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Sorge vor Epidemie

Coronavirus-Krisenstab sucht 300 Karnevalsbesucher

Aktualisiert am 26.02.2020
 - 23:47
Ein Mitarbeiter des Universitätsklinikums in Düsseldorf auf der Infektionsstation.
In Deutschland spitzt sich die Lage rund um das Coronavirus zu. Während Gesundheitsminister Spahn eine Warnung ausspricht, starten die Behörden in NRW eine riesige Suchaktion, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Der Coronavirus-Krisenstab in Nordrhein-Westfalen hat alle Besucher einer Karnevalsveranstaltung gebeten, sich zu melden. Sie sollen in Quarantäne bleiben, wie der Kreis Heinsberg am Mittwochabend mitteilte. Der Grund: An der Karnevalssitzung soll auch ein Ehepaar teilgenommen haben, bei dem das neuartige Coronavirus nachgewiesen wurde. Es handelte sich um die ersten beiden bestätigten Fälle in NRW. Das Paar wird seit der Nacht zu Mittwoch in der Uniklinik Düsseldorf behandelt.

Der Kreis Heinsberg geht davon aus, dass an der Karnevalssitzung in einem Saal am 15. Februar etwa 300 Besucher teilgenommen haben. Diese sowie deren Partner und gegebenenfalls Kinder und andere Mitbewohner müssten für 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbleiben, hieß es. Die Besucher der Kappensitzung würden gebeten, sich umgehend zu melden. Es werde dringend darum gebeten, nicht die Notrufnummern zu blockieren oder selbstständig Arztpraxen oder Krankenhäuser aufzusuchen. Die Schulen im Kreis sollen bis Montag geschlossen bleiben.

Die erkrankte Frau arbeitet in einem Kindergarten. Die Kinder aus der Einrichtung und deren Eltern seien angewiesen worden, zu Hause zu bleiben. Das Paar hat zudem zwei schulpflichtige Kinder. Die beiden hätten derzeit allerdings keine Symptome und würden von der Großmutter versorgt. Ihre Testergebnisse sollen noch am Donnerstag vorliegen. Das Paar habe zudem zwei Arztpraxen aufgesucht, der Mann sei vergangene Woche in der Kölner Universitätsklinik gewesen.

Sämtliche Patienten sowie das Personal der Einrichtungen mit Kontakt zu den Infizierten befänden sich ebenfalls in häuslicher Quarantäne, sagte Laumann. Darüber hinaus unternahmen die beiden demnach jüngst einen Kurzurlaub in die Niederlande, weshalb auch etwa ihr dortiges Hotel kontaktiert wurde. Noch ist den Angaben zufolge völlig unklar, wo die beiden sich ansteckten. Im Zuge der Überprüfung von Kontaktpersonen haben sich zwei weitere Erkrankungen herausgestellt. Das teilte der Kreis Heinsberg am Mittwochabend mit.

Unterdessen sieht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Deutschland „am Beginn einer Coronavirus-Epidemie“. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten“, sagte Spahn am Mittwoch in Berlin. „Die Lage hat sich leider in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen“, fügte der Minister hinzu. Die Infektionsketten seien teilweise nicht nachzuvollziehen. Es sei daher fraglich, ob die bisherige Strategie weiterhin aufgehe, erklärte Spahn. Angesichts der Ausbreitung des Virus in Deutschland bildet die Bundesregierung einen Krisenstab.

Wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Erkrankung ist am Mittwoch zudem ein Regionalzug von Frankfurt nach Saarbrücken mit 70 Reisenden gestoppt worden. Ein Fahrgast habe an sich selbst Symptome festgestellt und sich beim Zugpersonal gemeldet, teilte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums mit. Daraufhin stoppten Bundespolizisten den Zug im Bahnhof Idar-Oberstein im südlichen Hunsrück. Nach einer Untersuchung durch die Leiterin des Gesundheitsamtes im Kreis Birkenfeld wurde der Fahrgast mit den Symptomen zur weiteren Klärung in ein Krankenhaus der Region gebracht, wie die Sprecherin des Ministeriums mitteilte. Von den Mitreisenden wurden Personalien und Kontaktdaten aufgenommen, „um sie gegebenenfalls benachrichtigen zu können“. Danach wurde der Zug wieder freigegeben, die Reisenden konnten ihre Fahrt fortsetzen.

In Baden-Württemberg hat sich derweil ein weiterer Mann mit dem Coronavirus infiziert. Der 32-Jährige aus dem Landkreis Rottweil sei aus dem Risikogebiet in Italien eingereist und habe keine Verbindungen zu den bislang gemeldeten drei Patienten im Südwesten, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Stuttgart mit.

Zudem ist ein Bundeswehrsoldat aus Rheinland-Pfalz mit dem Virus infiziert. Er wird im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz behandelt und hatte angegeben, außerhalb des Dienstes in Kontakt mit dem Mann aus NRW gewesen zu sein. Zudem sperrte die Bundeswehr am Mittwoch den Zugang zum militärischen Teil des Flughafens Köln/Bonn. Wie ein Sprecher der Luftwaffe der F.A.Z. mitteilte, wurde die Sperrung des Stützpunkts der Flugbereitschaft zwischenzeitlich wieder aufgehoben.

Als erster Patient war am Montag ein Mann mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz bei Aachen aufgenommen worden. Er wurde dort auf der Intensivstation isoliert und in der Nacht zu Mittwoch ins Uniklinikum Düsseldorf gebracht. Er befinde sich in einem kritischen Zustand, wie das NRW-Gesundheitsministerium und der Kreis am späten Dienstagabend mitgeteilt hatten. Demnach leidet er an einer Vorerkrankung, er soll Mitte 40 sein.

„Das Virus ist uns deutlich nähergerückt“

Mit der Ausbreitung des Coronavirus in Italien und den neuen Fällen in Deutschland ist nach Einschätzung der Bundesregierung eine „neue Situation“ entstanden. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. „Das Virus ist uns damit deutlich nähergerückt“, sagte Seibert. Bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und zu behandeln und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Eine Expertengruppe mehrerer Bundesministerien wollte dazu am Mittwoch abermals im Kanzleramt zusammenkommen, wie Seibert mitteilte. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort werde geprüft, welche Maßnahmen nötig seien, um die Viruszirkulation einzudämmen.

So würden etwa Risikogruppen identifiziert, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Das Robert Koch-Institut (RKI) werde fortan alle zwei Tage die Öffentlichkeit per Pressebriefing unterrichten. Die in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg wegen der dortigen Fälle eingerichteten Krisenstäbe würden vom Gesundheitsressort und dem RKI unterstützt. Auf die Frage, ob die Gesundheitsämter personell besser ausgestattet werden sollten, sagte die Sprecherin, deren Ausstattung sei Sache der Länder und Kommunen. Mit den Ländern stehen man aber in konstantem Kontakt.

Anzeige wegen Verbreitung von Fake News

Nach der Verbreitung falscher Onlinenachrichten über einen angeblichen Coronavirusfall in Kaiserslautern hat die Polizei zwei Verdächtige ermittelt. Auf die zwei Männer im Alter von 27 und 28 Jahren komme ein Strafverfahren wegen Vortäuschens einer allgemeinen Gefahr sowie eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen Belästigung der Allgemeinheit zu, teilten die Beamten in der rheinland-pfälzischen Stadt am Mittwoch mit.

Der 27 Jahre alte Täter hatte den Ermittlern zufolge am Montag „aus Spaß“ und Imponiergehabe gegenüber seiner Freundin eine Fakeseite des Nachrichtenportals „tagesschau.de“ erstellt, auf der in einem frei erfundenen Artikel über eine Coronavirusinfektion in Kaiserslautern berichtet wurde. Demnach sollte der Fall durch Warenlieferungen aus China bei einer örtlichen Firma aufgetreten sein.

Sein 28 Jahre alter Bekannter fotografierte den Artikel am Dienstag ab und verschickte das Bild demnach mehrfach über sozialen Medien weiter. Dort verbreitete es sich und sorgte für erhebliche Verunsicherung. Der Chef der angeblich betroffenen Firma erstattete laut Polizei am Dienstag Anzeige. Ihm zufolge gab es Auswirkungen auf den Betrieb. Kunden und Zulieferer seien verunsichert, und Mitarbeiter würden das Unternehmensgelände meiden.

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Nach Corona-Fällen
Infektionsketten in NRW „unterbrechen“

Nach Angaben der Beamten meldete sich der 27 Jahre alte Täter noch während der Kontaktaufnahme zwischen Firmenchef und Polizei bei dem Unternehmen und bat reumütig um ein Gespräch. Wenig später räumte er die Tat auch gegenüber den hinzugezogenen Polizisten ein. Er und sein Freund seien „schockiert“ über die schnelle Verbreitung der Falschmeldung im Netz und die Folgen gewesen.

Die Verbreitung von Falschnachrichten über das Virus ist seit Beginn der Epidemie weltweit ein riesiges zusätzliches Problem. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach ihrerseits bereits von einer „Infodemie“.

Quelle: sreu./jant./lohe./AFP/dpa/Reuters
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