Warnung vor Alleingängen

Gates rechnet mit Corona-Impfstoffen im ersten Quartal 2021

Aktualisiert am 15.09.2020
 - 05:45
Bill Gates, Gründer von Microsoft und der Bill & Melinda Gates Foundation
Der amerikanische Milliardär sieht die Massenherstellung und eine gerechte Verteilung der Seren als Herausforderung. Um die Corona-Pandemie zu beenden, brauche es eine „gemeinsame globale Antwort“. Dass sein Name in Verschwörungstheorien auftaucht, findet Gates „ironisch“.

Microsoft-Gründer Bill Gates erwartet, dass bereits Anfang des kommenden Jahres mehrere Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus zur Verfügung stehen. Er rechne damit, dass „mit etwas Glück“ im ersten Quartal „drei oder sogar vier“ Impfstoffe zugelassen werden, sagte Gates der Internetsendung „Bild live“ in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Die Herausforderung werde dann aber sein, die Mittel in Massen herzustellen, betonte der amerikanische Multimilliardär, dessen Stiftung die Entwicklung und Verbreitung von Impfstoffen fördert. Um die Corona-Impfstoffe weltweit sieben Milliarden Menschen zur Verfügung zu stellen, würden fast 14 Milliarden Dosen gebraucht: „Das wurde zuvor noch nie gemacht.“ Es handle sich um eine Notfallmaßnahme, die ganz neue Strategien erfordere.

Gates, der selbst im Zentrum vieler Verschwörungstheorien um das Coronavirus steht, warnte eindringlich vor Desinformation und Lügen im Internet über die Pandemie: „Diese verrückten Ideen verbreiten sich irgendwie schneller in den sozialen Medien als die Wahrheit.“ Er sei „überrascht“ darüber, dass sein eigener Name in den Verschwörungstheorien auftauche. „Ich finde, dass es irgendwie ironisch ist, dass ich anmahnte, auf diese Pandemie vorbereitet zu sein – und jetzt gibt es Leute, die sagen, ich sei dafür verantwortlich.“ In Internet-Videos und teilweise auch bei den Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen wird behauptet, Gates sei für die Verbreitung des neuartigen Coronavirus verantwortlich und wolle durch die Pandemie noch reicher werden.

Gates unterstrich jetzt in dem Interview, es gehe ihm bei der Förderung von Impfungen darum, Leben zu retten. Er sei stolz darauf, „dass mehrere zehn Millionen Menschen dank der neuen Impfbemühungen, an denen wir beteiligt sind, gerettet werden konnten“. An die Adresse der Verschwörungstheoretiker sagte er: „Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, und es ist wichtiger als je zuvor, sich mit den Tatsachen und der Wahrheit auseinanderzusetzen.“

Goalkeepers Report: Fortschritt 20 Jahre zurückgeworfen

Gemäß dem jährlichen Goalkeepers Report der Gates Foundation wurde der Fortschritt auf dem Weg zur Erfüllung der United Nations Sustainable Development Goals durch COVID-19 um 20 Jahre zurückgeworfen. Der Bericht zeigt auf, wie sich Ungerechtigkeiten aufgrund wirtschaftlicher Schäden verstärkt haben und wie das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele der UN aus der Bahn geraten ist; außerdem werden Länder vorgestellt, die Herausforderungen mit Innovationen entgegentreten.

Der Bericht bietet den aktuellsten globalen Datensatz dazu, wie die Pandemie den Fortschritt auf dem Weg zu den Globalen Zielen beeinträchtigt. Fast alle Kennzahlen zeigen dabei die Welt im Rückschritt. Aufgrund von COVID-19 ist die extreme Armut um Prozent gestiegen. Die Versorgung mit Impfstoffen, ein gutes Messinstrument für den Zustand der Gesundheitssysteme, ist auf einen Stand aus den 1990er Jahren gefallen. Die Welt wurde also in 25 Wochen um etwa 25 Jahre zurückgeworfen.

Wirtschaftliche Schäden aufgrund von COVID-19 verstärken Ungleichheiten. Die Pandemie hat unverhältnismäßige Auswirkungen auf Frauen, Gemeinschaften von ethnischen Minderheiten sowie Menschen, die in extremer Armut leben. Rund um die Welt sehen sich Frauen immer größeren Belastungen gegenüber, welche die insgesamt steigende Nachfrage nach unbezahlten Pflegearbeiten mit sich bringt. Außerdem sind es in der Mehrheit Frauen, welche ihren Job verlieren. In den Vereinigten Staaten gaben zweimal so viele Menschen mit schwarzer Hautfarbe und Latinos an, ihre Miete nicht bezahlen zu können, wie Menschen mit weißer Hautfarbe.

„Gemeinsame globale Antwort“ nötig

Entgegen der trostlosen Aussichten beschreiben Bill und Melinda Gates einen Weg, die Pandemie zu beenden und auf dem Weg zu den globalen Zielen wieder Fortschritte zu machen. In dem Bericht, den die beiden jedes Jahr gemeinsam verfassen, rufen Sie die Welt auf, bei der Entwicklung von Diagnostik, Impfstoffen und Behandlungsmethoden zusammenzuarbeiten, so schnell wie möglich Tests und Impfdosen herzustellen, und diese Mittel dann gerecht und bedarfsabhängig zu verteilen – unabhängig davon, ob jemand dafür bezahlen kann. Aktuell stehen einige praktikable Strategien bereit, mit denen gerechte Ergebnisse erzielt werden können, zum Beispiel der Access to COVID-19 Tools (ACT) Accelerator, der die ernsthaftesten gemeinschaftlichen Bemühungen darstellt, die Pandemie zu beenden. Daran beteiligt sind Organisationen wie Gavi, die Vaccine Aliance sowie der globale Fonds für den Kampf gegen AIDS, Tuberkulose und Malaria.

„Die Antwort auf die COVID-19-Pandemie hat das Beste an der Menschheit zu Tage gebracht: Bahnbrechende Innovationen, die heroischen Taten von Arbeitern mit direktem Kontakt zum Virus oder einfach nur das, was ganz normale Menschen für Ihre Familien, Nachbarn und Gemeinschaften tun,“ schreiben Bill und Melinda Gates. „Diese gemeinsame globale Krise verlangt nach einer gemeinsamen globalen Antwort.“

Dieser Bericht macht klar, dass kein Land dieser Herausforderung alleine gewachsen sein wird. Alle Bemühungen einzelner Länder, nur sich selbst zu schützen, ohne dabei die anderen zu beachten, zieht nur das von dieser Pandemie verursachte Elend in die Länge. Die Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen kann die Pandemie nicht schnell beenden, wenn diese nicht gerecht verteilt werden. Kaufen die reichen Länder die ersten 2 Mrd. Dosen des Impfstoffs auf, anstatt sie gerecht zu verteilen, dann könnten dadurch gemäß einem Modell der Northeastern University beinahe doppelt so viele Menschen an COVID-19 sterben.

Quelle: chrs./AFP/dpa/ots
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