtet. Anderenfalls droht ihnen ein Verbot, mit Patienten zu arbeiten. Am 10. Oktober wird die Regelung auf die Mitarbeiter von Altenheimen ausgeweitet. Die britische Regierung beschloss eine Impfpflicht für das Personal von Seniorenheimen ab dem 11. November. Außerdem wurde eine Debatte über die Ausweitung der Impfpflicht auf den gesamten Gesundheitsbereich eingeleitet. Ihre Entlassung riskieren auch alle Berufssoldaten in Lettland, die nicht vollständig gegen Corona geimpft sind. Für Ungarn kündigte Regierungschef Viktor Orbán Mitte Juli eine Impfpflicht für Pflegepersonal an.

Auch Unternehmen machen Impfung zur Pflicht

Im zentralasiatischen Kasachstan muss sich der Großteil der Arbeitnehmer impfen lassen, die beruflich mit anderen Menschen in Kontakt kommen.

In Simbabwe wurde am vergangenen Mittwoch verkündet, dass ungeimpfte Beamte ihren Hut nehmen müssen. Im westafrikanischen Gambia gilt eine Impfpflicht für Mitarbeiter der Tourismusbranche. Im zentralafrikanischen Äquatorialguinea müssen sich Soldaten, Beschäftigte im Gesundheitsbereich und Lehrer impfen lassen.

Auch die Zahl der Unternehmen, die eine Impfpflicht für ihre Belegschaft oder Teile davon verhängen, wächst. Das gilt insbesondere für die USA, wo große Unternehmen wie die Drogerie-Kette CVS, Chevron, Disney oder Goldman Sachs die Corona-Impfung zur Pflicht gemacht haben. Auch die australische Fluggesellschaft Qantas schreibt all ihren Mitarbeitern die Impfung vor.

El Salvador impft Kinder ab sechs Jahren

Derweil hat das das kleine mittelamerikanische Land El Salvador mit Corona-Impfungen bei Kindern ab sechs Jahren begonnen. „Denken Sie daran, dass die Impfung freiwillig, allgemein erhältlich und kostenlos ist“, schrieb Staatspräsident Nayib Bukele bei Twitter. Rund die Hälfte der Bevölkerung in El Salvador hat bereits zwei Impfdosen erhalten.

Nayib gab nicht an, um welches Vakzin es sich handelt. El Salvador hat Impfdosen beim chinesischen Hersteller Sinovac bestellt, der eine Verwendung des Mittels für Kinder ab drei Jahren freigegeben hat. Trotz der fortschreitenden Impfkampagne hatte das Land mit 6,6 Millionen Einwohnern zuletzt einen leichten Anstieg der Corona-Fallzahlen registriert. Seit September wurden in El Salvador täglich mehr als 300 Neuansteckungen gemeldet, ein Höchststand seit Jahresbeginn.

Chile hatte in der vergangenen Woche ebenfalls eine Impfung bei Kindern ab sechs Jahren angekündigt, Kuba impft sogar alle Bürger ab zwei Jahren mit einem eigenen Vakzin.

Quelle: dpa/AFP/asch.
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