Auf dem Weg nach China

Evakuierungsflugzeug der Luftwaffe ist gestartet

31.01.2020
, 12:04
Eine Maschine der Bundeswehr auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Wahn
Die Evakuierungsaktion ist angelaufen: Eine Maschine der Bundeswehr soll Deutsche aus der Provinz Hubei ausfliegen. Das Frankfurter Gesundheitsamt bereitet sich auf die Ankunft von mehr als 100 Passagieren vor.
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Das Flugzeug, das Deutsche aus der vom Coronavirus am stärksten betroffenen chinesischen Provinz Hubei ausfliegen soll, ist am Freitag in Köln gestartet. Die Maschine der Bundeswehr hob gegen 12 Uhr vom Flughafen Köln-Wahn ab und soll am Samstag wieder in Deutschland ankommen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen mit dem Flug rund 130 Menschen zurückgeholt werden – darunter rund 90 deutsche Staatsbürger und etwa 40 Angehörige mit anderer Staatsangehörigkeit, die sich angemeldet haben.

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Es gebe darunter niemanden, der infiziert sei, und auch keine Verdachtsfälle, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag in Berlin. Beim Hinflug sollen auf Bitten Chinas 10.000 Schutzanzüge mitgenommen werden, die vor Ort gebraucht würden, sagte Maas. Es habe auch Anfragen anderer Länder gegeben, ihre Bürger mit auszufliegen, es seien aber alle verfügbaren Plätze in der Bundeswehr-Maschine belegt. Die Teilnahme an dem Rückholflug ist freiwillig. Nach ihrer Ankunft in Deutschland sollen die Passagiere „für zwei Wochen in Quarantäne an einen Bundeswehrstandort“ gebracht werden. Dies sei eine Sicherheitsmaßnahme.

Nach Informationen der F.A.Z. sollen die Deutschen um 20 Uhr Ortszeit (13 Uhr mitteleuropäischer Zeit) am Flughafen von Wuhan eintreffen. Am Mittag waren sie auf dem Weg dorthin. Den Transport zum Flughafen mussten sie selbst organisieren. Wann das Flugzeug abhebt, wüssten sie noch nicht, teilte eine Studentin mit. Vor dem Flug sei eine Untersuchung der Passagiere geplant.

Frankfurter Gesundheitsamt bereitet sich vor

Das Frankfurter Gesundheitsamt bereitet sich auf mehr als 100 Passagiere vor. Am Frankfurter Flughafen werden sie zunächst in das medizinische Zentrum Medical Assessment Center gebracht, wie der Leiter der Behörde, René Gottschalk, dem Sender hr-Info. Dies diene dazu, „mögliche Kontaktpersonen zu erfassen“. Anschließend sollen die Passagiere in eine Quarantäne-Station gebracht werden, die sich im südpfälzischen Germersheim befindet.

Sollte doch einer der Passagiere Krankheitssymptome zeigen, werde er in die Uniklinik in Frankfurt gebracht, sagte Gottschalk. In der Quarantäne müssten die Passagiere seiner Einschätzung nach 12 bis 13 Tage bleiben, denn die maximale Inkubationszeit betrage 14 Tage – und die Zeit des Fluges könne bereits abgezogen werden.

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Zahl der Toten steigt

Die Infektionen und Todesfälle erlebten bis Freitag den größten Anstieg innerhalb eines Tages. Die Zahl der Patienten mit dem neuartigen Coronavirus kletterte um 1981 auf 9692, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg um 42 auf 213. Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV übertrifft mittlerweile die weltweiten Fälle bei der Sars-Pandemie vor 17 Jahren.

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Wegen der rasanten Ausbreitung der Lungenkrankheit rät das Auswärtige Amt von Reisen nach China ab. „Verschieben Sie nach Möglichkeit nicht notwendige Reisen nach China“, heißt es in neuen Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes. Vor einem Besuch in der schwer betroffenen Provinz Hubei wird ausdrücklich gewarnt. Noch deutlicher rief die amerikanische Regierung ihre Staatsbürger dazu auf, nicht mehr nach China zu reisen. Auch sollten Amerikaner in China die Ausreise erwägen. Viele Airlines wie auch die Lufthansa haben ihre Flüge nach China bereits ausgesetzt. Aus diesem Grund kündigte Peking eine Rückholaktion für im Ausland gestrandete Landsleute an, die aus Wuhan stammen.

WHO ruft internationale Notlage aus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief wegen des Ausbruchs der neuen Lungenkrankheit in China eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Damit sind konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. Die WHO sehe aber trotz des Notstands „keinen Grund“ für Reise- und Handelsbeschränkungen mit China, sagte der WHO-Direktor weiter.

Mit der ersten Erkrankung in Tibet sind nun in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Der Anstieg ist rasant. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Der Höhepunkt der Epidemie wird frühestens in einer Woche erwartet. Außerhalb der Volksrepublik sind in rund 20 Ländern mehr als 100 Infektionen gezählt worden.

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In Deutschland gibt es mittlerweile fünf bestätigte Fälle. Am Donnerstagabend teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit, dass sich ein weiterer Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg infiziert habe. In Großbritannien sind erstmals zwei Fälle des neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte bestätigte zwei Coronavirus-Fälle. Zwei chinesische Touristen würden sich in Rom nun auf einer Isolierstation aufhalten. Conte erklärte, dass der Flugverkehr zwischen Italien und China zunächst ausgesetzt wird. Er rief die Menschen dazu auf, nicht in Panik zu geraten, die Lage sei unter Kontrolle.

Quelle: tnie./bard./sreu./jsh./dpa/Reuters/AFP
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