Fünfter Anstieg in Folge

Corona-Inzidenz nun bei 72,7

17.10.2021
, 08:20
Mitarbeiter legen Fußballfans vergangenen Freitag vor einem Spiel in Hannover Armbänder um.
Das RKI meldet 8682 Corona-Neuinfektionen. Behördenchef Lothar Wieler geht davon aus, dass die Zahlen im Herbst wieder steigen werden.
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Die Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus in Deutschland ist am fünften Tag in Folge gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den bundesweiten Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche an diesem Sonntagmorgen mit 72,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 70,8 gelegen, vor einer Woche bei 66,1, vor einem Monat bei 74,7.

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Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 8682 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 7612 Ansteckungen gelegen.

17 neue Todesfälle

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 17 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 24 Todesfälle gewesen. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf 94.618.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.373.789 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.147.000 an.

Wieler: Im Herbst werden Zahlen steigen

Der Präsident des RKI, Lothar Wieler, geht von einem Anstieg der Infektionszahlen in diesem Herbst aus. Durch den Urlaubsverkehr während der Herbstferien werde es „wieder zu mehr Infektionseinträgen aus dem Ausland kommen“, sagte Wieler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die „Schwere und Dauer einer solchen Welle“ lasse sich allerdings schwer vorhersagen.

Im Sommer hätten bis zu 20 Prozent der gemeldeten Corona-Infektionen ihren Ursprung im Ausland gehabt, sagte Wieler. „Es wird auch jetzt wieder einen deutlichen Anstieg der Zahlen geben.“ Je mehr sich das Leben in den kommenden Wochen in die Innenräume verlege, desto größer werde dieser Anstieg sein. „Wie hoch die Welle wird, hängt dann vor allem von der Impfquote ab.“

Mit einem beschleunigten Anstieg von Corona-Infektionen in den nächsten Monaten rechnet auch Oliver Keppler, Leiter der Virologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zu einer neuerlichen Verschärfung der Corona-Maßnahmen rät der Virologe aber nicht: „Grundsätzlich müssen wir in dieser Phase der Pandemie in verschiedenen Bereichen Lockerungen versuchen, um zu sehen, was gut vertretbar ist und wo man noch Hygienemaßnahmen oder Testungen zur Absicherung beibehalten muss.“

„Wir haben aber insgesamt eine gute Impfquote – das ist der zentrale Baustein – viele Genesene, eine hochwertige Testinfrastruktur und ja, auch ein gutes Verständnis der Übertragungswege des Virus. Situationsbezogene Schutzmaßnahmen zählen natürlich auch dazu.“ Zu letzteren zählen Hygieneexperten beispielsweise den Verzicht auf das Händeschütteln.

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Keine Sorgen wegen Grippe

Entgegen mancher Befürchtungen steht Deutschland nach Einschätzung des Virologen keine große gleichzeitige Grippewelle bevor. „Ich erwarte keine schwere Grippesaison“, sagte Keppler. „Die Grippe wandert alternierend von der Süd- zur Nordhalbkugel und wieder zurück“ – immer im jeweiligen Winterhalbjahr. Doch weltweit seien Influenzaviren in der Bevölkerung durch die Corona-Hygienemaßnahmen weit zurückgedrängt worden. „Auf der Südhalbkugel waren zwei Winter hintereinander kaum Infektionen zu verzeichnen. Einen effizienten Eintrag des Virus bei uns im bevorstehenden Winter halte ich daher für unwahrscheinlich“, sagte Keppler. „Covid-19 muss auch in diesem Winter unser Hauptaugenmerk gelten.“

Dennoch sollte die voraussichtlich vergleichsweise entspannte Lage bei der Grippe nach Kepplers Überzeugung für gefährdete Menschen kein Grund zur Sorglosigkeit sein: „Alle Personen, denen die Ständige Impfkommission auch in früheren Jahren die Grippeimpfung empfohlen hat, sollten sich wie zuvor impfen lassen.“ Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Vorerkrankte und medizinisches Personal.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, sich in diesem Herbst besonders zahlreich gegen Grippe impfen zu lassen. Weil es in Deutschland im vergangenen Jahr infolge des teilweisen Lockdowns so gut wie keine Grippe gegeben hatte, sei das Risiko einer Grippewelle in diesem Jahr umso höher, sagte er kürzlich. Nach Angaben des RKI könnte unser Immunsystem wegen der ausgefallenen Grippewelle weniger gut auf die kommenden Influenzaviren vorbereitet sein.

Quelle: dpa/AFP
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