Rheinischer Karneval

Soll man den Karneval wegen Corona kurzerhand ins Frühjahr verlegen?

Von Reiner Burger
25.11.2021
, 13:46
Als Clown beim Rosenmontagszug in Düsseldorf im Februar 2020 - der nächste Rosenmontagszug soll erst im Mai stattfinden.
Die Düsseldorfer Jecken wollen wegen Corona ihren Rosenmontagszug 2022 in den Mai verschieben. Die Kölner Narren lehnen das strikt ab.
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Vor 14 Tagen erst glaubten viele Jecken im Rheinland, die Karnevalssaison 2021/2022 werde dank der Impfung einigermaßen unbeschwert. In Düsseldorf und mehr noch in Köln war der Andrang zum Sessionsauftakt am 11.11. groß. Zehntausende Narren drängten sich auf engsten Raum, was anderen Orts viel Kritik hervorrief, weil die Inzidenzwerte auch da schon längst wieder bedrohlich anstiegen. Corona und Karneval mit Schunkeln, Bützen und feuchtfröhlichem Feiern mitten in der Ansteckungssaison und während Intensivstationen am oder über dem Limit sind, das geht irgendwie nicht zusammen.

Unter dem Eindruck immer erschreckenderer Corona-Tagesrekordwerte streichen die ersten Vereine die nächste Session zusammen. Den Auftakt machten am Mittwoch die Leverkusener Narren, die sämtliche im Februar geplanten Karnevalsumzüge absagten, weil die Kontrollmaßnahmen einfach nicht zu leisten wären. Karnevalssitzungen sollen nach bisherigen Plänen aber stattfinden dürfen – freilich nur mit 2G- und einem zusätzlichen aktuellen Test-Nachweis.

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Einen Ausweg aus dem Dilemma glaubt das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) gefunden zu haben. Am Mittwochabend entschied es, seinen Rosenmontagszug im kommenden Jahr vom 28. Februar auf den 8. Mai zu verschieben. Die Düsseldorfer setzen zur Rettung ihrer Session auf den sogenannten Saisoneffekt und hoffen, dass es im Mai die Chance gibt, die berühmt-bissigen Motivwagen wie gewohnt durch die von Schaulustigen gesäumten Straßen fahren lassen zu können. Der Rosenmontagszug 2021 war – wie in allen anderen Karnevalshochburgen – wegen der Pandemie abgesagt worden.

„Wir alle gehen davon aus, dass wir im kommenden Frühjahr die vierte Coronawelle überwunden haben“, sagte Comitees-Präsident Michael Laumen. Die Düsseldorfer Narren verlängern die Session also kurzerhand. Das soll den im CC organisierten Karnevals-Gesellschaften die Möglichkeit geben, ihre für Januar und Februar geplanten Sitzungen zu verlegen. „Wir sehen darin eine echte Chance, den Karneval am Leben zu erhalten und trotzdem zu feiern“, ergänzte Laumens Stellvertreter Stefan Kleinehr.

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Köln reagiert verschnupft auf den Düsseldorfer Vorschlag

Das Comitee Düsseldorfer Carneval hat die Verlängerung der Session nach eigenen Angaben mit der Stadt und der katholischen Kirchengemeinde abgesprochen – wohl aber nicht mit den Jecken in Köln. Jedenfalls reagierten sie äußerst verschnupft auf die Düsseldorfer Idee, dem Virus ein Schnippchen zu schlagen. Man sei von der Entscheidung der Düsseldorfer extrem überrascht und irritiert, hieß es vom Festkomitee Kölner Karneval. „Dieses Vorgehen war nicht innerhalb der vier rheinischen Karnevalsstädte des Immateriellen Kulturerbes abgestimmt.“

Die Session einfach ins Frühjahr zu verlegen, lehnt das Kölner Komitee ab, denn das werde nur der voranschreitenden Kommerzialisierung des Karnevals weiteren Vorschub leisten. Im Umkehrschluss heißt das: Die Komplettabsage des Karnevals wie in der Session 2020/2021 bleibt eine Option.

Erstaunlich ist, dass die Düsseldorfer Jecken mit ihrer Entscheidung nicht noch einen kurzen Moment warteten. Für Donnerstag war ohnehin wieder eine Online-Sitzung der rheinischen Spitzen-Karnevalisten aus Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen mit der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei geplant, die sich neben den vielen anderen Pandemieproblemen nun schon zum zweiten Mal auch mit der Koordinierung eines Karnevals unter Corona-Bedingungen befassen muss.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Burger, Reiner
Reiner Burger
Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.
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