FAZ plus ArtikelCoronavirus in China

In Windeln zum Impfstoff

Von Friederike Böge, Peking
07.01.2021
, 19:00
Auch in China gibt es wieder größere Corona-Ausbrüche. Das Regime greift drastisch durch und verbreitet zudem Heldengeschichten über den staatlichen Impfstoffentwickler – die Mitarbeiter hätten während der Arbeit Windeln getragen.

Viele Chinesen hatten gehofft, dass die Zeit der Reiseverbote und Schulschließungen der Vergangenheit angehört. Doch neue Corona-Ausbrüche in mehreren Städten haben das ganze Land aufgeschreckt. Im Fokus steht die Hauptstadt der Provinz Hebei, wo am Donnerstag 117 Neuinfektionen gemeldet wurden, ähnlich viele wie am Vortag. Weil die Provinz an Chinas Hauptstadt angrenzt, ist das politisch heikel. Die Provinzverwaltung versicherte, sie werde einen „Festungsgraben“ um Peking ziehen. Im Vergleich zu Europa sind die Zahlen niedrig, doch in China ist es der größte Ausbruch seit Juni.

Sofort wurde die ganze Maschinerie der Präventionsmaßnahmen in Gang gesetzt. Am Abend verkündete die Lokalregierung, dass Hebeis Hauptstadt Shijiazhuang vorübergehend von der Außenwelt abgeriegelt werde. „Derzeit werden alle Bewohner auf das Coronavirus getestet. Kein Mensch und kein Auto darf die Stadt verlassen“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Meng Xianghong. Zuvor waren schon der Hauptbahnhof, das Fernbusterminal und etliche Fernstraßen gesperrt worden. Rund 300 Flüge von und nach Shijiazhuang wurden gestrichen. Im Internet können für die Zeit bis zum 4. Februar keine Bahntickets nach Peking gekauft werden. Die Bewohner des besonders stark betroffenen Stadtteils Gaocheng dürfen diesen nicht verlassen.

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Quelle: F.A.Z.
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für Ostasien.
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