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Quarantäne

Schule in Zeiten von Corona

Von Theresa Weiß
Aktualisiert am 11.03.2020
 - 21:20
Stühle hoch: In vielen Schulen fällt wegen des Coronavirus der Unterricht aus.
Mehrere Schulen sind schon wegen eines Corona-Falls geschlossen, auch das Max-Planck-Gymnasium in Lahr bei Offenburg. Wie bereiten sich die Schüler da auf das nahende Abitur vor? Ein Lehrer berichtet aus der Quarantäne.

Martin Geier ist Lehrer am Max-Planck-Gymnasium in Lahr und in Quarantäne. Eine Schülerin hat das Coronavirus aus ihrem Skiurlaub in Südtirol nach Lahr mitgebracht. Sie hatte keine merklichen Symptome, besuchte die Schule und wurde am Freitag mit dem Virus diagnostiziert, nachdem ihre Mutter erkrankt war. Es war der erste Fall im Landkreis. Die Stadt Lahr ordnete die Schließung der Schule an, wenige Stunden bevor die Besucher des „Infotags“ das Gebäude betraten. „Wir haben eine Eilmeldung auf unserer Webseite geschaltet. Die Seite ist dann erst einmal zusammengekracht, weil sie nicht genügend Kapazitäten hatte“, erzählt Geier.

Die Schule wollte sich beim „Infotag“ am vergangenen Freitag Hunderten Kindern und deren Eltern vorstellen, die sich jetzt entscheiden müssen, an welche Schule sie nach den Sommerferien gehen werden. „Wir haben Wochen darauf hingearbeitet“, sagt Martin Geier. Er unterrichtet an dem Gymnasium Deutsch und Erdkunde und koordiniert die Webseite der Schule, sitzt aber seit vergangener Woche in seinem Arbeitszimmer und verfolgt, wie die individuellen Fortschrittsbalken der Schüler seines Deutschkurses wachsen, nachdem sie eine Aufgabe bearbeitet haben.

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Der Lehrer hatte direkten Kontakt mit der kranken Schülerin. Er und die Jahrgangsstufen elf und zwölf sind darum in Quarantäne, die anderen Klassen sind in Isolation. Doch die geschlossene Schule bedeutet keineswegs Ferien. „Wir mussten uns überlegen, wie wir unterrichten können, damit die Abiturienten keine Nachteile haben.“

Das schriftliche Abitur steht in den nächsten Wochen in ganz Deutschland an. Die Kultusminister der Länder beraten darum am Donnerstag und Freitag in Berlin über Notfallpläne. Wer zum Abi-Termin krank oder in Quarantäne ist, soll zu einem zentralen Termin nachschreiben, heißt es bislang. Doch nicht nur die Prüfung selbst beschäftigt die Schüler. Fällt der Unterricht davor aus, sind sie schlechter vorbereitet.

Geier hat darum bei Moodle, einem Online-Lernsystem, Aufgabenpakete hochgeladen und die Balken eingerichtet, die ihm zeigen, wie weit die Schüler schon sind. „Ich bin positiv überrascht, wie gut das funktioniert.“ In seinem Fach, Deutsch, seien die Nachteile für die Kinder, die sich auf das Abitur vorbereiten, nicht gravierend. Die Schüler müssten gerade ohnehin viel schreiben, sie üben Aufsätze, Interpretationen oder Gedichtanalysen. Das geht auch gut am Computer.

Doch was ist mit der Rückmeldung des Lehrers? Schließlich hat es einen Sinn, dass Schüler meist direkt unterrichtet werden, dass sie Nachfragen stellen können. Geier gibt trotzdem individuelle Rückmeldung. Es kommt ihm zupass, dass er auch schon vor der Quarantäne digitale Strukturen genutzt hat. Der Lehrer hat zum Beispiel unter Klausuren einen QR-Code gesetzt, unter dem die Schüler sich einen Audio-Kommentar abrufen konnten. Für ihn war es einfacher, seine Kritik am Aufsatz eben ins Handy zu diktieren, der Schüler konnte ihn abhören, wenn er bereit war. Mit der Technik ist er also vertraut, Audio-Kommentare verschickt er nun zum Beispiel auch. Die Arbeitsaufträge hatte er auch vorher schon in digitaler Form, er musste sie aber anpassen, damit sie selbsterklärend sind. „Das waren schon ein paar Nachtschichten.“

Die Kinder machen gut mit, Geier sieht die Balken wachsen. „In der Kursstufe wissen die Schüler, dass sie lernen müssen.“ Ihnen ist selbst klar, dass sie sich auf die bevorstehenden Prüfung vorbereiten müssen.

Und was bleibt für den Lehrer zu tun? „Langeweile kommt nicht auf“ sagt Geier, obwohl er sich praktisch im Arbeitszimmer verschanzt hat, um seine Familie nicht zu gefährden. Er hat noch eine große Klausur zu korrigieren und wartet auf Einsendungen seiner Schüler zum Projekt „Jugend und Wirtschaft“ der F.A.Z. Er verfolgt die Balken, kommuniziert mit dem Schulleiter, gibt Adressen an das Gesundheitsamt weiter. Ansonsten führt der Lehrer Tagebuch, so wie es vorgeschrieben ist: Jeden Tag misst er seine Temperatur, trägt Symptome ein. Bisher geht es ihm gut. Er nimmt es mit der Quarantäne trotzdem ernst, isst getrennt von seiner Familie, benutzt ein anderes Bad. „Ich bleibe aber optimistisch“, sagt er. In anderthalb Wochen geht der Schulbetrieb ja auch weiter. Und wenn es dann eine neue Infektion, eine neue Quarantäne gibt? Geier bleibt zuversichtlich: „Es wird Lösungen geben. Und im Zweifelsfall sind wir als Schule dann auch besser vorbereitet als dieses Mal.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Weiß, Theresa
Theresa Weiß
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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