Trotz Abschottung

Nordkorea meldet erste Covid-Fälle

Von Patrick Welter, Tokio
12.05.2022
, 09:00
Pjöngjang: Nordkorea hat zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie offiziell Infektionsfälle mit dem Krankheitserreger im Land bestätigt.
Mit der kompletten Abschottung hatte Nordkorea versucht, das Coronavirus aus dem Land zu halten. Die Strategie ist nicht aufgegangen und die Regierung meldet erste Infektionen. Es gibt Lockdowns und Hamsterkäufe.
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Nach mehr als zwei Pandemiejahren und der Abschottung vom Ausland hat Nordkorea am Donnerstag erstmals Covid-Infektionen im eigenen Land eingestanden. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete von einem schweren staatlichen Notfall. Nach dem Bericht wurden in der Hauptstadt Pjöngjang Infektionen mit der Omikron-Variante des Covid-19-Virus nachgewiesen. Machthaber Kim Jong-un ordnete auf einer Sitzung des Politbüros an, die Präventionsmaßnahmen auf ein Maximum zu verstärken. Er wies Städte und Landkreise an, ihre Gebiete sorgfältig abzuriegeln. Schon am Vortag hatte es unbestätigte Berichte über Lockdowns in Nordkorea gegeben.

Aus dem Bericht von KCNA geht nicht hervor, wie viele Covid-Fälle nachgewiesen wurden. Nordkorea hatte bisher immer erklärt, dass es keine Covid-Infektionen in dem Land gebe. Diese Angaben wurden von ausländischen Beobachtern angezweifelt, zumal das Land bislang nur sehr wenig getestet hat. Beobachter in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul werten das offizielle Eingeständnis von Covid-Infektionen als Indiz, dass die Lage ernst sei und dass Nordkorea vielleicht internationale Hilfe erwarte.

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Aus der Hauptstadt Pjöngjang gibt es Berichte über Hamsterkäufe, nachdem vor zwei Tagen strikte Quarantänemaßnahmen angeordnet wurden. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln gilt derzeit als schlecht. Lockdowns, um die Verbreitung des Virus zu stoppen, könnten in den kommenden Wochen verhindern, dass die Felder für die nächste Ernte bestellt werden.

Folgen nicht abzusehen

Es wird vermutet, dass die rund 26 Millionen Nordkoreaner weitgehend nicht gegen Covid geimpft sind. Damit sind die Risiken groß, sollte eine Covid-Welle durch das Land rollen. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Auf der Plus-Seite steht, dass die Bevölkerung Nordkoreas relativ jung ist und die relativ milde Omikronvariante vergleichsweise gut verkraften könnte. Auf der Negativ-Seite hat das Land jedoch eine Geschichte von Tuberkulosefällen, so dass von Vorerkrankungen auszugehen ist. Nordkorea hatte in den Pandemiejahren Impfstoff-Lieferungen der Covax-Initiative abgelehnt. Das Regime beharrte auf mRNA-Impfstoffen, wie sie etwa von Biontech entwickelt wurden. Diese setzen eine durchgängige Tiefkühlkette voraus, die in Nordkorea nicht gegeben ist.

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Die Führung Nordkoreas sieht die Covid-Fälle offenbar als ernste Gefahr an. Das Politbüro rügte die Verantwortlichen für ihre Sorglosigkeit und entspannte Haltung, für ihre Unverantwortlichkeit und Ineffizienz. Kim ordnete nach dem Bericht von KCNA an, dass Arbeitseinheiten, Produktionseinheiten und Lebenseinheiten voneinander getrennt werden sollten, um die Ausbreitung des bösartigen Virus perfekt zu verhindern. Der Machthaber rief zu verstärkter Wachsamkeit an den Grenzen, auf See und in der Luft auf, um ein Sicherheitsvakuum in der nationalen Verteidigung zu verhindern. "Gefährlichere Feinde als das bösartige Virus sind unwissenschaftliche Angst, fehlendes Vertrauen und schwacher Wille", wurde Kim von KCNA zitiert.

Komplette Abschottung

Die bisherige Strategie Nordkoreas gegen das Virus bestand darin, das Land seit Februar 2020 komplett vom Ausland abzuschotten. Fast alle Ausländer, darunter die Mitarbeiter von Hilfsorganisation und Botschaftsangehörige, mussten das Land verlassen. Auch wirtschaftlich koppelte Nordkorea sich ab. Der Grenzverkehr mit China wurde eingestellt. Ende Januar hatten die beiden Staaten den Frachtverkehr mit Zügen über den Grenzfluss vorsichtig wieder aufgenommen. Doch Ende April wurde der Handel schon wieder gestoppt, nachdem sich in der chinesischen Grenzstadt Dandong die Covid-Epidemie ausbreitete.

Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten seine militärischen Aktivitäten verstärkt und seit Jahresbeginn schon 15 Raketen getestet. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in Nordostasien berichteten zuletzt über Hinweise, dass Nordkorea einen weiteren Atomtest vorbereite. Der neue südkoreanische Präsident Yoon Suk-yeol hatte in seiner Antrittsrede am Dienstag Nordkorea wirtschaftliche Hilfe zugesagt, falls es sein Atomwaffenprogramm einstelle.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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