Dritte Dosis gegen Corona

US-Experten gegen Auffrischungsimpfung für alle

18.09.2021
, 03:04
In Pennsylvania wird eine Corona-Impfung verabreicht.
Joe Bidens Fachleute widersprechen dem Präsidenten: Eine Booster-Impfung sei nur für Ältere und besonders Gefährdete generell empfehlenswert, heißt es aus der US-Arzneimittelbehörde. Anderswo wird Impfstoff dringender gebraucht.

Ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt Corona-Auffrischungsimpfungen mit dem Mittel von BioNTech/Pfizer nur für ältere Menschen und Risikogruppen. Die einflussreiche Gruppe von Wissenschaftlern kam am Freitag nach stundenlanger Diskussion zu dem Schluss, dass vorliegende Daten eine allgemeine Einführung einer dritten Impfdosis für Menschen älter als 16 Jahre nicht rechtfertigten. Für Senioren über 65 und Angehörige von Risikogruppen würde eine dritte Dosis aber Sinn machen, hieß es.

Amerikas Präsident Joe Biden hatte sich angesichts abnehmender Immunität gegen Covid-19 für eine weitere Dosis für alle ausgesprochen, deren Zweitimpfung schon mehr als acht Monate her ist.

Lieber erste Impfung für Arme als dritte für Reiche

Zuletzt hatten aber auch Forscher im Fachmagazin Lancet Zweifel an Corona-Auffrischungsimpfungen für alle geäußert: „Die bisherige Studienlage zeigt keine Notwendigkeit, in Bevölkerungsgruppen mit wirksamer, vollständiger Impfung Booster auf breiter Front zu verabreichen“, hieß es dort. Die weltweit noch immer begrenzte Anzahl an Impfdosen könne die meisten Leben retten, wenn sie Menschen zugute käme, die ein erhebliches Risiko einer schweren Erkrankung haben und noch ungeimpft sind.

Hintergrund ist, dass in manchen reichen Ländern über Auffrischungsimpfungen für alle nachgedacht wird, während anderswo noch kaum jemand geimpft ist. Die WHO hatte bereits Anfang August einen vorübergehenden Stopp von Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus gefordert, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten.

Viele Krankenhäuser in den USA sehen sich wegen des Anstiegs von Coronavirus-Fällen mit Personal- und Ausrüstungsengpässen belastet. Lieferprobleme würden dazu führen, dass einige Krankenhäuser nicht mehr genügend Sauerstoff für die Patienten hätten, sagt Nancy Foster, Vizepräsidentin für Qualität und Patientensicherheit der American Hospital Association, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe einen Mangel an Fahrern, die für den Transport von Sauerstoff qualifiziert sind und einen Mangel an den dafür benötigten Tanks. Einige Krankenhausmitarbeiter seien von der neuen Infektionswelle so überfordert, dass sie Jobs im Einzelhandel und anderen nicht-medizinischen Bereichen angenommen hätten, so Foster.

Quelle: dpa/Reuters
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