Coronavirus

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 113,0

26.10.2021
, 12:50
In Präsenz trotz Corona, dafür mit Maske: Studenten in Bayern.
Das Robert Koch-Institut registriert 10.473 neue Infektionen. Immer mehr Fachleute und Politiker werben mit Blick auf die Zahlen für mehr Dritt-Impfungen gegen Covid-19 bei Älteren und Risikogruppen.
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Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist abermals gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstagvormittag mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 113,0. Am Vortag hatte er bei 110,1 gelegen. Binnen eines Tages wurden demnach 10.473 Neuinfektionen registriert.

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Die Zahl der Todesfälle in Deutschland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg den Angaben zufolge um 128 Fälle auf 95.245. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen seit Beginn der Pandemie liegt laut RKI bei 4.483.203.

Der Inzidenzwert, der die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen angibt, steigt seit anderthalb Wochen kontinuierlich. Am vergangenen Freitag hatte die Inzidenz erstmals seit Mai wieder den Wert von 100 überschritten. Der Inzidenzwert war lange die entscheidende Größe für die Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern. Wegen der Fortschritte bei der Impfkampagne spielen inzwischen andere Werte eine größere Rolle, insbesondere die Zahl der Corona-Patienten in den Krankenhäusern.

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Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter – gab das RKI am Dienstag mit 2,95 (Montag: 2,77) an. Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

1,6 Millionen Menschen haben Auffrischungsimpfung

In Deutschland sind nun 66,3 Prozent der Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Das sind rund 55,1 Millionen Menschen, wie das RKI mitteilt. Demnach haben 76,8 Prozent aller Erwachsenen und 40,3 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 den vollen Impfschutz. Fast 57,5 Millionen Menschen oder 69,2 Prozent der Gesamtbevölkerung wurden mindestens einmal gegen Corona geimpft. Eine Auffrischungsimpfung haben bislang 1,6 Millionen Menschen erhalten.

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Durchschnittlich wurden in den vergangenen sieben Tagen etwa 125.000 Covid-Schutzimpfungen pro Tag in Deutschland vorgenommen – am Montag waren es 96.000, darunter rund 38.000 Zweitimpfungen und 36.000 Auffrischungen.

Das RKI geht davon aus, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft sind, als die Daten nahelegen. So hieß es in einem Bericht Anfang Oktober, dass die Quote bei einmal und vollständig Geimpften ab 18 Jahren bis zu 5 Prozentpunkte höher sein dürfte.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Auffrischungsimpfungen für Menschen ab 70, Pflegepersonal und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten, Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben und für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

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Rufe nach Booster-Impfungen

Angesichts steigender Corona-Inzidenzen sprechen sich sich Politiker und Experten für noch mehr Dritt-Impfungen gegen Covid-19 bei Älteren und Risikogruppen aus. Die sogenannten Booster-Impfungen können in der Regel sechs Monate nach dem zweiten Piks verabreicht werden, damit weitere Antikörper gebildet werden. „Booster-Impfungen für die vulnerablen Gruppen werden gerade mit Blick auf die steigenden Zahlen dringend gebraucht“, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Leider ist das nicht bundesweit einheitlich geregelt, so dass es mancherorts zu Verzögerungen kommt.“

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „In Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren ist eine neue Impfkampagne zur Nutzung der Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig.“ Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow forderte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mehr Tempo bei den Auffrischungen. „Drittimpfungen müssen jetzt so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, die aktuellen Coronazahlen sind erschreckend.“ Hennig-Wellsow betonte, „für die dritte Impfung muss genauso geworben werden wie weiterhin auch für die erste und zweite“.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, er messe „der Booster-Impfung einen sehr wichtigen Part in der Bekämpfung der Pandemie bei“. Dies gelte für Patientinnen und Patienten wie für das Krankenhauspersonal.

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Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, beklagte den „schleppenden Verlauf“ bei den Drittimpfungen. „Die Kassenärztlichen Vereinigungen tragen die Verantwortung dafür, dass nach gut drei Monaten gerade mal zwölf Prozent der über 70-Jährigen ein drittes Impfangebot erhalten haben“, sagte Brysch der NOZ. „Jetzt rächt es sich, dass gerade auf Druck der Kassenarztfunktionäre die Impfzentren und mobilen Teams größtenteils abgeschafft wurden.“

Debatte um Kimmich geht weiter

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, kritisierte die Debatte um den Impf-Status von FC Bayern-Profi Joshua Kimmich indes als „grenzenlosen Unfug“. „Es ist die persönliche Entscheidung von Kimmich und die soll es auch bleiben“, sagte Mertens der Bild-Zeitung. „Wir würden nie darüber sprechen, wäre er als Fußball-Profi nicht derart exponiert.“

Der STIKO-Chef rief dazu auf, Impf-Skeptiker und Menschen mit Bedenken zu überzeugen, statt sie unter Druck zu setzen. „Überzeugungsarbeit ist oft langwierig, aber ich glaube, dass man so noch viele Menschen für die Impfungen gewinnen kann. Formalen Druck auf Ungeimpfte habe ich immer kritisch gesehen“, sagte Mertens.

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Kimmich hatte am Samstag im Sender Sky bestätigt, dass er noch nicht geimpft sei. Er habe „persönliche Bedenken“, „gerade was fehlende Langzeitstudien angeht“, sagte der 26-Jährige. Er sei sich aber seiner „Verantwortung bewusst“, halte sich an Hygienemaßnahmen und werde alle zwei bis drei Tage getestet. Kimmich betonte, er sei „kein Corona-Leugner oder Impfgegner“ und es sei „sehr gut möglich, dass ich mich bald impfen lasse“.

Kimmichs Impfstatus wird ihn nach Einschätzung des Arbeitsrechtlers Gregor Thüsing nicht daran hindern, weiter im Profifußball anzutreten. Zwar müsse er sich vor den Partien testen lassen, für eine Impfung bestehe aber keine rechtliche Verpflichtung, sagte der Professor für Arbeitsrecht an der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Anders sei das etwa bei Zuschauern. Ihnen kann nach aktueller Gesetzeslage der Zutritt zum Stadion verweigert werden, wenn sie weder genesen noch geimpft sind.

„Vorbild zu sein, ist nun mal keine Rechtsverpflichtung, sondern eine eher moralische Verpflichtung“, sagte Thüsing. Auch nach Einschätzung des Arbeits- und Sportrechtlers Martin Schimke fehlt den Vereinen die Rechtsgrundlage, um ihre Profis zur Impfung zu verpflichten. Das könne sich erst im Fall einer gesetzlichen Impfpflicht oder zumindest einer Pflicht für die entsprechende Berufsgruppe ändern.

Quelle: dpa/AFP
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