Wartende nach Hause geschickt

Hessische Coronavirus-Testzentren überlastet

Von Marie Lisa Kehler
16.03.2020
, 11:58
Wartestand: Schlange von Leuten vor ehemaligen Marienkrankenhaus in Frankfurt, die sich im Testzentrum auf das Coronavirus checken lassen wollen
In Hessen wollen deutlich mehr Menschen einen Coronavirus-Check machen lassen, als die zehn Testzentren schaffen. Viele Wartende müssen unverrichteter Dinge wieder gehen.
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Die zehn Testzentren in Hessen, in denen Patienten mit dem Verdacht auf eine Coronainfektion einen Abstrich machen lassen können, stoßen mancherorts schon an ihre Grenzen. Gegen 11 Uhr meldete eines von zwei Zentren in Frankfurt, dass keine weiteren Tests mehr gemacht würden. Wartende wurden wieder nach Hause geschickt. Nur 120 Personen könnten an diesem Standort am Tag getestet werden, so die Information, die die den oftmals verunsicherten Bürgern mitgegeben wurde. Das berichtete einer der Wartenden der F.A.Z.

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Mehr als 300 haben seiner Beobachtung nach angestanden.
Die Zentren werden von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) betrieben und sollen dazu beitragen, dass möglicherweise infizierte Patienten gar nicht erst in den Hausarztpraxen auflaufen. Hausärzte wurden zudem von der KV aufgerufen, sich auf freiwilliger Basis für Dienste in den Zentren zu melden.

Ursprünglich wollte die KV die genauen Standorte der Zentren geheim halten, damit besorgte Bürger nicht auf eigene Initiative sich testen lassen, ohne dass überhaupt der begründete Verdacht einer Infektion besteht. Der Andrang, so zumindest der Plan, sollte gezielt gesteuert werden. Nur wer zuvor den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 oder das Gesundheitsamt kontaktiert hatte und nach einer standardisierten Befragung als „möglicherweise infiziert“ gilt, sollte den genauen Standort eines Zentrums mitgeteilt bekommen.

Da die Servicehotlines aber permanent überlastet gewesen seien, habe er sich auf eigene Faust auf den Weg gemacht, berichtet ein wartender Frankfurter. Den Standort des Zentrums habe er von Bekannten erfahren. Er werde versuchen, durch einen Anruf beim Gesundheitsamt eine offizielle Testerlaubnis zu erhalten. Sollte das nicht der Fall sein, wisse er noch nicht, ob er sich am Dienstagmorgen wieder in die Schlange einreihe. Schließlich gelte es, unnötige Kontakte zu vermeiden. Die Eröffnung weiterer Zentren sei in Planung, habe man ihm mitgeteilt, bevor man ihn abgewiesen habe, erzählt er.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kehler, Marie-Lisa
Marie Lisa Kehler
Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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