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Fälle in Italien

Zwei Menschen mit Verdacht auf Coronavirus gestorben

Von Matthias Rüb, Rom
Aktualisiert am 22.02.2020
 - 11:38
Ein Schild vor der Notaufnahme des italienischen Krankenhauses in Codogno weist darauf hin, dass der Zugang verboten ist.
In Italien ist ein weiterer Mensch gestorben, der als Verdachtsfall einer Coronavirus-Infektion galt. Es handelt sich um eine Frau aus der Lombardei. Die Stadt Codogno ist zu einer Geisterstadt geworden.

Wuhan liegt jetzt auch in Italien und heißt Codogno. Codogno ist eine Stadt von knapp 16.000 Einwohnern in der Region Lombardei, etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand in der Po-Ebene gelegen. Und seit Samstag ist Codogno eine menschenleere Geisterstadt. Im örtlichen Krankenhaus von Codogno liegt Italiens „Patient eins“, infiziert mit dem Covid-19-Virus, auf der Intensivstation in ernstem, aber offenbar stabilem Zustand, bei künstlicher Beatmung. Es handelt sich um einen 38 Jahre alten Mann, der sich erstmals am 16. Februar bei der Notaufnahme der Klinik mit hohem Fieber und Grippesymptomen gemeldet hatte. Nach einer Untersuchung schickte man den „grippekranken“ Mann wieder nach Hause.

Drei Tage später wurde er von seiner Ehefrau, die im achten Monat schwanger ist, abermals in die Klinik von Codogno gebracht – mit noch höherem Fieber und in akuter Atemnot. Inzwischen hatte sich die Frau daran erinnert, dass sich ihr Mann rund vier Wochen zuvor mit einem kurz davor aus China zurückgekehrten italienischen Manager zum Abendessen getroffen hatte. Das war am 21. Januar, als es an den italienischen Flughäfen noch keine Kontrollen für Reisende aus China gegeben hatte. Zudem hatte der China-Rückkehrer keinerlei Symptome aufgewiesen, führte sein Leben wie gewohnt weiter.

„Patient null“ ist jetzt identifiziert und auch auf das Virus getestet – seltsamerweise negativ. Die Mediziner können sich diesen Umstand nicht recht erklären: Entweder entwickelte der Organismus von „Patient null“ Antikörper gegen das Virus, blieb aber ansteckend, oder der Mann überstand die Krankheit ohne Symptome. Jedenfalls trafen sich die beiden befreundeten Männer nach Aussage von „Patient null“ sechs oder sieben Mal seit dessen Rückkehr aus China. Mehrere Male auch zum Abendessen in verschiedenen Restaurants in Codogno sowie in benachbarten Städten.

„Patient eins“ bleibt vorerst in Codogno

Von „Patient eins“ berichten italienische Medien, dass dieser ein ausgesprochen aktives Leben geführt habe, ehe er schließlich am 16. Februar schwer erkrankte. Gemeinsam mit seiner Laufgruppe „Codogno 82“ nahm der 38 Jahre alte Mann an zwei Halb-Marathonläufen teil – am 2. Februar nahe Genua in Ligurien und am 9. Februar bei Lodi in seiner lombardischen Heimatregion. Außerdem kickte er noch am 15. Februar mit seinen Kumpels aus seiner Stamm-Bar. Und natürlich ging er zur Arbeit, zu einem Unilever-Betrieb in Casalpusterlengo, rund fünf Kilometer von Codogno entfernt. Von den regelmäßigen Besuchen in seiner Espresso-Bar und verschiedenen Restaurants ganz zu schweigen.

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Bis Samstagmorgen wurden in der Lombardei 16 Infektionen mit dem Covid-19-Virus bestätigt. Unter ihnen die schwangere Ehefrau von „Patient eins“, außerdem der Sohn der Betreiber von dessen Stamm-Bar und weitere Personen aus Codogno und Umgebung. Allein in der Klinik von Codogno wurden acht Personen positiv auf das Virus getestet, drei Patienten und fünf Angestellte.

Alle Infizierten wurden inzwischen in die Isolierstation der Klinik „Sacco di Milano“ in der Hauptstadt der Region Lombardei gebracht. Nur „Patient eins“ verbleibt vorerst im Hospital in Codogno, sein Zustand erlaubt keinen Transport nach Mailand. Die Mediziner sagen, eine Übertragung des Virus vom Organismus der hochschwangeren Ehefrau von „Patient eins“ auf das Baby sei nicht wahrscheinlich. Medienberichten zufolge erwägen die behandelnden Ärzte eine baldige Entbindung per Kaiserschnitt.

250 Menschen in Quarantäne

Nach einer Krisensitzung in der Nacht zum Samstag verhängten die Regierung der Region Lombardei und das Gesundheitsministerium in Rom über Codogno sowie über neun weitere Städten der Gegend mit zusammen rund 50.000 Einwohnern faktisch eine Ausgangssperre. Die Menschen wurden aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Alle öffentlichen Veranstaltungen wurden abgesagt. Schulen, Geschäfte und Behörden müssen geschlossen bleiben.

Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt, Züge auf der viel befahrenen Bahnstrecke von Mailand nach Piacenza dürfen nicht mehr in Codogno, Maleo und Casalpusterlengo halten. Vorsorglich wurden 250 Personen, die nach ersten Untersuchungen mit „Patient eins“ in Kontakt gekommen waren, unter Quarantäne gestellt, unter ihnen 149 Arbeitskollegen aus dem Unilever-Betrieb in Casalpusterlengo sowie 70 Mitarbeiter der Klinik von Codogno.

Fieberhaft suchen die Behörden und der Zivilschutz nach all jenen, die in den vergangenen vier Wochen mit Italiens „Patient eins“ in Kontakt gekommen sein konnten. Aus Ligurien, wo der passionierte Läufer am 2. Februar an einem Halb-Marathonlauf teilgenommen hatte, wurde bis Samstagmittag keine Infektion gemeldet: Alle sieben Verdachtsfälle wurden negativ auf das Covid-19-Virus getestet.

Zweiter Todesfall in Europa

Umso alarmierender sind dagegen die Nachrichten aus der Region Venetien. Am späten Freitagabend wurde aus der östlichen Nachbarregion der Lombardei der erste Todesfall in Italien und mithin in Europa gemeldet der mutmaßlich in Zusammenhang mit einer Infektion stand: In einem Krankenhaus nahe Padua starb der 78 Jahre alte Adriano T., er galt als Verdachtsfalls einer Coronavirus-Infektion. Am Samstagmorgen teilte ein Sprecher des italienischen Zivilschutzes dann den Tod einer weiteren Frau mit. Sie war ebenfalls ein Verdachtsfall. Bei der verstorbenen Patientin handele es sich um eine Frau aus der Lombardei. In beiden Fällen habe die finale Bestätigung durch einen positiven Test noch ausgestanden.

Er war einer von bisher zwei bestätigten Infektionen in Venetien. Doch Padua, wo das erste Todesopfer des Covid-19-Virus in Europa registriert wurde, liegt rund 240 Kilometer von Codogno, dem „italienischen Wuhan“ entfernt. Wenig spricht dafür, dass der 78 Jahre alte Mann, der seit dem 7. Februar in einem Krankenhaus behandelt worden war, direkt mit „Patient eins“ aus Codogno in Kontakt kam. Am Samstag wurde auch die Gemeinde Vo Euganeo in Zentralvenetien, wo der Mann gelebt hatte, von der Außenwelt isoliert. Alle rund 3000 Einwohner der Gemeinde sollen auf das Virus getestet werden.

Die Regierung in Rom unter Ministerpräsident Giuseppe Conte ruft die Bevölkerung zur Ruhe auf und versichert, die medizinischen Einrichtungen, der Zivilschutz und auch die Streitkräfte würden alle notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie ergreifen. Für Panik und Psychose bestehe kein Anlass. Allein am Freitagabend wurden in Norditalien zwei Züge gestoppt, weil Passagiere mit verdächtigen Symptomen an Bord waren. In beiden Fällen handelte es sich um falschen Alarm.

In einer ersten Version des Texts hieß es mit Verweis auf entsprechende Meldungen in Nachrichtenagenturen, der 78 Jahre alte Mann aus Venetien sei der erste Todesfall in Italien im Zusammenhang mit dem Coronavirus gewesen. Spätere Nachrichtenmeldungen stellten klar, dass auch in diesem Fall der positive Test auf das Virus noch ausgestanden habe.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Rüb, Matthias (rüb)
Matthias Rüb
Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.
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