Corona-Pandemie

RKI drängt auf Vorbereitungen für Herbst und Winter

22.07.2021
, 16:43
Passanten in München: Im Herbst ist mit steigenden Fallzahlen zu rechnen.
Das Robert-Koch-Institut ruft in einem Strategiepapier dazu auf, sich auf steigende Corona-Zahlen im Herbst vorzubereiten. Derweil beschäftigt sich eine britische Studie mit der Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) dringt wegen eines als wahrscheinlich eingeschätzten Anstiegs der Corona-Fälle im Herbst und Winter darauf, jetzt vorbeugende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zu ergreifen. So sollen schwere Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten „und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können“, schreibt das RKI in einem am Donnerstag veröffentlichten Strategiepapier, das auf verschiedene Szenarien eingeht. Als Handlungsempfehlungen werden eine „erfolgreiche Impfkampagne“, „klassische Infektionsschutzmaßnahmen der Gesundheitsämter“ und der gezielte Einsatz von Maßnahmen genannt.

Die Bevölkerung sollte laut dem Papier „frühzeitig darüber informiert werden, dass es im Winter wieder zu einer starken Belastung des Gesundheitswesens“ und möglicherweise einer regionalen oder lokalen Überlastung kommen könne, etwa bei der sogenannten ECMO-Kapazität (spezielle Maschinen für Patienten mit schwerem Lungenversagen). Das RKI betont: „Die Vorstellung des Erreichens einer Herdenimmunität im Sinne einer Elimination oder sogar Eradikation des Virus“ – also ein weitgehendes Zurückdrängen oder Ausrotten – sei nicht realistisch.

Das RKI spricht sich schon länger dafür aus, die Grundregeln gegen Corona wie Abstand, Hygiene, Maske, Lüften und Corona-Warn-App weiter beizubehalten. Im Papier heißt es, durch organisatorische Maßnahmen wie die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten und Teilnehmerbegrenzungen für Veranstaltungen solle die Zahl der „infektiösen Kontakte“ weiterhin reduziert werden. Für den Pflegebereich, Krankenhäuser und Schulen etwa gibt das RKI noch weitergehende Hinweise.

Eine britische Studie hat derweil eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und AstraZeneca gegen die Delta-Variante des Coronavirus bestätigt. Zwei Dosen des Impfstoffs gegen Covid-19 von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca seien gegen die hochgradig übertragbare Delta-Variante des Coronavirus fast genauso wirksam wie gegen die bisher dominierende Alpha-Variante, heißt es in der im New England Journal of Medicine veröffentlichten Untersuchung. Demnach sind zwei Impfungen mit BioNTech/Pfizer zu 88 Prozent wirksam, um eine symptomatische Erkrankung durch die Delta-Variante zu verhindern, verglichen mit 93,7 Prozent gegen die Alpha-Variante. Die Zweifachimpfung mit AstraZeneca schützt zu 67 Prozent wirksam gegen die Delta-Variante, verglichen mit 74,5 Prozent gegen die Alpha-Variante.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schätzt die Gefahr der Delta-Variante des Coronavirus deutlich höher ein als bislang vermutet. Sie sei nicht nur ansteckender, sondern führe auch zu mehr Todesfällen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies zeigten jüngste Auswertungen aus Kanada. „Die ursprüngliche Hoffnung, dass die Delta-Variante zwar ansteckender sei, aber leichter verlaufe, hat sich leider nicht bestätigt. Auch nicht in den Daten aus England.“ Dies mache ihn „sehr sorgenvoll für den Herbst“. Auch mit einem leichten Verlauf bei Kindern sei nicht zu rechnen. „Obwohl wir dort keine oder nur sehr wenige Todesfälle erwarten müssen, wird es viele auch schwere Verläufe geben, deren Endergebnis Long Covid auch für Kinder sein kann.“

Quelle: dpa/Reuters
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