Gastronomie während der Krise

Grüne Soße durchs Autofenster

Von Lioba Sixel
21.03.2020
, 11:04
Kein Kontakt: Essensausgabe am Drive-in-Schalter auf hessisch
Die Coronakrise macht erfinderisch. Ein Apfelweinwirt in Frankfurt eröffnet einen Drive-in-Schalter. Nicht nur die Kunden sind begeistert.
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Keine Lust, selbst zu kochen? Bedacht darauf, soziale Kontakte zu meiden? Sehnsucht nach Grüner Soße? Thomas Metzmacher hat die Lösung: Seine Apfelweinkneipe „Zum lahmen Esel“ in Niederursel hat jetzt einen Drive-in-Schalter. Von FastFood, das es an Essensausgaben dieser Art sonst gibt, will der Gastronom aber nichts wissen. Er wollte nur eine kontaktlose Alternative schaffen, um mit seinen 36 Mitarbeitern weiter seine Gäste bekochen zu können.

Zur Eröffnung des Drive-in-Service kamen am Donnerstagabend umgehend die ersten Kunden. Der Bestellschalter, an den sie heranfuhren, ist eine Art Tresen mit Kasse im Hof, der an den Bürgersteig angrenzt. Dort nimmt eine Servicekraft die Bestellung entgegen, und der Gast bezahlt. Damit dabei der gewünschte Sicherheitsabstand von mehr als zwei Metern eingehalten wird, schiebt das Personal über eine Rutsche den an einer Stange befestigten Kartenleser bis an das Fahrerfenster. Nach der Bezahlung fährt der Kunde etwa 30 Meter weiter zur Ausgabestation. In einer Papiertüte verlässt das gewünschte Gericht etwa fünf Minuten nach der Bestellung das Fenster des Restaurants und landet mit Hilfe einer weiteren Rutsche unversehrt direkt vor dem Autofenster. Der Kunde nimmt die Tüte an und fährt davon. Kein Kontakt, keine Gefahr.

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Tatenloses Zusehen keine Option

Damit alles so flott und ohne Stau und Gedrängel ablaufen kann, haben Metzmacher und seine Mitarbeiter die Abläufe im „Lahmen Esel“ den neuen Verhältnissen angepasst: Die Bestellungen der fahrenden Gäste werden digital an die Küche gesendet. Dort wird das Essen zwar wie immer frisch zubereitet – aber die Köche haben so viel wie irgend möglich vorbereite, um die Wartezeit zu minimieren.

Die Idee für das Drive-in ist Metzmacher vergangene Woche gekommen, als verkündet wurde, dass die Gastronomie in Hessen bis auf weiteres um 18 Uhr schließen müsse, um der Verbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten. Das sei eine nachvollziehbare Regelung im Kampf gegen die Epidemie, sagt Metzmacher. Aber für alle, die in der Gastronomie arbeiten, sei es auch ein Schock gewesen. Und darum sei tatenloses Zusehen für ihn auch keine Option gewesen. „Ich habe mir gedacht: Wie kann ich innovativ sein und eine Lösung finden?“ Dabei habe der Gesundheitsschutz Priorität gehabt. „Wir wollen zwar Umsatz machen, aber wir wollen nicht entgegen allen Empfehlungen wirken.“ Seine Mitarbeiter hätten gesagt: „Egal was du machst, wir sind dabei und machen mit.“ Nach einer schlaflosen Nacht sei er dann auf die Idee mit dem Autoschalter gekommen.

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Begeisterte Kunden

Der „Lahme Esel“ ist eine große Wirtschaft. Im Innern finden gut 200 Gäste Platz, draußen noch einmal so viele. Bis vor wenigen Wochen sei das Lokal stets voll gewesen, berichtet Metzmacher. Doch dann sei es schlagartig ruhiger geworden, vergangene Woche habe er einen Umsatzrückgang von 80 Prozent verzeichnet und Kurzarbeit für seine Mitarbeiter anmelden müssen, sagt Metzmacher. Der Lieferservice, den es seit Dienstagabend gibt, und der Drive-in-Schalter könnten die Verluste zwar bei weitem nicht kompensieren, aber „zumindest etwas heilen“.

Nicht nur auf Feedback bekommt Metzmacher seit der Eröffnung des Drive-in-Schalters viel Lob. Auch die Gäste, die mit dem Auto vorfahren, sind begeistert. „Das muss auf jeden Fall unterstützt werden“, sagt eine junge Frau, die auf dem Fahrersitz am Abholschalter auf ihre Bestellung wartet. Der Beifahrer pflichtet ihr bei: „Es ist super, dass man so flexibel ist und sich auf die Veränderungen einstellt.“ Auch ein Stammgast vom Riedberg nimmt den neuen Service mit Vergnügen in Anspruch. „Das ist ein gutes Konzept und sichert den Abstand zwischen Menschen.“ Zufrieden ist auch das Personal. Es sei zwar eine Umstellung, sagt eine Servicekraft, „aber es ist lustig am Schalter, mal was anderes“.

Quelle: F.A.Z.
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