F.A.Z.-Leserdiskussion

„In Sorge vor instabilen Verhältnissen nach der Bundestagswahl“

Von Sebastian Reuter
24.03.2021
, 17:04
Wenig Vorfreude auf den Sommer: Die Corona-Aussichten für Deutschland empfinden viele F.A.Z.-Leserinnen und -Leser eher als trübe.
Doch keine Zwangsruhe, dafür weiter nur Urlaub auf Mallorca. Wir haben die Leserinnen und Leser der F.A.Z. zum Wirrwarr um den Oster-Lockdown gefragt. Die Antworten sind oft emotional – und meist sehr eindeutig.
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Stark steigende Infektionszahlen, Verwirrung um die Osterruhe und Ferientage ohne echte Urlaubsmöglichkeiten: Wir haben die Leserinnen und Leser der F.A.Z gefragt, wie sie die Diskussion um den Oster-Lockdown sowie die generelle Corona-Politik empfinden und mit ihnen in einem Liveblog diskutiert. Hunderte sind dem Aufruf gefolgt und haben uns über E-Mail, Instagram, Facebook oder den Liveblog-Chat ihre Empfindungen mitgeteilt. Manche wollten einfach nur schnell ihrem Ärger Luft machen, andere äußerten in ausführlichen Beiträgen ihre Sorgen, Zweifel und Ängste — aber auch ihre Hoffnungen auf einen erfolgreichen Weg aus der Pandemie. Lesen Sie hier eine Auswahl der Antworten:

Unverständnis herrschte bei vielen Teilnehmern der Diskussion zu Beginn vor allem über die geplante „Osterruhe“ mit einem verschärften Sechs-Tage-Lockdown. Viele befürchteten Chaos in den Supermärkten und zahlreiche unerlaubte Zusammenkünfte, weil es keinerlei andere Möglichkeiten des Zeitvertreibs gebe. Doch dann machte Bundeskanzlerin Angela Merkel die verlängerte Osterruhe überraschend rückgängig. Das Fazit der Leserinnen und Leser: Den Gründonnerstag als „Ruhetag“ auszurufen, sei „eine unausgegorene Schnapsidee“ gewesen, die mittlerweile „glücklicherweise“ korrigiert worden sei.

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Aber auch abseits des Wirrwarrs um den Oster-Lockdown sieht es mit der Zufriedenheit mit dem Corona-Management mittlerweile düster aus. Gleich mehrere Leserinnen und Leser befürchten, dass der zunehmende Frust zu überraschenden Ergebnissen bei der Bundestagswahl führen wird:

„Mich ärgert wie viele Chancen im vergangenen Sommer und Frühherbst vertan wurden: Keine Vorbereitungen in den Schulen, zu wenig Impfstoff bestellt, keine Kontrolle der Ein- und Ausreisen, kein Konzept für Testungen. War das Überheblichkeit, weil wir die erste Welle relativ gut überstanden hatten? Außerdem sehe ich den Föderalismus an seine Grenzen gekommen. Ein Gremium von 17 Häuptlingen kann einfach nicht effektiv arbeiten.“ Werner17

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„Ich möchte so gerne weiter vertrauen und bin wirklich in Sorge vor instabilen Verhältnissen nach der nächsten Bundestagswahl. Aber, meine Güte, die Damen und Herren in der Politik machen es einem wirklich schwer. Warum ist das Krisenmanagement so erbärmlich?“ Anonym

Generell beklagen viele Diskussionsteilnehmer: Die derzeitige Situation mit den stark steigenden Infektionszahlen sowie der Ausbreitung der Virusmutanten sei nicht nur vorherzusehen, sondern sogar auszurechnen gewesen. Die Richtung sei „unmissverständlich klar“ gewesen. „Trotzdem wurde weiter über Lockerungen diskutiert, und von ermutigenden Signalen gesprochen.“

Zahlreiche Leserinnen und Leser fordern daher: „Schluss mit den Kuschel-Lockdowns und den Bitte, bitte haltet euch dran-Aufrufen. Dass das nicht funktioniert, haben wir nun mehrfach festgestellt.“ Es helfe nur noch „für zehn Tage alles herunterzufahren“ inklusive Ausgangssperren und „empfindlichen Strafen bei Nichtbeachtung“. Gleichzeitig müsse „rund um die Uhr“ geimpft werden. Andere wiederum meinen, Deutschland müsse endlich anfangen, „mit dem Virus zu leben“ und fordern, alle Beschränkungen aufzuheben und komplett auf Eigenverantwortlichkeit zu setzen:

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„Natürlich wünsche ich mir ein deutlich schnelleres Vorankommen beim Impfen. Warum wird nur bis 18 Uhr geimpft? Warum verimpft man nicht die nach 18 Uhr übrigen Impfdosen? Jeder Geimpfte ist doch ein Segen für alle. Ich muss zugeben, ich kann meine Frustration nicht mehr verbergen...“ Tanja Alexandra Schöninger

„Für ‚Blockadebrecher‘ (mutwillige, öffentlich demonstrierte Verstöße gegen Corona-Anordnungen) im Krankheitsfall private Kostenübernahme der Behandlung und Warteliste bei Aufnahme im Hospital“ Peter Bierwirth

„Was ich nicht verzeihen kann, ist die Bräsigkeit bei der Impfstoffbeschaffung. Spätestens als im Dezember auch der Hinterletzte gemerkt hat, dass hier eine große Chance verpennt wurde, hätte man aktiv werden müssen: (1) Beschleunigung der Zulassung von Impfstoffen (auch aus Russland und China) ohne EMA, (2) Schaffung finanzieller Anreize für schnelle Lieferung von Impfstoffen, z.B. 500 EUR für jede zusätzliche Dosis im Januar, 400 EUR im Februar, 300 EUR im März, ... (3) Unterstützung der Pharmaindustrie beim Auf- und Ausbau von Produktionskapazitäten.“ Til7

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Neben dem Unmut über die schleppende Impfkampagne und die – je nach Sichtweise – zu strengen oder zu lockeren Corona-Regeln, fordern viele Leserinnen und Leser auch, die derzeit geltenden Regeln konsequent einzuhalten und zu kontrollieren. Allein dadurch könne das Infektionsgeschehen ihrer Meinung nach eingedämmt und eine gewisse Freiheit gewährleistet werden:

„Es kommt mir vor, als ob wir zuschauen, wie jemand im See ertrinkt, aber da amtliches Badeverbot herrscht, springen wir nicht hinein um zu retten“ Markus Mühl

„Wann werden Supermärkte endlich verpflichtet, die Einhaltung der bestehenden Regeln konsequent zu überwachen und jedem Hausverbot zu erteilen, der seine Maske gar nicht oder unter der Nase trägt? Warum wird es nicht verbindlich vorgeschrieben, dass Arbeit, die im Homeoffice erledigt werden KANN, auch tatsächlich ausschließlich von zuhause erledigt wird?“ Hilde

Nicht nachvollziehen können viele Leserinnen und Leser zudem, warum Reisen nach Mallorca über Ostern möglich sein sollen – selbst wenn die Bundesregierung derzeit ein Verbot von Urlaubsreisen ins Ausland prüft. Der generelle Tenor bei vielen: Warum ist es nicht erlaubt, mit dem eigenen Auto und den eigenen Essensvorräten in ein eigens angemietetes Ferienhaus an die Nordsee zu fahren, dafür aber in einem vollbesetzten Flugzeug auf eine Insel zu fliegen? Doch auch hier gibt es Gegenstimmen, die erklären: Wer meint, nach Mallorca fliegen zu müssen, solle dies auch tun.

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„Wie kann man die Flüge ins Ausland zulassen und in Deutschland stehen die Hotelzimmer und Ferienwohnungen leer. Mehr Verantwortungslosigkeit gegenüber dem deutschen Unternehmer ist nicht zu toppen. Die Quittung wird kommen.“ Frank Helmig

Insgesamt steht am Ende der Diskussion fest: Der Geduldsfaden in der Bevölkerung steht bei vielen Menschen kurz vor dem Zerreißen. Die Akzeptanz der Maßnahmen ist ohne große Perspektive nicht mehr ewig gewährleistet. Eine rühmliche Ausnahme bildete dabei in unserer Leserdiskussion dabei Renate Schellhaas. Sie schreibt: „Ich bin Rentnerin, lese, musiziere und gehe viel spazieren. [...] Ostern feiern wir auch zu Hause und schauen den Gottesdienst im TV. Wir warten auf den Impftermin und nehmen am Schimpfchaos NICHT teil.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Reuter, Sebastian
Sebastian Reuter
Leitender Redakteur vom Dienst.
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