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Das Virus und die Royals

Die Queen redet der Nation ins Gewissen

Aktualisiert am 19.03.2020
 - 19:20
Vor einem Monat eröffnete die Queen ein Krankenhaus in London. Heute hat sie die Stadt vorzeitig wegen des Coronavirus’ verlassen.
Die Queen ruft ihre Landsleute auf, die Schwächsten zu schützen, und verlässt London. Ihr Mann Prinz Philip wird mit einem Hubschrauber zu Schloss Windsor geflogen. Auch andere europäische Königshäuser reagieren auf die Krise.

Im britischen Königshaus ist das Programm der Queen und ihres Thronfolgers Prinz Charles wegen der Pandemie zusammengestrichen worden. So sagte Königin Elizabeth II. eine im März geplante Reise in die Umgebung von Manchester und einen Besuch im Londoner Bezirk Camden ab. Statt zu Reisen, oder Empfänge und Wohltätigkeitsveranstaltungen zu besuchen, muss sie nun aus der Ferne versuchen, den Briten Stabilität und Zuversicht zu vermitteln.

So gab die Queen eine Solidaritätsbotschaft heraus. Sie schrieb, dass Familien in ganz Großbritannien „in eine Zeit großer Besorgnis und Unsicherheit“ eintreten. Weiter hieß es, dass allen geraten werde, „unsere normalen Routinen (...) zum Wohle der Gemeinschaften, in denen wir leben, zu ändern und insbesondere die Schwächsten in ihnen zu schützen.“

In Zeiten wie diesen, werde sie daran erinnert, dass die Geschichte der britischen Nation von Menschen und Gemeinschaften geprägt wurde, die zusammenkommen, um als eine Einheit zu arbeiten und sich mit gemeinsamen Anstrengungen auf das gemeinsame Ziel zu konzentrieren. Deshalb sei sie „enorm dankbar für das Fachwissen und das Engagement unserer Wissenschaftler, Ärzte sowie der Notfall- und öffentlichen Dienste. Heute spielen wir alle mehr als je zuvor in unserer jüngeren Vergangenheit eine äußerst wichtige Rolle als Einzelpersonen – heute und in Zukunft."

Queen flieht aus London

Die Königin – im April 94 Jahre alt – beginnt ihre Osterferien eine Woche früher, wie der Palast mitteilte. Am Donnerstag verließ sie den Buckingham-Palast in Richtung Schloss Windsor. Auch ihr Mann, der 98 Jahre alte Prinz Philip, traf am Donnerstag dort ein, wie eine Palastsprecherin bestätigte. Er wurde Berichten zufolge per Hubschrauber von dem ostenglischen Landsitz Sandringham eingeflogen.

Die beiden gelten aufgrund ihres hohen Alters als besonders von der Lungenkrankheit Covid-19 gefährdet, die durch das Coronavirus hervorgerufen wird. In der Londoner Innenstadt gibt es bislang deutlich mehr bestätigte Infektionen als in anderen Teilen des Landes. Britische Medien spekulierten, die Queen trage neuerdings Handschuhe als Schutz. Das habe sie auch schon zuvor getan, sagte eine Palastsprecherin.

Royale Hochzeit steht auf der Kippe

Bei ihrem 71 Jahre alten Sohn, Thronfolger Prinz Charles, wurde vorsichtshalber eine mehrtägige Auslandsreise verschoben. Er wollte mit seiner Frau Camilla (72) in diesem Monat für mehrere Tage nach Bosnien-Herzegowina, Zypern und Jordanien fliegen.

Ende Mai soll eigentlich einer der feierlichen Höhepunkte des Jahres in der Königsfamilie stattfinden: die Hochzeit von Prinzessin Beatrice mit dem Immobilienmogul Edoardo Mapelli Mozzi. Das Paar sei sich sehr bewusst, unter den gegenwärtigen Umständen keine unnötigen Risiken eingehen zu wollen, teilte ein Palast-Sprecher mit. Die beiden wollten ihre Pläne für den 29. Mai überprüfen, ein Empfang sei bereits gestrichen worden. Möglicherweise finde aber eine kleine Feier mit Familie und Freunden statt.

Einschränkungen für alle europäischen Königshäuser

Auch andere europäische Königshäusern werden vom Coronavirus beeinflusst. In Spanien wurde bekannt, dass sich Königin Letizia entgegen Befürchtungen nicht mit dem Virus infiziert hat. Die 47-Jährige und ihr Ehemann, König Felipe VI. (52), wurden bereits in der vergangenen Woche negativ getestet. Seither nimmt Letizia keine öffentlichen Termine wahr, sie bleibt weiterhin zu Hause im Palacio de la Zarzuela nordwestlich von Madrid.

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Letizia hatte an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der sie Gleichstellungsministerin Irene Montero zum Abschied zwei Küsschen auf die Wangen gegeben hatte. Später war dann bekanntgeworden, dass Montero vom Linksbündnis Unidas Podemos (UP) positiv getestet worden sei. König Felipe sprach den Bürgern seines Landes in einer Rede am Mittwochabend Mut zu. „Dieses Virus wird uns nicht bezwingen. Es wird uns als Gesellschaft stärker machen.“

Fürst Albert II. von Monaco wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Der Gesundheitszustand des 62-Jährigen gebe aber keinen Grund zur Sorge, teilte der Fürstenpalast am Donnerstag mit. Der Fürst setze seine Arbeit im Büro seiner Privatwohnung fort und stehe in ständigem Kontakt mit den Mitgliedern seines Kabinetts und seinen engsten Mitarbeitern, hieß es in der Mitteilung. Albert appellierte an die Bewohner des Fürstentums, den Kontakt mit anderen auf ein Minimum zu beschränken. Nur die strikte Einhaltung der Regeln verhindere die Verbreitung des Coronavirus.

Das norwegische Königspaar ist in Quarantäne, weil König Harald und seine Frau Sonja vor kurzem zu einem offiziellen Besuch in Jordanien waren. Die beiden sind nicht krank, doch in Norwegen muss jeder, der im Ausland war, für zwei Wochen in die Isolation. Alle öffentlichen Termine des Königshauses sind bis Ostern abgesagt. Auch die dänische Königin hat alle Aktivitäten abgesagt, darunter auch ihre Geburtstagsfeier. Margrethe II. wird am 16. April 80 Jahre alt.

Anstelle der großen traditionellen Militärzeremonie gab es zum Namenstag der schwedischen Kronprinzessin Victoria am 12. März nur eine kleine Zeremonie mit Blumen und Gratulationen, aber ohne Publikum. Die Termine von König Carl Gustaf und Prinzessin Victoria sind nicht abgesagt, aber das Königshaus hat darauf hingewiesen, dass kurzfristige Änderungen vorgenommen werden können.

Das niederländische Königshaus hat die Feierlichkeiten zum 53. Geburtstag von König Willem-Alexander abgesagt. Den „Koningsdag“ am 27. April wollte er zusammen mit Königin Máxima (48), seinen Töchtern und Tausenden Bürgern in Maastricht begehen. Traditionell wird der Königsgeburtstag in den Niederlanden bei etlichen Volksfesten gefeiert. Auch der normalerweise öffentlich zugängliche Königliche Palast in Amsterdam wurde inzwischen für Besucher gesperrt.

König Philippe von Belgien schwor die Bevölkerung auf den Ernst der Lage ein und rief die Menschen zu einem verantwortungsvollen Verhalten auf. Zugleich hat Philippe dank Covid-19 auch eine Sorge weniger: Die monatelange Suche nach einer Regierungsmehrheit ist vorläufig beendet, weil die Opposition in der Krise die amtierende Ministerpräsidentin Sophie Wilmès zu stützen verspricht.

Quelle: fris./dpa
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