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Fakten zur Epidemie

Was Sie jetzt über das Coronavirus wissen sollten

Von Lucia Schmidt
Aktualisiert am 26.02.2020
 - 13:58
Stärkste betroffene Stadt: Mediziner in überprüfen die Informationen der Patienten im Krankenhaus „Jiangxia Temporary Hospital“ in Wuhan.zur Bildergalerie
Was wissen wir über das Coronavirus, was ist nur Vermutung oder gar Gerücht? Hier fassen wir für Sie zusammen, welche Fakten zu dem Virus vorliegen, wie tödlich es wirklich ist und wie sich eine Erkrankung nachweisen lässt.

Jeden Tag erscheinen unzählige neue Nachrichten und Forschungsergebnisse zum neuartigen Coronavirus, das mittlerweile den offiziellen Namen Sars-CoV-2 oder auch Covid-19 trägt. Dabei ist es nicht leicht, den Überblick darüber zu behalten, was nun sicheres Wissen ist und was Vermutung, vielleicht sogar nur Gerücht. Wir haben den Stand versucht, so aktuell wie möglich zusammenzufassen.

Was sind Viren?

Viren sind strenggenommen keine Lebewesen. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und damit keine Möglichkeit, selbst Energie zu gewinnen. Damit sie überleben und sich weiterentwickeln können, sind sie immer auf einen Wirt angewiesen, der ihnen all das zur Verfügung stellt, was sie selbst nicht haben. Wirte können Tiere, Pflanzen oder eben der Mensch sein. Dort nistet sich das Virus, bestehend aus Lipid- und Proteinpartikeln, die ihr Erbgut enthalten, ein und nutzt den Stoffwechsel und die Energiegewinnung des Wirts aus, um sich zu vermehren. So macht es den Wirt im schlimmsten Fall krank. Auch für Covid-19 gilt das so.

Was weiß man über das neuartige Coronavirus?

In den ersten Wochen der Epidemie hat man das neuartige Coronavirus häufig mit dem Sarsvirus oder dem Influenzavirus, das in unseren Breiten die Grippe überträgt, verglichen. Mittlerweile weiß man, dass die Vergleiche hinken. Das neuartige Coronovirus scheint deutlich ansteckender zu sein, also schneller übertragbar als Sars und wohl auch die Grippe zu sein. Hochrechnungen zufolge soll jeder Infizierte das Virus im Schnitt an 1,8 bis 3,5 andere Menschen weitergeben. Allerdings weiß man mittlerweile auch, dass es eine Menge Menschen gibt, die mit dem Virus infiziert sind, aber kaum oder gar keine Symptome zeigen. Laut Untersuchungen, auch aus Deutschland, können aber auch Betroffene mit ganz leichten Symptomen das Virus schon weitergeben. Warum sie das so schnell tun, liegt wohl daran, dass sich das Virus unabhängig von der Lunge auch im Nasen- und Rachenraum vermehrt. Beim Husten, Sprechen und Niesen wird es leicht verbreitet. Dass dies wohl tatsächlich so ist, zeigt auch die Ausbreitung des Virus auf Kreuzfahrtschiffen, wo viele Menschen auf sehr engem Raum zusammenleben. Auch aus der sehr stark betroffenen chinesischen Provinz Hubei gibt es Meldungen, dass eine große Zahl der Übertragungen im Krankenhaus selbst stattfindet. Eben dort, wo viele Kranke auf engem Raum sind. Aus China heißt es, dass immer mehr medizinisches Personal infiziert sein soll – auch weil die nötigen Schutzanzüge fehlen. Auch in Italien sind einige Fälle in Krankenhäuser aufgetreten, weil das Virus zu spät entdeckte wurde und an geschwächte Personen so weitergeben wurde.

Warum erkranken so schnell so viele Personen?

Das Coronavirus gilt mittlerweile als sehr ansteckend, außerdem ist es ein neues Virus, praktisch niemand hat dagegen schon mal Antikörper entwickelt. Deshalb findet das Virus viele Möglichkeiten, sich weiterzuverbreiten. Die Menschen sind, wie Experten sagen, „immunologisch naiv“.

Wie tödlich ist das Virus?

Im Vergleich zumindest zu Sars oder Mers soll die Todesrate von Covid-19 nicht so hoch sein. Vonseiten der Weltgesundheitsorganisation heißt es: 80 Prozent der Patienten zeigten milde Formen von Covid-19 und erholten sich wieder – wie es bisher auch bei den Fällen war, die in Deutschland festgestellt wurden. In etwa 14 Prozent der Fälle verursache das Virus schwere Krankheitsverläufe mit Atemnot und Kurzatmigkeit. Etwa fünf Prozent der Patienten erlebten Atemstillstand, einen septischen Schock oder Multiorganversagen. In zwei Prozent der Fälle verliefe Covid-19 tödlich. Wobei diese letzte Annahme vermutlich zu hoch ist, da die Experten aufgrund der vielen milden Symptome von einer hohen Dunkelziffer Infizierter ausgehen. Würden diese entdeckt und mitgezählt, ginge die Mortalitätsrate nach unten.

Gibt es Risikogruppen?

Zu den Risikogruppen, bei denen eine Infektion eher schwer verläuft, zählen ältere und chronisch kranke Menschen, tendenziell sind darunter auch mehr Männer. Kinder sind relativ selten betroffen. Aber auch hier muss gesagt werden: Auf die Frage, warum nach Medienangaben in China einige eher junge, gesunde Ärzte verstorben sind, gibt es keine Antwort. Überhaupt sagen Experten, dass das, was wir bisher über das Virus wissen, sehr stark davon geprägt ist, dass es solch drastische Quarantänemaßnahmen und Reisebeschränkungen in China gibt. Diese Tatsache erschwere die Voraussage, wie sich das Virus unter „normalen“ Verhältnissen und ohne Engpässe bei der medizinischen Versorgungslage verhalten und verbreiten würde. Manch ein Wissenschaftler spricht von einer Blackbox, auf die in China geschaut werde. Deshalb konzentrieren sich die Forscher auf die Fälle in anderen Ländern, bei denen man die Infektionskette oft gut nachvollziehen kann.

Es ist bei Risikogruppen immer wieder von Vorerkrankungen die Rede, was heißt das genau?

Damit sind vor allem Herz-Kreislauf-Leiden, chronische Lungenerkrankungen, Diabetes und Krebserkrankungen gemeint, auch frisch operierte Menschen zählen hierzu. Aber auch Stoffwechselerkrankungen oder Krankheiten, die das Immunsystem insgesamt schwächen. Insgesamt muss man aber sagen, dass auch Menschen an dem Virus verstorben sind, die keine Vorerkrankungen hatten – wieder gilt, wir wissen vieles noch nicht.

Fieber, Husten, Atemnot

Wie wird auf Sars-CoV-2 getestet?

In Deutschland wird nur der auf das Virus getestet, bei dem es nach einer Reise oder Kontakt zu betroffenen Personen besondere Gründe gibt. „Um das Virus nachzuweisen“, erklärt Professorin Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, „benötigt man von dem Patienten einen Rachenabstrich und Sputum, also abgehusteten Schleim“.

Welche Symptome treten auf, wenn man erkrankt ist?

Erkrankte haben Fieber, Husten und teilweise Atemnot mit starkem Krankheitsgefühl. Damit ähneln die Symptome den Symptomen anderer Atemwegsinfektionen und lassen sich insbesondere von der klassischen Virusgrippe nicht leicht unterscheiden. Ganz sicher lässt sich die Erkrankung daher nur über Tests im Labor bestimmen.

Wie behandelt man Erkrankte?

„Wie bei zahlreichen Viruserkrankungen gibt es auch beim 2019-nCoV keine Möglichkeit der ursächlichen Therapie“, sagt Timo Wolf, Leiter der Isolationseinheit für hochpathogene Infektionserkrankungen am Universitätsklinikum Frankfurt. Bei der Therapie von Betroffenen müsse man sich deshalb auf die Behandlung der Symptome beschränken. Dazu zählten: Flüssigkeitszufuhr, Schmerzbehandlung und fiebersenkende Mittel, das Behandeln von Begleiterkrankungen und in schweren Fällen Atemhilfen. Bei den Fällen, die in Bayern behandelt wurden und bei denen man das Virus sehr früh entdeckt hat, haben wohl auch sogenannte Virustatika geholfen, also Medikamente, die ein Vermehren des Virus hemmen. Eine Impfung, an der zurzeit geforscht wird, gibt es frühestens in ein bis zwei Jahren.

Sars, Mers, jetzt das neuartige Coronavirus: Kommt es in China öfter zu Ausbrüchen von Viruserkrankungen als in anderen Ländern?

Experten meinen ja, obwohl neue Viruserkrankungen auch in anderen Ländern vorkommen. Dass China besonders häufig betroffen sei, habe zwei Gründe, sagt Professor Dr. Christian Drosten von der Charité: Es handele sich um ein riesiges Land, in dem ein großer Teil der Weltbevölkerung lebe – und das häufig auf engem Raum in Großstädten. Hinzu komme „eine Präferenz für besonders frische Lebensmittel, gerade Fleisch, das oft auf Märkten verkauft wird, auf denen die Tiere lebend gehandelt oder noch an Ort und Stelle verarbeitet werden. Auch die Nutzung und der Verkauf von exotischen Tier- und Wildtierarten, die beispielsweise in der Pelzproduktion oder der traditionellen Medizin gebraucht werden, trägt vielleicht dazu bei“.

Was ist eine Pandemie?

Wenn Experten von einer Pandemie sprechen, meinen sie damit eine länderübergreifende, globale Verbreitung einer Infektionskrankheit. Bleibt die Infektion hingegen örtlich beschränkt, sprechen sie von einer Epidemie.

Wird es eine Pandemie geben?

Noch immer sind sowohl die WHO als auch Insektologen und Epidemiologen vorsichtig, dieses Wort in den Mund zu nehmen. Aber spätestens nachdem nun bekannt wurde, dass es auch erste Fälle in Südamerika gibt, sind mehrere Kontinente betroffen, also immer mehr Kriterien für eine Pandemie erfüllt. Insgesamt hofft man, dass man die Ausbreitung verlangsamen kann – auch, in dem betroffene Orte dann vorbereitet sind und genügend Maßnahmen ergriffen haben, damit die Lage nicht dramatisch wird.

Kann die Bevölkerung etwas dazu beitragen, um eine Pandemie zu verhindern?

Es ist sicher keine schöne Nachricht, aber sinnvoll ist es: Das Reisen sollte im Moment eingeschränkt werden – zumindest, wem das möglich ist. Umso weniger Möglichkeiten hat das Virus, sozusagen als Gepäck in andere Länder getragen zu werden. Daneben gilt, was ohnehin in Erkältungszeiten gilt: sich über das Virus informieren, regelmäßig gründlich die Hände mit Seife waschen, Räume lüften und mit Symptomen zuhause bleiben, um möglichst wenige Menschen anzustecken. Wer tatsächlich die Befürchtung hat, am Coronavirus zu leiden, der sollte in keine Arztpraxis, sondern telefonisch mit seinem Hausarzt oder der Klinik Kontakt aufnehmen, um andere nicht zu gefährden. Um das Gesundheitssystem nicht völlig zu überlasten, macht es übrigens nur Sinn, sich auf das Virus testen zu lassen, wenn es dafür einen Anlass gibt.

Quelle: FAZ.NET
Lucia Schmidt - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Lucia Schmidt
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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