Ebola in Westafrika

„Die Epidemie ist beispiellos“

30.07.2014
, 14:14
Auf Kleinigkeiten kommt es an: Ein Geldwechsler in Liberia desinfiziert sich nach jedem Kunden die Hände
Die Organisation Ärzte ohne Grenzen warnt: Sollte sich die Lage in den Ebola-Gebieten nicht schnell verbessern, könnten schon bald weitere Länder betroffen sein. Die EU stellt indes weitere zwei Millionen Euro für den Kampf gegen das Virus bereit.
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Angesichts der Ebola-Seuche in Westafrika schlägt die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Alarm: „Diese Epidemie ist beispiellos, sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle und die Situation verschlechtert sich immer weiter“, warnte Einsatzleiter Bart Janssens in der Zeitung „Libre Belgique“ vom Mittwoch. Sollte sich die Lage vor Ort nicht rasch verbessern, könnten bald weitere Länder betroffen sein.

Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen große Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus, sagte Janssens. Zugleich fehle ein umfassender Überblick, um zu verstehen, „wo die Hauptprobleme liegen“. Er rief die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und die Regierungen auf, die Epidemie mit aller Macht zu bekämpfen.

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Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Stamm in Westafrika aus. Mehr als 1200 Menschen wurden nach WHO-Angaben bisher infiziert, mehr als 670 von ihnen starben. Betroffenen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria. Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in einer Vielzahl von Fällen zum Tod führen kann. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

Verdachtsfall in Großbritannien

Nach einem Ebola-Verdachtsfall in Großbritannien warnte auch der britische Außenminister Philip Hammond vor einer „ernsthaften Gefahr“. „Wir sind uns bewusst, dass sich eine neue Bedrohung abzeichnet, mit der wir uns beschäftigen müssen“, sagte Hammond dem Sender Sky News. Zuvor war ein aus Westafrika zurückgekehrter Brite auf das Ebola-Virus getestet worden – der Verdacht hatte sich jedoch nicht bestätigt. Hammond kündigte ein Treffen des Krisenausschusses der Regierung unter seiner Leitung an, um über mögliche Maßnahmen zu beraten.

Die Europäische Union stellte weitere zwei Millionen Euro für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung. Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sprach von einem „extrem besorgniserregenden Ansteckungsgrad“ in den betroffenen Staaten. Sie rief die internationale Gemeinschaft zu weiteren Anstrengungen auf.

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Nach der nigerianischen Fluggesellschaft Arik setzte auch die in Togo ansässige panafrikanische Airline ASKY alle Flüge zu den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone aus. Der liberianische Fußballverband sagte sämtliche geplanten Spiele im Land vorerst ab. Bereits zu Wochenbeginn hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf eine weitgehende Schließung der Landesgrenzen angeordnet sowie alle Demonstrationen und Großveranstaltungen untersagt.

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Personal steckt sich immer öfter selbst an

Der Kampf gegen die Seuche wird vor Ort dadurch erschwert, dass sich mehr und mehr Personal in den Ebola-Zentren selbst mit dem Virus ansteckt. Sierra Leone meldete am Dienstag den Tod des Leiters der größten Ebola-Klinik in Kenema, Omar Khan. Nach Informationen der „Bild“ hätte der in Sierra Leone als Nationalheld verehrte Virologe und Ebola-Fachmann im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt werden sollen. In Khans Klinik waren zuvor bereits drei Krankenschwestern an der Seuche gestorben.

In Liberia kämpfen ein infizierter Arzt sowie eine Missionarin aus den Vereinigten Staaten mit dem Tod. Kent Brantly sei „ernsthaft krank und schwach“, sagte sein befreundeter Kollege, David Mcray, über den Zustand des Arztes.

Quelle: AFP
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