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Kampf gegen Coronavirus

China wirft Amerika Angstmache vor

Von Friederike Böge, Peking
Aktualisiert am 03.02.2020
 - 13:27
Sicherheitsbeamte tragen in einem Einkaufsviertel in Peking bei ihrer Arbeit Atemschutzmasken.
In Peking wächst die Sorge vor den wirtschaftlichen und politischen Folgen der Gesundheitskrise. Die Regierung fürchtet, dass Washington das ausnutzen könnte.

China hat den Vereinigten Staaten vorgeworfen, im Umgang mit dem neuartigen Coronavirus Ängste geschürt und überreagiert zu haben. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking nannte Washington am Montag „ein schlechtes Vorbild“. Das bezog sich auf die Tatsache, dass die amerikanische Regierung als Erste einen Einreisestopp für Reisende aus China verhängt und als Erste ein Flugzeug in die abgeriegelte Stadt Wuhan entsandt hatte, um eigene Staatsbürger auszufliegen. Zudem hatten die Vereinigten Staaten zuerst eine Reduzierung ihres Botschaftspersonals in Peking ins Gespräch gebracht.

Mit diesen Maßnahmen hatte Washington womöglich andere Regierungen unter Zugzwang gesetzt oder ihnen zumindest den Weg bereitet. Ohne das amerikanische Vorpreschen hätten andere Länder möglicherweise aus Rücksicht auf Pekinger Befindlichkeiten zurückhaltender agiert.

Das Vorgehen der Vereinigten Staaten stehe im Widerspruch zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, kritisierte die Sprecherin Hua Chunying in einer Pressekonferenz, die wegen des Coronavirus online statt im Ministerium abgehalten wurde. „Alles, was (Amerika) getan hat, konnte nur Ängste wecken und verbreiten.“ Der WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus hatte sich explizit gegen Reisebeschränkungen ausgesprochen. Diese könnten „mehr Schaden als Nutzen bringen, indem sie das Teilen von Informationen behindern, medizinische Lieferketten unterbrechen und Volkswirtschaften Schaden zufügen“, sagte Tedros.

Washington hat dagegen vergangene Woche eine Reisewarnung für ganz China ausgesprochen und einen Einreisestopp gegen all jene Personen verhängt, die in den vergangenen zwei Wochen in dem Land gewesen sind. Präsident Donald Trump prahlte am Sonntag damit, dass seine Regierung das Virus so bereits „ausgeschaltet“ habe. China nannte die Maßnahmen „wirklich gemein“.

Die Regierung in Peking argwöhnt, dass andere Länder die Krise nutzen könnten, um sich im Wettbewerb mit China Vorteile zu verschaffen. Der amerikanischen Handelsminister Wilbur Ross nährte diese Befürchtungen vergangene Woche, als er in einem Fernsehinterview sagte, der Ausbruch des Coronavirus könne „die Rückkehr von Arbeitsplätzen nach Nordamerika beschleunigen“. Die Epidemie sei ein Faktor, den Unternehmen bei der Planung ihrer Lieferketten in Betracht ziehen würden. Ein Sprecher des Handelsministeriums ging später noch einen Schritt weiter und sagte, es habe Auswirkungen auf das Geschäftsklima, wenn ein Land „eine lange Geschichte der Vertuschung von realen Risiken hat“.

Pekings Kritik richtet sich aber nicht allein gegen Amerika. „Manche Länder“ hätten unangemessen gehandelt, sagte die Sprecherin des Außenministeriums am Montag. Ob damit auch Deutschland gemeint war, das ebenfalls Staatsbürger aus Wuhan ausgeflogen hat, blieb unklar. Bekannt ist aber, dass die chinesische Regierung irritiert darauf reagiert hat, dass die Lufthansa zu den ersten Gesellschaften gehörte, die die Einstellung des Flugverkehrs nach China angekündigt hatten.

China fürchtet, dass die Reisebeschränkungen die wirtschaftlichen Kosten der Gesundheitskrise in die Höhe treiben könnten. Zudem sieht es in den Rückholaktionen von Staatsbürgern aus Wuhan einen Gesichtsverlust. Sie, so fürchtet Peking, könnten international und gegenüber der eigenen Bevölkerung den Eindruck erwecken, dass die betreffenden Länder dem chinesischen Krisenmanagement misstrauen.

Umso mehr hebt man in Peking hervor, dass viele Länder die chinesischen Anstrengungen zur Eindämmung der Epidemie gelobt hätten. Das ist durchaus der Fall, gilt aber insbesondere für die Weltgesundheitsorganisation. Seitens der eigenen Bevölkerung steht die chinesische Regierung weiter in der Kritik, weil die Behörden die Krise in den ersten Wochen nach Bekanntwerden der ersten Infektionsfälle heruntergespielt hatten. Sie bemüht sich darum, den Fokus der Debatte auf das inzwischen entschiedene Vorgehen der Behörden gegen die Epidemie zu lenken.

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Wuhan
Krankenhaus für Corona-Patienten nach acht Tagen fertig

Am Montag fiel das nicht schwer: In Wuhan wurde nach nur zehn Tagen Bauzeit ein neues Behelfskrankenhaus mit 1000 Betten eröffnet. Das medizinische Personal für die neue Einrichtung stellt das Militär. Auf Anordnung von Staats- und Parteichef Xi Jinping hätten dort 1400 Ärzte und Pfleger ihren Dienst angetreten, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. In den vergangenen Tagen, in denen es keine Erfolgsmeldungen zu verkünden gab, hatte sich der „Führer des Volkes“, wie Xi Jinping nun offiziell genannt wird, eher im Hintergrund gehalten.

Nicht zuletzt warf die Sprecherin des Außenministeriums Amerika am Montag vor, „keine substantielle Unterstützung geleistet“ zu haben. In Washington hieß es dazu, China habe Hilfsangebote bisher nicht angenommen.

Quelle: FAZ.NET
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für Ostasien.
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