Epidemien

Vogelgrippe-Viren in Schweinen: Menschen ebenfalls anfällig?

20.08.2004
, 16:59
Schweine: Träger der Vogelgrippe-Erreger
Kann der Vogelgrippe-Virus über den „Umweg“ Schwein auch auf den Menschen übergreifen? Die Furcht wächst, die Weltgesundheitsorganisation ist besorgt.
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In China ist erstmals ein tödlicher Stamm von Vogelgrippe-Viren in Schweinen entdeckt worden. Dies berichteten chinesische Veterinäre am Freitag auf einer Konferenz zu den Epidemien Vogelgrippe und Sars in der chinesischen Hauptstadt Peking. Da Schweine auch menschliche Grippeviren aufnehmen können, wächst die Besorgnis, die Vogelgrippe könne auf den Menschen übergreifen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt dennoch davor, die chinesische Entdeckung überzubewerten.

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„Es ist nicht nur das erste Mal in China, sondern weltweit“, betonte Chen Hualan vom Nationalen Vogelgrippe-Referenzzentrum am Rande des internationalen Symposiums die Bedeutung seines Fundes. Wissenschaftler hätten den tödlichen Erregerstamm H5N1 in Schweinen entdeckt, die im vergangenen Jahr getestet wurden; bei jüngeren Tests seien in anderen Schweinen ebenfalls die Erreger entdeckt worden. H5N1 ist auch jener Erreger, der derzeit in Malaysia grassiert und dem in Asien in diesem Jahr auch mindestens 27 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Schweine gelten als „Mischgefäße“

Schweine können sich gleichzeitig mit Menschen- und Vogelgrippeviren infizieren und gelten daher als Mischgefäß von beiden. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchten, das ein Mischvirus eine weltweite schwere Grippewelle auslösen könnte. Das Auftauchen des Virus in Schweinen hält WHO-Sprecher Dick Thompson für nicht überraschend. „Solche Fälle hat es schon gegeben“, stellte er in Genf fest. Auch Infektionen bei Menschen wären keine Überraschung, sagte Thompson. Notwendig sei jetzt eine „weiträumige Überwachung“ der Situation.

Besorgt ist die WHO derzeit vor allem wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe in Malaysia. „Es wird ein langer und schwieriger Kampf, das Virus zu eliminieren“, sagte der WHO-Direktor für die Region West-Pazifik, Shigeru Omi, am Freitag in Manila. Je länger die Bekämpfung dauere, desto größer werde die Gefahr für die öffentliche Gesundheit.

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Bei der Untersuchungen von erkrankten Hühnern in einem malaysischen Dorf an der Grenze zu Thailand war am Donnerstag der gefährliche Geflügelpest-Erreger H5N1 festgestellt worden. Die Behörden ließen daraufhin alle rund 100 Hühner des Ortes töten. Derweil wurde ein 16 Jahre altes Mädchen aus dem Dorf mit grippeähnlichen Symptomen in eine Klinik gebracht, um es auf eine mögliche Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus zu testen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa
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