Pandemie in Deutschland

Sieben-Tage-Inzidenz erreicht mit 638,8 nächsten Höchstwert

20.01.2022
, 05:17
Ein Tattoostudio wird zum Testzentrum in Frankfurt.
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Die Corona-Fälle nehmen weiterhin rasant zu. Das Robert-Koch-Institut hat seit dem Vortag 133.536 Neuinfektionen verzeichnet. Experten drängen auf eine einrichtungsbezogene Impfpflicht für kritische Infrastrukturen wie Polizei, Feuerwehr und Schulen.
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Die vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldete bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz hat erstmals die Schwelle von 600 überschritten. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Donnerstagmorgen mit 638,8 an.

Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 584,4 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 427,7, im Vormonat bei 280,3. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 133.536 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.01 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche waren es 81.417 Ansteckungen.

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Experten rechnen mit immer mehr Fällen, die nicht erfasst werden können, unter anderem, weil Labore und Gesundheitsämter zunehmend an Kapazitätsgrenzen geraten.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 234 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 316 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 8.320.386 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Mittwoch mit 3,34 an. Am Dienstag hatte sie bei 3,17 gelegen.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Donnerstagmorgen mit 7.139.800 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 116.315.

Noch füllt Omikron die Intensivstationen nicht

Bislang spiegelt sich die von der Virusvariante Omikron ausgelöste Welle jedoch nicht auf den Intensivstationen. Dort ist die Zahl der Corona-Patienten laut Medizinervereinigung Divi seit der ersten Dezemberhälfte von rund 5000 auf zuletzt 2664 gesunken. Momentan infizieren sich vergleichsweise wenig Ältere, die besonders anfällig für schwere Verläufe sind.

In den vergangenen Wochen stiegen die Fallzahlen überall in Europa rasant an. Am Dienstag meldete Frankreich etwa knapp 465.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Zuletzt lag der Inzidenzwert, also die Zahl der Ansteckungen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb einer Woche, landesweit bei 3063. Auch in Großbritannien überschritt die Inzidenz zeitweise die Marke von 2000. Mittlerweile gehen dort die Zahlen jedoch wieder zurück.

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SPD drängt auf schnelle Entscheidung zur Impfpflicht

Die SPD-Fraktion will sich derweil bei ihrer Klausurtagung am Donnerstag für eine zügige Entscheidung im Bundestag über die Impfpflicht stark machen. Die Überwindung der Corona-Pandemie habe „absoluten Vorrang“, heißt es in dem Entwurf der Fraktionsführung für ein Arbeitsprogramm, das bei der Tagung beschlossen werden soll. „Die parlamentarischen Beratungen zur Impfpflicht werden wir zügig und mit der gebotenen Sorgfalt voranbringen.“ Ein Zeitplan wird in dem Papier allerdings nicht genannt.

Geplant ist aber, dass nach einer „Orientierungsdebatte“ in der kommenden Woche aus den Reihen der Fraktion Eckpunkte für einen Gesetzentwurf vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage soll dann mit Parlamentariern anderer Fraktionen über einen gemeinsamen Gruppenantrag beraten werden, über den möglichst bis Ende März abgestimmt werden soll. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich für ein Inkrafttreten im April oder Mai ausgesprochen.

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Krankenhäuser warnen vor nächster Variante

Deutsche Kliniken drängen unterdessen in der Impfpflicht-Debatte auf mehr Tempo. „Wir haben die große Sorge, dass die Politik den richtigen Zeitpunkt für eine Impfpflicht verpasst und wir bei der nächsten Variante wieder vor den gleichen Problemen in den Krankenhäusern stehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) Gerald Gaß der Zeitung Augsburger Allgemeine.

Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann spricht sich für eine „zügige Entscheidung“ aus. Die Frage müsse aber vorher im Parlament sorgfältig diskutiert werden. „Der Bundestag hat allerdings wiederholt gezeigt, dass er in der Lage ist, Tempo und Sorgfalt miteinander zu verbinden“, sagte der FDP-Politiker der Passauer Neuen Presse.

„Einrichtungsbezogene Impfpflicht schnell umsetzen“

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner will eine schnelle Corona-Impfpflicht für verschiedene Berufsgruppen, um die Impflücke rasch zu schließen. „Eine erweiterte berufsgruppenbezogene und temporäre Impfpflicht kann dabei helfen, wir dürfen jetzt keine Zeit verlieren“, der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing der Deutschen Presse-Agentur. Sie müsse vor allem für Mitarbeiter wichtiger Infrastrukturen wie Polizei und Feuerwehr gelten, aber auch für Lehrkräfte.

„Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir die einrichtungsbezogene Impfpflicht so schnell als möglich auf kritische Infrastrukturen wie Polizei, Feuerwehr und Schulen ausweiten. Eine einrichtungsbezogene Impfpflicht kann schneller umgesetzt werden. Bei einer allgemeinen Impfpflicht bin ich nicht sicher, ob wir das mit allen erforderlichen Diskussionen schnell hinkommen“, sagte Wendtner.

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Bei den Lehrkräften gehe es darum, die Schulen möglichst offen zu halten. „Es ist wichtig, dass wir die Kinder nicht dauernd in den Distanzunterricht schicken.“ Zudem sollten Lehrkräfte in der drohenden Omikronwelle vor schweren Verläufen geschützt werden. So könne Präsenzunterricht gesichert und notfalls bei dank Impfung symptomlosen Verläufen wenigstens digital in Quarantäne weiter unterrichtet werden.

Der zusätzliche Vorschlag aus der Politik für eine Impfpflicht für ab einem Alter von 18 Jahren sei darüber hinaus aus seiner Sicht sinnvoll. Er halte eine zeitlich befristete Impfpflicht für eine „maßvolle Möglichkeit, aus dieser Endlosschleife herauszukommen“, sagte Wendtner. „Wir werden sonst weiter Wellen haben, die wir nur mit harten Maßnahmen überwinden können.“

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Vor zwei Jahren war Corona in Deutschland angekommen. Spätnachts am 27. Januar 2020 hatte das bayerische Gesundheitsministerium den ersten Fall gemeldet – ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Gauting bei München hatte sich bei einer chinesischen Kollegin mit dem Virus infiziert, das anfangs noch nicht den wissenschaftlichen Namen Sars-CoV-2 trug. „Damals hat niemand die Tragweite richtig einschätzen können“, sagt Wendtner, bei dem damals die ersten – fast symptomfreien – Patienten landeten. Niemand habe geglaubt, „das wir zwei Jahre später noch ständig über die Pandemie sprechen müssen“.

Quelle: dpa, puz
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